Polioimpfung für alle Kinder unter zehn Jahren in der Ukraine

WHO/Alex Shpigunov

Die dritte Runde der Impfkampagne der Ukraine gegen Polio begann am 25. Januar 2016 und hat als Zielgruppe alle Kinder unter zehn Jahren.

Die WHO fordert Eltern in der Ukraine dringend auf, ihre unter zehnjährigen Kinder bei der dritten Runde der gegenwärtigen Impfkampagne gegen Polio impfen zu lassen. Vom 25. Januar bis zum 5. Februar 2016 können Kinder die Impfung in lokalen Krankenhäusern sowie an Schulen oder in Kindergärten erhalten. Dies ist Teil einer derzeit laufenden Reaktion auf den Polioausbruch in dem Land.

„Polio bleibt für die Ukraine so lange eine Bedrohung, bis jedes einzelne ansteckungsgefährdete Kind über einen vollständigen Impfschutz verfügt", erklärt Dennis King, Hauptverantwortlicher der WHO für die Bekämpfung des Polioausbruchs in der Ukraine. „Durch die Impfung aller Kinder unter zehn Jahren in dieser letzten Impfrunde können wir ihnen einen vollständigen Impfschutz gegen diese zu Invalidität führende Krankheit bieten."

Kinder unter zehn Jahren sollten geimpft werden 

In dieser Runde müssen alle Kinder unter zehn Jahren geimpft werden. Dadurch soll eine zusätzliche Schutzschicht für sie individuell wie auch für die Bevölkerung insgesamt geschaffen werden.

Es ist auch wichtig, dass alle Kinder unter sechs Jahren, die bereits in den ersten beiden Impfrunden geimpft wurden, nun ihre dritte Dosis Impfstoff erhalten. Drei Dosen sind die einzige Möglichkeit, sie wirksam vor Polio zu schützen.

Milde Verläufe sind kein Grund zum Hinauszögern der Polioimpfung

Kinder mit milden Krankheitssymptomen wie Husten, Erkältung oder Fieber unter 38,5°C sollten ebenfalls gegen Polio geimpft werden.

„Angesichts des gegenwärtigen Polioausbruchs in der Ukraine ist es wichtig, dass die Kinder über einen vollständigen Impfschutz verfügen", fügt Dennis King hinzu. „Husten oder Niesen oder eine Erkältung ohne hohes Fieber dürfen nicht dazu verleiten, die Polioimpfung hinauszuschieben."

Der einzige Grund zur Verschiebung einer Impfung ist, wenn das Kind hohes Fieber über 38,5°C hat. Denn hohes Fieber kann eine Beeinträchtigung der Immunreaktion des Körpers auf den Impfstoff bewirken, wodurch dieser an Wirksamkeit verliert. Bei einer Körpertemperatur von über 38,5°C sollten Eltern einen Arzt aufsuchen, um die Schwere der Erkrankung des Kindes feststellen zu lassen, und dabei einen weiteren Termin für seine Impfung nach der Genesung vereinbaren.

Saisonale Influenza in der Ukraine

Während der Grippesaison sind je nach Art der zirkulierenden Viren bis zu 20% der Bevölkerung von saisonaler Influenza betroffen. Gegenwärtig ist in der Ukraine der Subtyp A(H1N1) vorherrschend. A(H1N1) war 2009 für eine Influenza-Pandemie verantwortlich und ist jetzt ein saisonales humanes Grippevirus.

Seit seinem ersten Auftreten im Jahr 2009 verursacht A(H1N1) gelegentlich schwere Erkrankungen bei ansonsten gesunden jüngeren Erwachsenen, während der Subtyp A(H3N2) eher ältere Menschen befällt. In der Ukraine, wo der Subtyp A(H1N1) vorherrscht, wird eine begrenzte Anzahl von Fällen, jedoch ein Anstieg der Zahl der schweren und tödlichen Krankheitsverläufe bei jungen Menschen (einschließlich schwangerer Frauen) erwartet.

Polioausbruch in der Ukraine

Am 1. September 2015 meldete das ukrainische Gesundheitsministerium, dass Polio als Ursache für die Lähmungen bei zwei Kindern im Alter von zehn Monaten bzw. vier Jahren ermittelt worden sei. Die Kinder stammen aus dem Bezirk Zakarpatska im Südwesten des Landes. Bisher wurden keine weiteren Fälle entdeckt, doch Millionen von unzureichend geimpften Kindern in der Ukraine sind einer akuten Gefahr ausgesetzt.

Die Reaktion auf den Ausbruch erfolgte mit finanzieller Unterstützung durch die Abteilung Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz (ECHO) bei der Europäischen Kommission. Für die dritte Runde der Impfkampagne beschaffte das UNICEF 4,5 Mio. Dosen des Polioimpfstoffs.