Was Sie über digitale Gesundheitssysteme wissen sollten

WHO/Jerome Flayosc

Was haben 3D-gedruckte Prothetik, personalisierte Medizin, Therapien mit virtueller Realität und intelligente Uhren, die lebenswichtige Anzeichen überwachen, miteinander gemeinsam? Sie alle bedienen sich neuer digitaler Technologien, um Gesundheitsleistungen für Menschen bereitzustellen. Solche innovativen Technologien lassen sich in die Gesundheitssysteme integrieren, um diese effizienter und wirksamer zu machen und den Patienten einen besseren Zugang zu Gesundheitsleistungen zu verschaffen.

Die Gesundheitsministerien in den Ländern der Europäischen Region der WHO investieren zunehmend in die Digitalisierung. Das WHO-Regionalbüro für Europa unterstützt die Mitgliedstaaten bei der Überwindung von Problemen in der Einführung digitaler Technologien zur Stärkung der Gesundheitssysteme und bei der Erforschung von schnellen Lösungsansätzen für die Digitalisierung im Bereich der öffentlichen Gesundheit.

Heute, da unser Leben ständig durch neue Hardware- und Software-Lösungen verändert wird, kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Zukunft der digitalen Medizin gehört. Deshalb sind nachstehend eine Reihe von wissenswerten Fakten über digitale Medizin und ihre Anwendung zusammengestellt.

1) Digitale Medizin ist mehr als die Nutzung von Mobil- und Internet-Technologien

Heute dient der Begriff „digitale Medizin“ oft als Oberbegriff für folgende Bereiche: elektronische Gesundheit (auf elektronischem Wege bereitgestellte gesundheitsbezogene Informationen, Ressourcen und Leistungen); neu entstehende Bereiche wie die fortgeschrittene Computerwissenschaft (z. B. Big Data – große Datenmengen aus verschiedenen Quellen, die wertvolle Erkenntnisse über die Bevölkerungsgesundheit liefern können); und den Komplex der Künstlichen Intelligenz (KI), bei der Computersysteme Aufgaben erledigen, die normalerweise menschliche Fähigkeiten erfordern (z. B. Treffen von Entscheidungen).

Zu den Technologien, aus denen die digitale Medizin schöpft, gehören Telemedizin, Mobiltelefone und mobile Apps, tragbare Geräte, Robotik, virtuelle Realität, KI und Genomik – eine Disziplin, in der die Daten aus der Genomsequenzierung von Einzelpersonen zur Diagnose von Krankheiten herangezogen werden.

2) Digitalisierung kann Gesundheitssysteme bedarfsgerechter und nachhaltiger machen

Eine längere Lebenserwartung, eine größere Zahl von Menschen mit chronischen Erkrankungen und steigende Kosten im Gesundheitswesen stellen eine Belastung für Gesundheitssysteme in aller Welt dar.

Digitale Gesundheitstechnologien können den Zugang zur Gesundheitsversorgung verbessern, eine Kostensenkung bewirken, die Qualität der Versorgung verbessern und die Effizienz der Gesundheitssysteme erhöhen. Sie können auch neue Chancen zur Selbstversorgung schaffen. So ermöglichen es Geräte zur Fernüberwachung und tragbare Geräte den Menschen, besser auf ihre eigene Gesundheit aufzupassen und so die Gesundheitssysteme zu entlasten und nachhaltiger zu machen. Technologien, die die Menschen gesünder machen, können auch die Kosten für die Gesundheitssysteme senken.

Innovationen im Bereich der digitalen Gesundheit, insbesondere KI, können dazu beitragen, die Gesundheitssysteme wirksamer und bedarfsgerechter zu machen. Von der frühzeitigen Erkennung von Hautkrebs durch Untersuchung von Muttermalen über die Einschätzung der Veranlagung für bestimmte Krankheiten bis zu gezielt auf die Patienten zugeschnittenen Medikamenten kann Künstliche Intelligenz weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheitssysteme haben.

3) Digitale Medizin ermöglicht den Übergang von Behandlung zu Prävention

Digitale Gesundheitstechnologien eröffnen Möglichkeiten zur eigenverantwortlichen Gestaltung von Gesundheit, wobei der Schwerpunkt auf der Krankheitsprävention anstatt der nachträglichen Behandlung liegt. Schon heute tragen digitale Geräte dazu bei, Herzfrequenz und Blutzuckerspiegel zu messen. Durch Alarmierung von Patienten bei Notwendigkeit eines Arztbesuchs können oft teure Einlieferungen in die Notaufnahme vermieden werden. Diese Geräte ermöglichen den Menschen ein gesünderes Leben, indem sie die Gewinnung und Nutzung gesundheitsbezogener Informationen erleichtern.

4) Digitale Gesundheitssysteme erfordern veränderte Rollen für die Gesundheitsberufe

Digitale Gesundheitstechnologien können die Inanspruchnahme von Leistungen ohne Anwesenheit im Krankenhaus ermöglichen. Das bedeutet, dass Gesundheitsfachkräfte über die Fähigkeit zum Umgang mit digitalen Gesundheitstools verfügen und in der Lage sein müssen, die Patienten an digitale Lösungen zur Verbesserung ihrer Gesundheit und deren Anwendung heranzuführen.

Digitale Gesundheitssysteme können die Patienten zu selbstbestimmtem Handeln befähigen und sie aktiv einbeziehen und so zu Mitverantwortlichen für ihre Gesundheitsversorgung machen. Diese gemeinsamen Entscheidungsprozesse zwischen Gesundheitspersonal und Patienten erfordern gegenseitiges Vertrauen, ein Gefühl der Partnerschaft und Transparenz in der Interaktion. Gesundheitsfachkräfte werden zu Begleitern auf dem Weg des Patienten zur Gesundheit, tragen aber immer noch Einfühlungsvermögen und eine menschliche Komponente zur Förderung des Wohlbefindens des Patienten bei.

5) Digitalisierung verschafft Gesundheitspersonal mehr Zeit für die Ausübung seines Berufs

Oft wird die Frage gestellt, ob Innovationen in der digitalen Medizin, insbesondere Künstliche Intelligenz, das Gesundheitspersonal nicht überflüssig machen werden. Tatsächlich werden Technologien wie KI die Gesundheitsberufe bei administrativen Aufgaben und anderen repetitiven Aspekten ihrer Tätigkeit entlasten und es ihnen ermöglichen, mehr Zeit auf ihre eigentliche Aufgabe zu verwenden: die medizinische Praxis.

So können beispielsweise digitale Lösungen, die automatisch Daten gewinnen und analysieren, die Gesundheitsberufe entlasten und dafür sorgen, dass ihnen mehr Zeit für die Patienten bleibt und sie bessere Behandlungsergebnisse erzielen können. Digitale Geräte, die den Menschen dabei helfen, ihre Medikation oder ein postoperatives Protokoll einzuhalten, ermöglichen es dem Gesundheitspersonal, mehr Zeit mit einzelnen Patienten zu verbringen, wenn dies nötig ist. Digitale Medizin kann auch dazu beitragen, aktuelle oder erwartete Engpässe bei Gesundheitsfachkräften zu bewältigen.

6) Digitale Medizin kann einen Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten bewirken

Die Telemedizin beinhaltet bereits medizinische Angebote, die sich der Informations- und Kommunikationstechnologien bedienen. Mit ihr können Menschen in entlegenen Gebieten erreicht werden, indem ihnen Zugang zu Gesundheitsleistungen verschafft wird, die anderweitig nicht verfügbar oder bezahlbar wären.

Digitale Gesundheitssysteme können auch hochwertige Gesundheitsinformationen leichter zugänglich machen, Gesundheitskompetenz und gesunde Verhaltensweisen fördern und Patienten Zugang zu Unterstützungsnetzwerken verschaffen. All diese Einflussfaktoren tragen zum Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten bei.

Wenn Sie weitere Informationen über digitale Medizin wünschen, empfehlen wir Ihnen, das Symposium der WHO zur Zukunft digitaler Gesundheitssysteme in der Europäischen Region zu verfolgen, das vom 6. bis 8. Februar in Kopenhagen stattfindet. Ausgewählte Sitzungen des Symposiums werden unter dem nachstehenden Link live übertragen.