„Es gibt kein besseres Gefühl als das Vertrauen darauf, gesund zu sein“ – ein junger Mann schildert seine Erfahrung mit PrEP

Georgii Onyshchuk

Unter Präexpositionsprophylaxe oder PrEP wird die Einnahme von Medikamenten verstanden, die die Gefahr der Infektion einer HIV-negativen Person durch sexuellen Kontakt mit ihrem HIV-positiven Partner drastisch senken. Die WHO empfiehlt, allen Personen, die ein erhebliches Risiko einer HIV-Infektion tragen, eine PrEP anzubieten. Als besonders gefährdete Gruppen gelten Männer mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten, Prostituierte und injizierende Drogenkonsumenten.

Nach einer Einzelfallbewertung kann PrEP als eine zusätzliche Präventionsmaßnahme in einem umfassenden Paket empfohlen werden, zu dem sicherere Sexualpraktiken, die Verwendung von Kondomen, frühzeitige HIV-Tests und HIV-Beratung sowie ein uneingeschränkter Zugang zur Therapie für alle Menschen mit HIV gehören.

Die PrEP wurde vor kurzem in der Ukraine eingeführt, und für Georgii Onyschuk, einen 29-jährigen Marketing-Fachmann aus Kiew, ist sie zum festen Bestandteil seines Lebens als junger Schwuler geworden.

„Ich bin ziemlich sicher, dass ich zum ersten Mal auf Dating-Apps für Schwule davon gehört habe, vor sieben oder acht Jahren. Ein paar Leute erwähnten auf ihren Profilen, dass sie die PrEP einnehmen, und ich war neugierig und fragte, was das bedeutet“, erinnert er sich.

„Die meisten kamen aus den USA, wo die PrEP zuerst im großen Maßstab angewandt wurde. Ich habe im Internet recherchiert und herausgefunden, dass die PrEP eine Tablette ist, die bei täglicher Einnahme das Risiko einer HIV-Infektion verringert. Anfangs konnte ich es nicht so recht glauben. Ich war auch deswegen nicht so begeistert, weil ich den Eindruck hatte, dass die Leute, die damals PrEP einnahmen, sie als Ausrede für ungeschützten Sex benutzten, und das gefiel mir überhaupt nicht.“

Die Gelegenheit zur Nutzung der PrEP ergab sich vor drei Jahren, als Georgii nach einem Auslandsaufenthalt nach Kiew zurückkehrte. Damals erzählte ihm ein Mitarbeiter einer nichtstaatlichen Organisation, die sich mit der Gesundheit von Schwulen beschäftigt und bei der er sich in regelmäßigen Abständen auf HIV testen ließ, mehr über die PrEP.

Einnahme der PrEP beruhigt

„Er erzählte, dass die PrEP in der Ukraine im großen Umfang eingeführt werde und dass es die Möglichkeit gebe, sie kostenlos zu erhalten. Er fragte mich, ob ich interessiert sei, und ich bejahte. Dann schrieb er meinen Namen auf die Liste, und ein paar Monate später erhielt ich die Mitteilung, dass das Programm angelaufen sei und ob ich teilnehmen wolle. Ich sagte ja.“

Georgii schildert die positiven Auswirkungen dieser Entscheidung: „Meistens habe ich geschützten Geschlechtsverkehr, aber gelegentlich passiert eben etwas, man hat kein Kondom oder ... es passiert halt einfach. Früher machte ich mir hinterher immer Sorgen. Es gibt ein dreimonatiges Zeitfenster, um zu prüfen, ob man sich infiziert hat oder nicht, und so denkt man drei Monate lang ständig daran – kein schönes Gefühl. Es ist eine Mischung aus Schuldgefühl, fast Selbsthass, und Angst – warum habe ich das gemacht, und was mache ich jetzt? Viele Schwule kennen das, und vielleicht nicht nur Schwule. Die Einnahme der PrEP gab mir Ruhe, und ich musste nicht mehr drei Monate warten.“

„Nachdem ich angefangen hatte, fühlte es sich gleich ganz normal an“, erklärt er. „Eine Tablette pro Tag, die ich morgens zusammen mit meinen Vitaminen nehme, und ich fühle mich sicherer. ... Ich hoffe, ich muss nie auf die PrEP verzichten, bis ich mich für einen festen Sexualpartner entscheide.“

Lass dich beraten!

Georgii möchte jeden, der über PrEP nachdenkt, ermutigen und bestärken.

„Mach das! Ich hatte keine Nebenwirkungen und fühle mich körperlich und emotional gut. Lass dich beraten: je mehr die Mitarbeiter der nichtstaatlichen Organisation erklärten, desto mehr leuchtete es mir ein. Manche Leute sind gegen PrEP, weil es teilweise Gerüchte gibt und sie glauben, dass sie gesundheitsschädlich ist, aber nichts fühlt sich besser an als das Gefühl, gesund zu sein.“

Dr. Masoud Dara, Koordinator für übertragbare Krankheiten und Leiter des Gemeinsamen Programms für Tuberkulose, HIV und Virushepatitis beim WHO-Regionalbüro für Europa, kommentiert: „Es ist erfreulich, Geschichten wie die von Georgii zu hören, weil er evidenzbasierte Empfehlungen und hochmoderne Behandlungsmethoden in Anspruch nehmen konnte, um seine Gesundheit und sein Wohlbefinden zu schützen.“

Dr. Dara fügt hinzu: „Leider geht aus unseren neuesten Daten hervor, dass es 2017 etwa 160 000 HIV-Neudiagnosen gab. Maßnahmen wie PrEP können diese Situation verändern und der Epidemie Einhalt gebieten, die schon so viele Menschenleben gekostet hat. Deshalb unterstützen wir mehr Länder bei der umfassenden Einführung und Umsetzung der PrEP.“

Er stellt fest, dass die am 22. und 23. Januar 2019 in Berlin abgehaltene Konsultation der Europäischen Region den Ländern sowie nationalen und internationalen Partnerorganisationen eine einzigartige Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch über die Umsetzung der Empfehlungen der WHO zur PrEP geboten habe.