Landesweite Impfkampagne gegen Polio in der Ukraine angelaufen

Ukrinform

Der stellvertretende Gesundheitsminister, Dr. Ihor Perehinets, eröffnet die Impfkampagne gegen Polio in der Ukraine.

Als Reaktion auf einen Polioausbruch in der Ukraine wurde heute eine landesweite Impfkampagne mit einem oralen Polioimpfstoff gestartet. Die WHO begrüßt die Entscheidung des Gesundheitsministeriums zur Einleitung der Kampagne, die auf internationalen Leitlinien basiert und Teil einer umfassenden Reaktion auf den Ausbruch ist. 

„Nun, da die Kampagne in Gang ist, appellieren wir an die Leistungserbringer und die Eltern in der Ukraine, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und von ihrem Recht Gebrauch zu machen, alle Kinder in den vorgesehenen Altersgruppen unverzüglich impfen zu lassen, um eine Übertragung des gefürchteten Virus zu unterbinden", sagte Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa. 

Die Zielgruppe in der ersten Phase der Kampagne sind 2,85 Mio. Kinder unter sechs Jahren. Im Abstand von jeweils einem Monat sollen zwei weitere Impfrunden folgen, von denen eine für die 4,75 Mio. Kinder in der Altersgruppe bis zehn Jahre bestimmt ist. Die Impfung ist für alle Kinder in den vorgesehenen Altersgruppen kostenlos.

Erster Polioausbruch in der Europäischen Region seit 2010

Am 1. September meldete das ukrainische Gesundheitsministerium, dass Polio als Ursache für die Lähmungen bei zwei Kindern im Alter von zehn Monaten bzw. vier Jahren ermittelt worden sei. Die Kinder stammen aus dem Bezirk Zakarpatskaya im Südwesten des Landes.

Zu Lähmungen kommt es bei etwa einem von 200 Fällen von Polioinfektion; dies bedeutet, dass auf jeden entdeckten Fall Hunderte von infizierten Personen kommen. Bisher wurden keine weiteren Fälle entdeckt, doch Millionen von unzureichend geimpften Kindern in der Ukraine sind einer akuten Gefahr ausgesetzt. 

Reaktion auf den Ausbruch

Nach den international geltenden Leitlinien und Protokollen stellt schon ein einzelner Poliofall einen Ausbruch dar, der eine sofortige Reaktion erfordert. Seit Bestätigung der Poliofälle in der Ukraine unterstützen die WHO und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) das ukrainische Gesundheitsministerium mit fachlicher Hilfe und Vor-Ort-Maßnahmen im Hinblick auf umfassende zusätzliche Impfmaßnahmen, die Verstärkung der Surveillance auf Fälle von akuter schlaffer Lähmung (zur Überwachung von Polio), eine Intensivierung der Umweltüberwachung sowie die Schulung von Fachkräften im Gesundheitswesen für die Beantwortung von Fragen über den Impfstoff und seine Verabreichung. 

Die WHO führt außerdem eine Bewertung des Risikos und der potenziellen Übertragungsrouten des Virus innerhalb und außerhalb der Staatsgrenzen der Ukraine durch. Die Gefahr einer weiteren Ausbreitung dieses Virenstamms innerhalb des Landes wird aufgrund der niedrigen Durchimpfung mit dem Polioimpfstoff als hoch eingeschätzt. Gegenwärtig sieht die WHO die Gefahr einer grenzüberschreitenden Ausbreitung von der Ukraine als gering an, weist jedoch darauf hin, dass der Bezirk, in dem die Infektionen aufgetreten sind, an vier andere Länder grenzt: Polen, Rumänien, die Slowakei und Ungarn. Die WHO verfolgt die Entwicklung weiter aufmerksam.

Jedes Kind schützen

Der orale Polioimpfstoff ist das wirksamste Mittel für die Unterbindung der Ausbreitung des Poliovirus und die Gewährleistung eines kollektiven Impfschutzes. Die Impfstoffe für die Bekämpfung des Ausbruchs wurden vom UNICEF mit finanzieller Unterstützung durch die kanadische Regierung beschafft. Sie wurden unter strikter Einhaltung der geltenden Standards der WHO für Verpackung, Transport und Lagerung geliefert, die auch eine Kontrolle und Bewertung von Temperaturschwankungen vorsehen. Als zusätzliche Sicherheitsvorkehrung wird jede Ampulle des Impfstoffs mit einem Überwachungsgerät ausgestattet, bei dem die kumulative Hitzebelastung aufgezeichnet und bei dem angezeigt wird, ob die Ampulle je unsachgemäß gelagert wurde.

Ein vorrangiges Anliegen der Kampagne besteht darin, dafür zu sorgen, dass die Impfstoffe konsequent in alle Gebiete und mit besonderer Dringlichkeit in die bekanntermaßen infizierte Region geliefert werden. Es ist auch eine Lieferung in jene Gebiete vorgesehen, die von dem derzeitigen Konflikt in dem Land betroffen sind. 

Verhinderung der grenzüberschreitenden Ausbreitung der Krankheit

Die WHO empfiehlt allen Ländern, insbesondere jenen mit starkem Reiseverkehr und häufigen Kontakten in von Polio betroffene Länder und Gebiete, ihre Surveillance auf Fälle von akuter schlaffer Lähmung zu verstärken und bei Routineimpfungen hohe Impfraten aufrechtzuerhalten. Alle Reisenden in von Polio betroffene Gebiete sollten über einen vollständigen Impfschutz gegen Polio verfügen.