Leben retten durch die Prävention von Krankenhausinfektionen in der Ostukraine

Um das Risiko von Krankenhausinfektionen zu verringern, verstärkt die WHO ihre Unterstützung von Gesundheitseinrichtungen in den vom Konflikt in der Ostukraine betroffenen Regionen Donetsk und Luhansk.

Schlüsselelemente zur Erreichung dieses Ziels sind die Sicherstellung der Versorgung mit Sterilisationsausrüstung und die Schulung der Gesundheitsfachkräfte. So wurden dem Regionalen Kinderkrankenhaus von Luhansk von der WHO mit finanzieller Unterstützung der Regierung Japans kürzlich zwei für die Sterilisation eingesetzte Druckkammern (sog. Autoklaven), Desinfektionsanlagen und Möbel zur Verfügung gestellt.

„Der Erfolg bei Infektionsschutz und -bekämpfung in Gesundheitseinrichtungen hängt immer von verschiedenen Faktoren ab“, erläutert Dr. Marthe Everard, die Repräsentantin der WHO in der Ukraine. „Bessere Ausrüstung ist entscheidend, um die Qualität der Desinfektion zu verbessern. Doch auch einfache Dinge wie die Handhygiene und ein sicheres Abfallmanagement können die Sicherheit der Patienten erheblich beeinflussen.“

Bis zu 40% der Patienten in der Ukraine sind gefährdet

Trotz fehlender verlässlicher Daten zu Krankenhausinfektionen in der Ukraine schätzt die WHO, dass bis zu 40% der Patienten sich im Rahmen ihrer medizinischen Versorgung mit Infektionskrankheiten anstecken. Spezielle Formen der Gesundheitsversorgung (etwa Operationen) sind mit einem größeren Infektionsrisiko sowohl für die Patienten als auch für die Gesundheitsfachkräfte verbunden.

Das Programm der WHO für gesundheitliche Notlagen in der Ukraine bewertete die Kapazitäten zur Prävention und Bekämpfung von Infektionen in den Gesundheitseinrichtungen zweier vom Konflikt betroffener Regionen, Donetsk und Luhansk. Dabei wurden verbesserungsbedürftige Bereiche aufgedeckt, wie etwa Präventionspraktiken und die Desinfektion der Infrastruktur.

Verbesserung von Ausrüstung und Infrastruktur für besseren Infektionsschutz

Aufgrund des Konflikts in der Ostukraine mussten die Verwaltung sowie ein Teil der Mitarbeiter des Regionalen Kinderkrankenhauses von Luhansk im Jahr 2015 aus dem nicht von der Regierung kontrollierten regionalen Zentrum, der Stadt Luhansk, in das von der Regierung kontrollierte Gebiet umgesiedelt werden. Das Krankenhaus wurde in den Räumlichkeiten der Gesundheitseinrichtung der Stadt Lysychansk eingerichtet. Dort werden nun nahezu 108 000 Kinder behandelt, von denen etwa 25 000 von Binnenvertreibung betroffen sind.

„Die Sterilisationsausrüstung im Krankenhaus war durchschnittlich 30 Jahre alt, die Desinfektionsqualität war schlecht und die Instandhaltungskosten waren hoch“, sagt Dr. Svitlana Sheika, Chefärztin des Regionalen Kinderkrankenhauses von Luhansk. „Die humanitäre Unterstützung der WHO sorgte für eine Wiederbelebung des Krankenhauses. Mit der neuen Ausrüstung können die Ärzte sicher sein, dass ihre Instrumente und Materialien angemessen und rechtzeitig sterilisiert werden.“

Verbesserung der Fähigkeiten von Gesundheitsfachkräften

„Aufgabe des Gesundheitspersonals ist es, sicherzustellen, dass die Patienten nach bestem Wissen und bewährten Praktiken behandelt werden“, sagt Dr. Rolanda Valinteliene, Beraterin der WHO vom Institut für Hygiene in Vilnius.

Im Oktober führten Dr. Valinteliene und ihr Kollege von der Nationalen Medizinischen Akademie für die Postgraduiertenausbildung in Kiew vier Schulungen zur Prävention und Bekämpfung von Infektionen durch, an denen 150 in den vom Konflikt betroffenen Gebieten tätige Gesundheitsfachkräfte teilnahmen. Über 90% der Teilnehmer berichteten im Anschluss an die Schulung, von ihr profitiert zu haben.

„Es ist sehr wichtig, dass Krankenhausbedienstete sich ihrer Rolle beim Infektionsschutz bewusst sind. Die vom Gesundheitsmanagement getroffenen Entscheidungen haben Einfluss darauf, welche Präventionsmaßnahmen eingeführt werden, doch deren Umsetzung hängt erheblich von der Einstellung und dem Verhalten von Ärzten und Schwestern ab“, erklärt Dr. Valinteliene.

„Die WHO plant, ihre Arbeit zur Verbesserung der Infektionsbekämpfung insbesondere in sekundären und tertiären Gesundheitseinrichtungen fortzusetzen“, sagt Dr. Everard. „Um die Anzahl der im Rahmen der Gesundheitsversorgung übertragenen Infektionen zu verringern, müssen wir sicherstellen, dass sämtliche Krankenhäuser mit der nötigen Ausrüstung und dem bestmöglichen Wissen ausgestattet sind.“