Höhepunkte von Tag 4: Partnerschaften in unserer „multidisziplinären und mehrdimensionalen Welt“ unabdingbar

Dr Zsuzsanna Jakab, WHO Regional Director for Europe

Am letzten Tag der 67. Tagung des Regionalkomitees für Europa (RC67) billigten die Mitgliedstaaten enthusiastisch eine erneuerte Vision von Partnerschaften für Gesundheit in der Europäischen Region der WHO.

„Ohne Partnerschaften wäre unsere gesamte Arbeit nicht möglich“, so Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa. „Wir müssen uns darin unbedingt einig sein, um unsere Arbeit in dieser komplexen, multidisziplinären und mehrdimensionalen Welt voranzubringen. Damit erkennen wir nämlich den unverzichtbaren Beitrag unserer Freunde aus der Zivilgesellschaft und den Einfluss der Wirtschaft auf unseren Alltag an.“

Im Laufe dieser vier Tage wurde auch in folgenden Punkten Vereinbarungen erzielt:

  • einen Fahrplan der Europäischen Region für die Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung auf der Grundlage von „Gesundheit 2020“,
  • die Beschleunigung der Umsetzung der Internationalen Gesundheitsvorschriften (2005),
  • die Verbesserung des Zugangs zu Arzneimitteln und faire Preisbildung,
  • den Weg zu einem nachhaltigen Arbeitskräfteangebot im Gesundheitswesen und
  • die Umsetzung der Ergebnisse der Sechsten Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit.

Programmhaushalt 2018–2019

Am dritten Tag des RC67 wurde der Plan für die Umsetzung des Programmhaushalts für 2018–2019 in der Europäischen Region der WHO vorgestellt. Die Mitgliedstaaten bekundeten gegenüber dem Regionalbüro ihre uneingeschränkte Unterstützung für die für 2018–2019 aufgestellten Prioritäten. Sie nahmen mit Genugtuung Kenntnis von der Schwerpunktsetzung auf nichtübertragbare Krankheiten, Gesundheitssysteme und das Programm der WHO für gesundheitliche Notlagen. Zudem würdigten die Mitgliedstaaten die anhaltenden Bemühungen des Regionalbüros um die Stärkung der Rechenschaftslegung und der integrierten Überwachung der fachlichen und finanziellen Umsetzung des Programmhaushalts.

Die Delegierten äußerten sich besorgt über den Rückgang der flexiblen Mittel, die dem Regionalbüro im Zeitraum 2016–2017 zur Verfügung standen, und die ungewissen Aussichten für die Finanzierung des Programmhaushalts für 2018–2019. Das Regionalbüro wird den Mitgliedstaaten bei künftigen Sitzungen seiner Leitungsgremien weitere aktuelle Informationen zur Finanzierungssituation vorlegen.

Partnerschaften für Gesundheit in der Europäischen Region der WHO

Der erste Tagesordnungspunkt des letzten Tages des RC67 war Partnerschaften für Gesundheit gewidmet. Die Sitzung wurde eröffnet mit einem Video aus der Reihe „Stimmen aus der Region“, in dem Priit Tohver, ein Medizinstudent aus Estland, zu Wort kam. Priit Tohver ist Regionaldirektor für Europa der International Federation of Medical Students’ Associations (IFMSA), eines nichtstaatlichen Akteurs (NSA), der offizielle Beziehungen zur WHO unterhält. Er unterstrich die Bedeutung von Partnerschaften bei der Verwirklichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) und einer starken Zivilgesellschaft, die mit einer Stimme spricht – so auch in den Regionalkomitees.

Leen Meulenbergs, Repräsentantin der WHO bei der Europäischen Union und Exekutivbeauftragte für strategische Partnerschaften und Mittelbeschaffung, gab einen Überblick über die Partnerschaften in der Region. Sie hob hervor, dass ein neuer Schwerpunkt auf transformativen Partnerschaften liege, die die Zusammenarbeit mit Partnern auf intraregionaler, regionaler, nationaler und subnationaler Ebene im Einklang mit der Umsetzung der Agenda 2030 stärkten.

Zudem erörterten die Teilnehmer der Sitzung ein neues regionales Akkreditierungsverfahren für NSA, die keine offiziellen Beziehungen zur WHO unterhalten. Dabei handelt es sich um eines der Elemente der Umsetzung des Rahmens für die Zusammenarbeit mit nichtstaatlichen Akteuren (FENSA) in der Region. Estland, das im Namen der Region das Wort ergriff, begrüßte die Umsetzung des FENSA und ersuchte um eine Änderung des Wortlauts des vorgeschlagenen Akkreditierungsverfahrens.

Die IFMSA begrüßte den partnerschaftlichen Ansatz des Regionalbüros und sprach sich dafür aus, dass NSA, die keine offiziellen Beziehungen zur WHO unterhalten, im Rahmen des vorgeschlagenen Akkreditierungsverfahrens gleichen Zugang zu den Regionalkomitees erhalten können. Anschließend wurde die Resolution angenommen.

Fortschrittsberichte über Aktionspläne zu Alkoholkonsum, Nahrung und Ernährung

Die Delegierten hatten Gelegenheit, sich zu den Fortschrittsberichten über die Umsetzung des Europäischen Aktionsplans zur Verringerung des schädlichen Alkoholkonsums (2012–2020) und des Europäischen Aktionsplans Nahrung und Ernährung (2015–2020) zu äußern.

Die Delegierte des Vereinigten Königreichs führte aus, dass das Land einen Aktionsplan gegen Adipositas im Kindesalter angenommen habe, der demnächst auch eine Abgabe auf Softdrinks mit einem Zuckergehalt von mindestens 5 Gramm vorsehe. Dies habe die Hersteller veranlasst, den Zuckergehalt ihrer Erzeugnisse anzupassen; es sei zu erwarten, dass 40% der Getränke, die zuvor die 5-Gramm-Schwelle überschritten hätten, vor der Einführung der Abgabe darunter liegen werden. Die Regierung plane, die Einnahmen aus der Steuer zur Bewegungs- und Ernährungsförderung zu verwenden.

Eine Delegierte Estlands merkte an, dass die Europäische Region noch immer den höchsten Alkoholkonsum aller Regionen der WHO aufweise. Estland beabsichtige, diese Problematik während seines Vorsitzes im Rat der Europäischen Union zu thematisieren. Besondere Aufmerksamkeit solle der länderübergreifenden Zusammenarbeit in grenzüberschreitenden Fragen der Alkoholpolitik und den Bemühungen um die Eindämmung der Exposition gegenüber Alkoholwerbung durch neue Medien gelten.

Dr. Gauden Galea, Direktor der Abteilung Nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung im gesamten Lebensverlauf, betonte, dass das Regionalbüro seine Arbeit in diesem Bereich fortsetzen und sich gemeinsam mit dem estnischen Vorsitz mit diesen Fragen befassen werde. Die IFMSA und die International Society of Nephrology gaben ebenfalls Erklärungen zum Alkoholkonsum und zur Ernährung ab.

Zudem behandelten die Mitgliedstaaten Angelegenheiten, die sich aus Resolutionen und Beschlüssen der 70. Weltgesundheitsversammlung und der 141. Tagung des Exekutivrates der WHO ergeben. Sie betrafen Themen wie globale Maßnahmen zur Vektorbekämpfung, Prävention und Bekämpfung von Krebs in einem integrierten Ansatz und den globalen Aktionsplan für Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens gegen Demenzerkrankungen (2017–2025).

Ort und Zeitpunkt künftiger Tagungen des Regionalkomitees

  • Das RC68 findet vom 17.–20. September 2018 in Rom statt.
  • Das RC69 findet vom 16.–19. September 2019 in Kopenhagen statt.
  • Das RC70 findet vom 14.–17. September 2020 statt.

Abschluss des RC67

Im Namen aller Mitgliedstaaten dankte die Delegierte Finnlands der ungarischen Regierung und dem Ministerium für menschliche Entwicklung für die Ausrichtung des RC67 sowie der Regionaldirektorin für ihren engagierten Einsatz und ihre Unterstützung im vergangenen Jahr.

Mit dem Sprichwort „Omnes viae Romam ducunt“ (Alle Wege führen nach Rom) brachte der Delegierte Finnlands seine Hoffnung zum Ausdruck, die Delegierten auf der 68. Tagung des Regionalkomitees im September 2018 wiederzusehen.

Zudem sprach Regionaldirektorin allen Delegierten ihren Dank für die Gespräche und für die Vereinbarungen aus, die auf dem RC67 im Geiste der Partnerschaft und des Konsenses erzielt wurden.

In Würdigung der Teilnahme ranghoher Politiker erklärte Dr. Jakab: „In diesem Jahr können wir alle feststellen, dass unsere Stimme und unsere Botschaft, dass nämlich Gesundheit von grundlegender Bedeutung für die Entwicklung und das Wohlergehen unserer Völker und Nationen ist, immer weiter und höher reichen. Gesundheit ist eine Frage des politischen Willens, und unsere politischen Führer schenken uns Gehör und leisten dem Aufruf zum Handeln Folge.“

Ständiger Ausschuss des Regionalkomitees (SCRC)

Auf der ersten Tagung des Fünfundzwanzigsten SCRC führten die Mitglieder einen Gedankenaustausch über das RC67 und nahmen mit Genugtuung Kenntnis von der Teilnahme ranghoher Vertreter aus der Politik. Zudem begannen sie mit der Prüfung der Tagesordnung für das RC68. Der SCRC wird das nächste Mal Ende November 2017 in Tiflis (Georgien) zusammentreten.

Fachinformationssitzung zum Thema Zusammenarbeit im Bereich Gesundheitsinformationen und Berichterstattung zwischen dem WHO-Regionalbüro für Europa, der Europäischen Kommission und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)

Bei dieser Fachinformationssitzung, die am dritten Tag des RC67 stattfand, wurden die Mitgliedstaaten über die laufende Zusammenarbeit zwischen dem Regionalbüro, der Europäischen Kommission und der OECD sowie über die Möglichkeiten informiert, die sich für eine weitere Vertiefung ihrer Zusammenarbeit ergeben. Die Mitgliedstaaten erstatteten Rückmeldung darüber, welche Aspekte dieser Zusammenarbeit für sie am nützlichsten seien.

Die drei Organisationen legten ihre Aktivitäten im Bereich Gesundheitsinformationen und -Berichterstattung dar. Die Ko-Vorsitzenden der Europäischen Gesundheitsinformations-Initiative (EHII) – die Niederlande und die Russische Föderation – präsentierten Länderperspektiven und betonten die Bedeutung der EHII als Plattform für das Engagement im Bereich Gesundheitsinformationen und Berichterstattung.

In den nachfolgenden Diskussionen wurde hervorgehoben, wie wichtig es sei, dass die einzelnen Organisationen Daten erheben und bereitstellen, dabei aber auch gemeinsam auf eine Verringerung der Berichtslast für die Mitgliedstaaten hinarbeiten. Darüber hinaus erklärten die Teilnehmer, dass die erhobenen und veröffentlichten Informationen nützlich, aussagekräftig und nicht widersprüchlich sein sollten. Der Vorsitz forderte die Mitgliedstaaten auf, sich der EHII anzuschließen, damit die Interessen und Rückmeldungen aller Mitgliedstaaten der Europäischen Region bei den Bemühungen um die regionsweite Koordinierung der Gesundheitsinformationen berücksichtigt werden.

Die Mitgliedstaaten äußerten sich sehr zufrieden über das Niveau der Zusammenarbeit und würdigten die Anstrengungen zur Verringerung der Berichtslast sowie zur Harmonisierung und Integration der Gesundheitsinformationen in der Europäischen Region.

Fachinformationssitzung über Big Data – große Chancen oder nur viel Getöse?

Bei dieser Fachinformationssitzung ging es um die Frage, welche strategische Rolle Big Data spielen und inwieweit sie zur Verbesserung der Gesundheit und zur Stärkung der Evidenzgrundlage für die Politikgestaltung beitragen können. Den Vorsitz führte Gergely Vartus, Ministerialbeauftragter für die Koordinierung von e-Gesundheit in Ungarn. Dr. Claudia Stein, Direktorin der Abteilung Information, Evidenz, Forschung und Innovation beim WHO-Regionalbüro für Europa, gab einleitende Bemerkungen ab.

Einer Expertengruppe, die für die Sitzung gebildet wurde, gehörten Vertreter der Europäischen Kommission und des Regionalbüros sowie Israels, Portugals und Ungarns an. Sie stellten den Kontext für die Anwendung von Big Data zur Analyse und Optimierung der nationalen Gesundheitssysteme dar und waren sich einig darin, dass eine genauere Beschreibung von Big Data im gesundheitspolitischen Kontext erforderlich sei. Zudem umrissen sie die wichtigsten Hindernisse, die einer umfassenderen Verwendung von Big Data im Wege stünden, insbesondere Sicherheits- und Datenschutzbelange und fehlende Integration, Harmonisierung und Kompatibilität.

Anhand konkreter Beispiele schilderten die Experten aus Israel und Ungarn, wie Big Data in ihren Ländern eingesetzt werden, um die Leistungserbringung und Kommunikation im Gesundheitswesen zu verbessern, die Prävention zu fördern und die Umsetzung proaktiverer und effizienterer Ansätze für das Gesundheitsmanagement zu rechtfertigen, insbesondere bei knappen Ressourcen. Darüber hinaus erläuterte der Experte der Europäischen Kommission die zahlreichen Initiativen, Projekte und Berichte zur Nutzung von Big Data in der Europäischen Union.

Die Fachinformationssitzung ermutigte das Sekretariat beim Regionalbüro die Weiterentwicklung von Big Data im Rahmen der Europäischen Gesundheitsinformations-Initiative voranzutreiben durch seine Beschreibung im gesundheitspolitischen Kontext, die Benennung einschlägiger Nutzer und Zielgruppen und die Festlegung von Methoden zur Anwendung von Big Data in der Entwicklung evidenzbasierter Gesundheitspolitik.