Ukraine stellt durch intensive Bemühungen zur Beendigung eines Masernausbruchs, von dem in diesem Jahr über 12 000 Menschen betroffen waren, Durchimpfung wieder her

In diesem Jahr haben sich bisher mehr als 12 000 Menschen in der Ukraine mit Masern infiziert. Nach Angaben der ukrainischen Gesundheitsbehörden mussten von den betroffenen Personen 9158 in ein Krankenhaus eingewiesen werden, 9 sind verstorben (Stand: 27. April 2018). Seit Beginn des Ausbruchs im Jahr 2017 wurden groß angelegte Maßnahmen zur Bekämpfung des Ausbruchs unternommen, um die weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern und die früher hohe Durchimpfung wiederherzustellen.

„Die ukrainischen Gesundheitsbehörden haben mit Unterstützung von WHO und UNICEF im Kampf gegen die Masern enorm Boden gut gemacht. Doch es gibt noch immer viele gefährdete Kinder und Erwachsene im Land, und diese hochansteckende Krankheit konnte bisher nicht vollständig eingedämmt werden“, sagt Marthe Everard, die Repräsentantin der WHO in der Ukraine. „Es muss mehr getan werden, damit jeder geschützt ist.“

Dramatische Verschlechterung der Durchimpfung

Im Jahr 2008 erhielten 95% der in Frage kommenden Kinder in der Ukraine gemäß dem nationalen Routineimpfplan rechtzeitig ihre zweite (abschließende) empfohlene Dosis des Masern-Mumps-Röteln-Impfstoffs (MMR). 2016 war diese Rate auf 31% gesunken – die niedrigste Impfrate der gesamten Europäischen Region der WHO und eine der niedrigsten weltweit. Darüber hinaus erhielten 2016 nur 19% der Kinder die dritte empfohlene Impfdosis gegen Diphtherie-Tetanus-Pertussis (DTP) und nur 56% der Kinder die dritte empfohlene Dosis des oralen Polioimpfstoffs (OPV).

Aufgrund dieser dramatischen landesweiten Verschlechterung der Impfraten wurde eine steigende Anzahl an Kindern in der Ukraine anfällig für gefährliche, vermeidbare Krankheiten. So wurden etwa ideale Voraussetzungen für eine massive Ausbreitung der Masern geschaffen – eine der für den Menschen ansteckendsten Krankheiten. Denn mit Masern können sich Menschen jeden Alters infizieren, doch Säuglinge, Kleinkinder und ältere Erwachsene tragen das größte Risiko, schwere masernbedingte Komplikationen zu erleiden oder an der Krankheit zu sterben.

Groß angelegte Maßnahmen zur Bekämpfung des Ausbruchs

Seit Juli 2017 wirkt eine nationale Sonderarbeitsgruppe Masern, an der das Gesundheitsministerium, wichtige Interessengruppen sowie Partnerorganisationen wie die WHO und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) beteiligt sind, darauf hin:

  • jedes in Frage kommende Kind zu impfen, sobald es nach dem nationalen Routineimpfplan das entsprechende Alter für eine MMR-Impfung erreicht hat;
  • jedes Kind, das in der Vergangenheit eine Routineimpfung verpasst hat, zu impfen;
  • Laborpersonal zu schulen, um eine frühzeitige Entdeckung aller Masernfälle (und Rötelnfälle) zu gewährleisten;
  • Gesundheitsfachkräfte und Eltern über die Krankheit und die Bedeutung eines vollumfänglichen Schutzes von Kindern und ihren Familien aufzuklären;
  • die Verfügbarkeit der Impfstoffe in allen Impfstellen zu gewährleisten.

Während der Europäischen Impfwoche vom 23. bis 29. April 2018 wurden maßgebliche Akteure für die Bedeutung von Impfungen sensibilisiert. Nach einer Pressekonferenz zum Auftakt am 23. April fanden verschiedene Veranstaltungen unter Beteiligung des ukrainischen Gesundheitsministeriums, der WHO, des UNICEF, von Rotary International und des nationalen Rotary Clubs, einer Elternvereinigung (Parents for Immunization) sowie von Bloggern und sogar Teilnehmern in Superhelden-Kostümen statt. Darunter waren eine nationale Konferenz mit Meinungsführern, ein Flash-Mob an Schulen in Kiew, ein Webinar über Impfungen und eine Diskussion am runden Tisch mit Kinderärzten.

Routine-Impfrate wieder auf dem richtigen Weg – Zahl der gefährdeten Menschen geht zurück

Bis Ende 2017 hatte sich die Routine-Impfrate im Vergleich zu den Vorjahren erheblich verbessert: 93% der einjährigen Kinder erhielten im Jahr 2017 rechtzeitig die erste Dosis des MMR-Impfstoffs, und 91% der Sechsjährigen erhielten wie empfohlen ihre zweite Dosis. Die Zahlen für Januar und Februar 2018 deuten darauf hin, dass das Land wieder auf dem richtigen Weg ist, um bis zum Ende des Jahres eine mindestens 95%ige Routine-Impfrate für beide Dosen des MMR-Impfstoffs zu erreichen.

Wenn die Ukraine dieses Ziel erreichen und halten kann, wird eine erneute Zunahme der Zahl der gefährdeten Menschen verhindert und letztlich die Bevölkerung vor zukünftigen Masernausbrüchen geschützt.

Um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern, müssen auch jene geschützt werden, die in der Vergangenheit Impfungen verpasst haben. Seit September 2017 wurden mehr als 621 000 nicht oder nicht ausreichend geimpfte Kinder identifiziert, und mehr als 80% von ihnen haben ihre erste bzw. zweite MMR-Dosis erhalten.

Besorgniserregender Anstieg der Masernfälle in der Europäischen Region der WHO

In der Europäischen Region wurden in den ersten zwei Monaten des Jahres 2018 insgesamt mehr Masernfälle gemeldet als im gleichen Zeitraum der fünf Vorjahre. Die Ukraine hat mit dem größten Ausbruch in der Europäischen Region zu kämpfen, doch auch in Frankreich, Georgien, Griechenland, Italien, Rumänien, der Russischen Föderation und Serbien werden hohe Fallzahlen (100 oder mehr pro Monat) gemeldet.