Das ukrainische Programm für bezahlbare Medikamente verbessert nachweislich den Zugang zu Arzneimitteln

WHO/Malin Bring

Ein neuer WHO-Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass das Programm für bezahlbare Medikamente – ein im April 2017 in der Ukraine eingeführtes Kostenerstattungssystem für ambulante Angebote – erheblich zur Verbesserung des Zugangs zu Arzneimitteln und damit zur Verbesserung der Gesundheit von Patienten beiträgt. Bis zur Umsetzung des Programms gab es kein staatliches System für die Erstattung von verschreibungspflichtigen Medikamenten im ambulanten Bereich, und die Ausgaben für Arzneimittel galten als wesentliche Triebkraft für finanzielle Härten in ukrainischen Haushalten.

Länder sowohl in der Europäischen Region der WHO als auch weltweit haben sich dazu verpflichtet, gemäß der Zielvorgabe 3.8 der Ziele für nachhaltige Entwicklung den Zugang zu sicheren, wirksamen, hochwertigen und bezahlbaren unentbehrlichen Arzneimitteln zu gewährleisten. Das ukrainische Programm für bezahlbare Medikamente ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie die Länder echte Fortschritte auf dem Weg zur Erreichung dieser Zielvorgabe erzielen können.

Der Bericht wurde auf Wunsch der ukrainischen Behörden erstellt. Sie hatten die WHO gebeten, das Programm für bezahlbare Medikamente zu bewerten. Die Evaluation beinhaltet sowohl eine quantitative als auch eine qualitative Analyse. Die Erkenntnisse bestätigen nicht nur, dass das Programm zur Verbesserung des Zugangs zu Arzneimitteln beiträgt, sondern auch, dass:

  • das Programm für viele Patienten die einzige Chance für eine Behandlung darstellt;
  • die verschreibenden Ärzte einen verbesserten Zugang zu Arzneimitteln und positive Auswirkungen auf die Gesundheit ihrer Patienten verzeichnen;
  • der allgemeine Verbrauch der vom Programm abgedeckten Medikamente im Vergleich zu Medikamenten der gleichen Klasse, die nicht vom Programm abgedeckt sind, gestiegen ist;
  • Ärzte häufiger Arzneimittel verschreiben, die vom Programm abgedeckt sind;
  • das Programm allgemein zu einem Rückgang der Preise für die vom Programm abgedeckten Medikamente geführt hat.

Der Bericht schließt mit der Nennung einer Reihe von Grundsatzoptionen für die Unterstützung der Nachhaltigkeit und Ausweitung des Programms für bezahlbare Medikamente. Zu den zur Prüfung durch die Behörden vorgeschlagenen kurzfristigen Maßnahmen für eine Gewährleistung des weiteren Zugangs zu Behandlungen gehören u. a. folgende:

  • Formalisierung von Mechanismen zur Priorisierung bestimmter Krankheiten und von Entscheidungen zur Aufnahme in die Liste abgedeckter Medikamente bzw. zur Streichung aus der Liste;
  • mögliche Priorisierung verschiedener therapeutischer Bereiche zur weiteren Ausweitung des Programms, darunter:
    • chronisch obstruktive Lungenerkrankungen
    • Medikamente zur Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen im Rahmen der primären Gesundheitsversorgung
    • Schmerzmittel, einschließlich kontrollierter Arzneimittel für die Palliativversorgung
    • steroidale und nichtsteroidale Entzündungshemmer
    • Arzneimittel zur Behandlung neuropsychiatrischer Erkrankungen
  • Einführung von Mechanismen, um Engpässe zu verhindern, insbesondere in Bezug auf Arzneimittel, die kostenfrei ausgegeben werden;
  • Stärkung der Rolle der verschreibenden Ärzte;
  • Sammlung und Überwachung von Gesundheitsindikatoren.