UNICEF und WHO stehen zur Unterstützung einer sofortigen Impfkampagne in der Ukraine bereit

Die beiden Organisationen der Vereinten Nationen befürchten, dass weitere Verzögerungen das Leben von 1,8 Mio. Kindern gefährden würden.

Sechs Wochen nach dem Ausbruch der Poliomyelitis in der Ukraine haben das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) und die WHO ihren Aufruf zu einer sofortigen ersten landesweiten Impfrunde gegen Polio verstärkt.

Das ukrainische Gesundheitsministerium bestätigte am 1. September 2015 zwei Fälle von Polio. Erkrankt waren zwei Kinder in der Region Zakarpatska, im Südwesten des Landes. Sie waren zehn Monate bzw. vier Jahre alt und nicht gegen die Krankheit geimpft.

Wenn nicht sofort Gegenmaßnahmen ergriffen werden, könnte sich das Virus in der gesamten Ukraine ausbreiten, wodurch das Leben von 1,8 Mio. Kindern gefährdet würde. Das Risiko in Bezug auf weitere Poliofälle bleibt bestehen, wenn nicht unverzüglich mit einer umfassenden Impfkampagne begonnen wird, um die Übertragung des Poliovirus zu unterbrechen. 

Nach den international geltenden Leitlinien stellt schon ein einzelner Poliofall einen Ausbruch dar, der eine sofortige Reaktion erfordert, da Polio sich schnell ausbreiten kann, wenn nicht alle Kinder über einen vollständigen Impfschutz verfügen. Angesichts der niedrigen Impfraten in der Ukraine sind durch den Ausbruch Gesundheit und Wohlbefinden der Kinder gefährdet; gleichzeitig steht auch die Zertifizierung der Europäischen Region als poliofrei auf dem Spiel.

Der Ausbruch kann durch die in den Leitlinien der Weltweiten Initiative zur Ausrottung der Kinderlähmung empfohlene landesweite Impfung von Kindern mit drei Runden des oralen Polioimpfstoffs schnell gestoppt werden. Das UNICEF hat mit Finanzmitteln der kanadischen Regierung 3,7 Mio. Dosen des oralen Polioimpfstoffs für die Ukraine beschafft. Die WHO hat bestätigt, dass die Impfstoffe von der WHO präqualifiziert, völlig sicher und zum Gebrauch bereit sind.

„Je länger das Poliovirus in der Ukraine zirkulieren kann, desto höher die Gefahr, dass dieser Ausbruch sich ausbreitet und bei mehr Kindern zu Lähmungen führt. Wir appellieren an die zuständigen Entscheidungsträger und das Gesundheitswesen in der Ukraine, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen und alle Kinder zu impfen, um die Übertragung des Virus umgehend zu unterbinden", sagte Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa.

Dieser erste Polioausbruch in der Ukraine seit 19 Jahren führt die Anfälligkeit der Kinder vor Augen. Die beiden Fälle verdeutlichen einmal mehr die Notwendigkeit eines vollständigen Impfschutzes für alle Kinder. 

„Die staatlichen Behörden tragen dafür Verantwortung, die Kinder vor dieser gesundheitsschädigenden Krankheit zu schützen. Ich finde es erfreulich, dass heute 70% der Mütter in der Ukraine sich der Vorteile einer Impfung zum Schutz ihrer Kinder bewusst sind. Die Impfrunden sollten sofort eingeleitet werden", sagte Marie-Pierre Poirier, Regionaldirektorin des UNICEF für Mittel- und Osteuropa und die Gemeinschaft unabhängiger Staaten.

Die politischen Führer der Ukraine müssen sich dazu entschließen, die Maßnahmen zur Bekämpfung des Ausbruchs zu unterstützen und eine landesweite Impfkampagne zum Schutz der Kinder vor vermeidbaren Lähmungen und möglichem Tod in die Wege zu leiten.

Das UNICEF und die WHO stehen zur Unterstützung der Kampagne bereit.