Blut verbindet uns alle – Blutspende-SMS-Dienst in Schweden

Blodcentralen Stockholm

Arvid Öhlin, ein in Stockholm lebender regelmäßiger Blutspender, erhält eine SMS, wenn sein Blut einem Patienten verabreicht wurde.

Arvid Öhlin saß gerade gemütlich in seiner Wohnung in Stockholm, als er auf seinem Handy den vertrauten Ton für den Empfang einer SMS hörte. Ein ganz gewöhnliches Ereignis, aber kein gewöhnlicher Text. Denn die Nachricht enthielt einen Dank für seine jüngste Blutspende sowie die Benachrichtigung, dass diese nun einem Patienten verabreicht worden sei.

Bei dieser SMS-Initiative, die im letzten Jahr von dem Stockholmer Blutspendedienst Blodcentralen gestartet wurde, sollen durch Technologie Blutspender gewonnen und langfristig gebunden werden. Die Spender erhalten per SMS eine automatische Benachrichtigung, wenn ihr Blut an einen anderen Menschen weitergegeben worden ist.

Der 40-jährige Arvid ist schon ein Veteran unter den Blutspendern. Er hat seit seinem 20. Lebensjahr insgesamt 26-mal Blut gespendet. Der Vorgang ist für ihn so sehr zur Routine geworden, dass er sogar seinen kleinen Sohn Assar zu dem Termin mitnimmt.

„Als ich das erste Mal die Dankes-SMS erhielt, war ich zu Hause. Das war ein gutes Gefühl und machte mich glücklich. Es ist wirklich gut, konkret bestätigt zu bekommen, dass Dein Blut verwendet wurde." Auf die Frage, wie er bei anderen für Blutspenden werben würde, sagt er einfach: „Für mich ist das etwas ganz Natürliches: wenn du spenden kannst, dann solltest du das auch tun."

In den Ländern mit höherem Volkseinkommen müssen mehr junge Menschen für das Blutspenden gewonnen werden. Der in Stockholm ansässige Blutspendedienst hofft, dass seine SMS-Initiative zu einer Überwindung der Engpässe beitragen wird. Die Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit, Karolina Blom Wiberg, erklärt dazu: „Wir sind überzeugt, dass durch die SMS eine Loyalität aufgebaut wird und dass die Spender – wie ich selbst auch – sie gern erhalten. Es berührt einen schon, wenn man erfährt, dass das eigene Blut in diesem Augenblick einem anderen Menschen geholfen hat."

Blutspenden – die Fakten

  • Von den ca. 112,5 Mio. Blutspenden, die jährlich weltweit gesammelt werden, stammen etwa die Hälfte aus den Ländern mit hohem Volkseinkommen, in denen 19% der Weltbevölkerung leben.
  • Die Blutspenderate liegt in Ländern mit hohem Einkommen bei 33,1 Spenden je 1000 Einwohner; in Ländern mit mittlerem Einkommen beträgt die Rate 11,7 und in Ländern mit niedrigem Einkommen 4,6.
  • Insgesamt 70 Länder vermelden ein Aufkommen von weniger als 10 Spenden je 1000 EW. Davon gehören 38 Länder der WHO-Region Afrika, 6 der Region Gesamtamerika, 6 der Region Östlicher Mittelmeerraum, 5 der Region Europa, 6 der Region Südostasien und 9 der Region Westlicher Pazifikraum an. Sie sind ausnahmslos der Gruppe der Länder mit niedrigem bis mittlerem Volkseinkommen zugehörig.
  • Das Altersprofil der Blutspender zeigt, dass in den Ländern mit niedrigem bis mittlerem Volkseinkommen verhältnismäßig mehr junge Menschen Blut spenden als in den wohlhabenderen Ländern (s. Abb. 1). Die demografische Verteilung der Blutspender spielt eine wichtige Rolle bei der Formulierung und Überwachung von Anwerbestrategien.

Wachsende Anwendung von m-Gesundheit in der Europäischen Region

Laut dem neuesten Bericht über e-Gesundheit in der Europäischen Region werden SMS-Benachrichtigungen im Bereich der m-Gesundheit (mobile Gesundheit, einschließlich Apps, tragbare Technologien und medizinische Geräte) umfassend genutzt. So werden sie als Erinnerung an Termine und zum Zwecke der Gesundheitsförderung, der Sensibilisierung und der Mobilisierung der Bevölkerung benutzt. Dennoch verfügten nur drei der untersuchten Länder über staatlich unterstützte Programme für m-Gesundheit, und nur wenige hatten eingehende Evaluationen durchgeführt. Dr. Claudia Stein, Leiterin der Abteilung Information, Evidenz, Forschung und Innovation beim WHO-Regionalbüro für Europa, kommentiert: „Die Anwerbung und langfristige Bindung junger Blutspender, die jahrzehntelang weiter spenden werden, ist eine entscheidende Voraussetzung für eine autarke Versorgung mit Blutprodukten. Dies ist eine ungeheuer wirksame Anwendung von SMS als ein Instrument im Bereich e-Gesundheit, mit dem die Bevölkerung für das Gemeinwohl mobilisiert werden und die leicht an andere Umstände und Länder angepasst werden kann."

Weltblutspendetag 2016

Der Weltblutspendetag wird jährlich am 14. Juni begangen. Die diesjährige Kampagne unter dem Motto „Blut verbindet uns alle" bietet eine Gelegenheit, den Blutspendern für ihren lebensrettenden Beitrag zu danken. Sie soll auch in der Öffentlichkeit ein breiteres Bewusstsein für die Notwendigkeit regelmäßiger Blutspenden schaffen und mehr Menschen dazu veranlassen, zu Blutspendern zu werden. Regelmäßige, freiwillige und unentgeltliche Spenden sind die Voraussetzung für eine sichere und nachhaltige Versorgung mit Blutprodukten.

WHO