Türkei ergreift weitreichende Maßnahmen zur Reduzierung des Gebrauchs von Antibiotika und zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen

Mesil Aksoy

In der Türkei werden mehr Antibiotika eingesetzt als in den meisten anderen Ländern der Europäischen Region der WHO, und der Gebrauch von Antibiotika ist eine wesentliche Triebkraft bei der Entstehung von Antibiotikaresistenzen (AMR). Angesichts dieses wachsenden Problems haben die türkischen Behörden mit Anleitung und Unterstützung durch die WHO eine Reihe integrierter Interventionen durchgeführt. Seitdem belegen erste Daten bereits einen rückläufigen Trend in Bezug auf den Gesamtverbrauch.

Infektionsschutz und -bekämpfung: Zur Vorbeugung gegen AMR unterstützt das türkische Gesundheitsministerium Maßnahmen zur Förderung der Handhygiene. So bieten Krankenhäuser Schulungen zum Thema Handhygiene an, und die Einhaltung der geltenden Vorschriften durch das Gesundheitspersonal wird überwacht. Handhygiene ist auch ein Bestandteil der Qualitätsnormen im Gesundheitsbereich, dem nationalen Akkreditierungssystem der Türkei.

Innovation: Zur Überwachung und Kontrolle des Gebrauchs von Antibiotika wurde ein neues elektronisches Verschreibungssystem entwickelt. Es ermöglicht eine Rückverfolgung von Verschreibungsdaten und gibt den Ärzten Rückmeldung. Die Türkei ist ein Mitglied des Netzwerks zur Regelung des Verbrauchs antimikrobieller Arzneimittel, und ihre Daten erfüllen die internationalen Normen der WHO.

Surveillance: Die Türkei gehört zu den Ländern der Europäischen Region, die bei der AMR-Surveillance Pionierarbeit geleistet haben. Das 2011 eingeführte System der AMR-Surveillance wurde im Laufe der Zeit ausgebaut, und sein Netzwerk umfasst inzwischen 118 Labore.

Die Türkei ist Mitglied des Surveillance-Netzwerks für antimikrobielle Resistenzen in Zentralasien und Osteuropa (CAESAR), einer gemeinsamen Initiative des WHO-Regionalbüros für Europa und einiger Partnerorganisationen zur Beobachtung, Eindämmung und Verhinderung des Auftretens und der Ausbreitung von AMR. Die Daten aus dem Netzwerk CAESAR ergänzen die in der Europäischen Union durch das Europäische Netz zur Überwachung von Resistenzen gegen antimikrobielle Wirkstoffe (EARS-Net) gesammelten Daten und soll eine Meldung von Daten ermöglichen, die alle Länder der Europäischen Region einschließt. Seit 2013 werden die aus der Türkei gemeldeten Daten als hochwertig und zuverlässig eingestuft.

Konzept: Auf der Grundlage der Surveillance-Daten und der Empfehlungen der WHO hat die Türkei ihren Nationalen Aktionsplan für den umsichtigen Gebrauch von Arzneimitteln (2014–2017) ausgearbeitet, zu dessen vorrangigen Zielen der sachgemäße Gebrauch von Antibiotika zählt. Um den Aktionsplan in allen Teilen des Landes zu operationalisieren, wurden in 81 Provinzen eigene Dienststellen mit insgesamt 500 Mitarbeitern eingerichtet, die auf dem Gebiet der Überzeugungsarbeit tätig sind.

Bewusstseinsbildung: Das WHO-Regionalbüro für Europa und Public Health England (PHE) haben eine neue türkische Version der 2014 von PHE begonnenen Online-Kampagne „Antibiotic Guardian“ (dt. Antibiotika-Schützer) geschaffen. Die Initiative „Antibiotic Guardian“ richtet einen dringenden Appell an alle, sich dazu zu verpflichten, Antibiotika sinnvoller einzusetzen, und dazu beizutragen, dass diese lebenswichtigen Medikamente nicht wirkungslos werden. Bisher haben sich mehr als 50 000 Personen zu Unterstützern erklärt und sind „Antibiotic Guardians“ geworden.