Ukrainische Konferenz zur Eliminierung von Masern und Röteln weist weiteren Weg

WHO

Teilnehmer der ukrainischen Konferenz zur Eliminierung von Masern und Röteln in Kiew (21. und 22. Februar 2017)

Die Ukraine ist eins der verbleibenden 14 Länder der Europäischen Region der WHO, in dem Masern und Röteln noch endemisch auftreten. Mit Unterstützung der WHO veranstalteten die ukrainischen Gesundheitsbehörden daher am 21. und 22. Februar 2017 in Kiew eine Konferenz zur Eliminierung von Masern und Röteln. Die Konferenz sollte die Bekämpfungsmaßnahmen der Ukraine im Rahmen des Eliminierungsziels für Masern und Röteln des Europäischen Impfaktionsplans 2015–2020 prüfen und brachte die Leitung des Gesundheitsministeriums, Vertreter der Medizinischen Universität der Ukraine sowie Fachleute für öffentliche Gesundheit und Impfung der nationalen und subnationalen Ebene sowie des Regionalbüros zusammen.

Die Fachleute zeigten sich wegen der landesweit zu konstatierenden Lücken im Impfschutz, in der epidemiologischen Überwachung und in der Fallmeldung besorgt. Nach Angaben der Ukraine wurden 2015 nur 56% der Impfberechtigten mit einer ersten Dosis des Impfstoffs gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) und nur 57% mit der erforderlichen zweiten Dosis geimpft. Auch die epidemiologische Überwachung von Masern, Röteln und kongenitalen Röteln litt 2015 unter der nicht optimalen Fallaufdeckung, einer geringen Zahl von Laboruntersuchungen und fehlender Genotypisierung. Während der Konferenz wurden die Teilnehmer dazu aufgefordert, wichtige Projekte wie etwa einen umfassenden Aktionsplan zur Eliminierung der Masern/Röteln und den Jahresbericht zur Lage hinsichtlich Masern und Röteln in der Ukraine endlich in Angriff zu nehmen. Jeder Mitgliedstaat sollte derartige Lageberichte zur Bewertung der Fortschritte dort und in der gesamten Region an die Verifizierungskommission der Europäischen Region für die Eliminierung der Masern und Röteln übermitteln. Erfordernisse des Verifizierungsprozesses wurden erörtert und detaillierte Empfehlungen für unverzügliche Maßnahmen der Regierung abgegeben.

Jedes Kind muss geimpft werden

Das Regionalbüro arbeitet mit Nachdruck für die Eliminierung von Masern und Röteln aus allen Mitgliedstaaten durch Immunisierung der Kinder mit hochwertigen wirksamen Impfstoffen. „Wir sollten auf jede Weise sichern, dass alle Kinder in der Ukraine geimpft werden,“ sagte Dr. Marthe Everard, WHO-Repräsentantin des Länderbüros in der Ukraine. „Weil die Unterbrechung der endemischen Übertragung von Masern in schon mehr als 30 Ländern der Europäischen Region in relativ kurzer Zeit gelang, wissen wir, dass es auch hier möglich ist. Die WHO ermutigt die Ukraine die erforderlichen Maßnahmen zur Eliminierung dieser Krankheiten unverzüglich zu ergreifen.“

Dr. Robb Butler, Leiter des Programms für durch Impfung vermeidbare Krankheiten am Regionalbüro, betonte die Dringlichkeit dieses Aufrufs: „Zwar erleben wir in den vergangenen Jahren in der Ukraine stetige Fortschritte in der Bereitstellung von Impfstoffen, doch müssen hierauf jetzt im ganzen Land auch höhere Impfraten und die Schließung der Impflücken folgen, durch deren Vorhandensein der Bevölkerung immer noch eigentlich vermeidbare, schwere Erkrankungen drohen. Durch die Konferenz sollen die ukrainischen Behörden und Akteure über den Stand der Eliminierung von Masern und Röteln informiert und in die Lage versetzt werden, die erforderlichen Schritte für einen besseren Impfschutz und eine bessere epidemiologische Überwachung zu erkennen, damit auch die Ukraine die Übertragung dieser Krankheiten unterbrechen und Kurs auf die Eliminierung nehmen kann.“

Stärkung der Führung des Gesundheitssystems

In ihrer Unterstützung der laufenden Gesundheitsreform in der Ukraine konzentriert sich die WHO auf den Aufbau nationaler und subnationaler Kapazitäten und die Stärkung der unabhängigen nationalen Impfberatungsgruppe, auf deren verlässliche, evidenzbasierte Empfehlungen sich die ukrainische Regierung stützen kann.

Kritische Überprüfung der Datenerhebung

Akteure der nationalen und subnationalen Ebene erörterten auch eine Optimierung der Datenerhebung zur Unterstützung evidenzbasierter Impfentscheidungen. Insbesondere wurde die aktuelle Praxis regelmäßiger serologischer Untersuchungen in Frage gestellt. Überlegungen zu Kosteneffektivität und Methodik sowie zur niedrigen Durchimpfungsrate im Lande führten zum Konsens darüber, dass Nachdruck stattdessen auf die epidemiologische Überwachung und die Einführung einer fallbezogenen Überwachung von Röteln und kongenitalen Röteln gelegt werden sollte.

Gemeinsam erörterten die Verifizierungskommission für die Eliminierung von Masern und Röteln, die Zertifizierungskommission für die Eradikation der Poliomyelitis und die WHO impfpolitische Herausforderungen und weitere Schritte.

Weiterverfolgung

Die Empfehlungen der Konferenz werden vom Verifizierungsausschuss an das Gesundheitsministerium überbracht mit der Bitte um Unterstützung für die Fertigstellung und Annahme des nationalen Handlungsplans von höchster Stelle.