Neuausrichtung des Gesundheitswesens in Europa auf integrierte Leistungserbringung

WHO/Jules Phillips

„Alles beginnt mit den Menschen. Ohne Menschen kein Gesundheitssystem." Dieses Prinzip wurde in Grundsatzreden, Fallbeispielen und Fachvorträgen während der zweitägigen abschließenden Konsultation zum Europäischen Handlungsrahmen für eine integrierte Leistungserbringung im Gesundheitswesen betont, die am 2. und 3. Mai 2016 in Kopenhagen stattfand und auf der einschlägige Vorgehensweisen und Verfahren erörtert wurden.

Mehr als 170 Teilnehmer aus über 30 Mitgliedstaaten in der Europäischen Region sowie Vertreter von Fachorganisationen der Ärzte, Pflegekräfte, Ergotherapeuten usw., der Patienten, der Betreuenden und sonstigen Interessengruppen, Versicherungen und Krankenhäuser sowie Fachleute von internationalen Universitäten und Denkfabriken neben Bediensteten aus den Regionalbüros für Afrika, den östlichen Mittelmeerraum und Europa sowie aus dem Hauptbüro erörterten die Umgestaltung der Leistungserbringung im Kontext der vier zentralen Bereichen des Handlungsrahmens: Menschen, Leistungen, Systeme und Wandel.

Mit der Veranstaltung wurden die Vorarbeiten am Rahmen beendet. Der Prozess war 2013 von der Regionaldirektorin eingeläutet worden und hat führende Experten aus diesem Bereich zusammengebracht, den Austausch von Hintergrundinformationen befördert, fachliche Beratungen angestoßen und kollegiale Begutachtungen der ersten Entwürfe ergeben.

Die wichtigsten, dabei zu Tage tretenden Themen waren:

  • Bereich 1: Menschen. Den Menschen in den Mittelpunkt der Versorgung zu stellen, war ein wiederkehrendes Thema. Aktive Teilnahme der Menschen und der Gesellschaft an Gesundheitspolitik und einschlägigen Initiativen ist eine Voraussetzung für Fortschritte. Weitere Akteure müssen einbezogen werden und Patienten, Betreuende, Freiwillige und Gruppenmitglieder in der Erbringung der Angebote eine größere Rolle spielen.
  • Bereich 2: Leistungen. Die Messung der Leistungserbringung wurde sowohl hinsichtlich der Herausforderungen, als auch ihrer Bedeutung erörtert. Insbesondere wurde betont, wie nützlich es sei, Daten zur stationären versus ambulanten Behandlung von Krankheiten zu erheben, weil dies Ländervergleiche ermögliche und einen Ansatzpunkt für Veränderungen ergeben könne.
  • Bereich 3: System: Viele neue technologische Optionen als Wegbereiter einer integrierten Versorgung wurden skizziert. Die Teilnehmer betonten, dass der Fokus auf Nützlichkeit gerichtet bleiben solle und darauf, dass technologische Fortschritte tatsächlich den Bedürfnissen der Menschen entgegen kämen. Es wurde empfohlen, Innovationen auf partizipatorische Weise einzuführen, wobei wichtige Nutzer einbezogen werden sollten, um die Angemessenheit der Neuerung zu sichern. Die Bedeutung des Personals (Anzahl, Aufgaben, Praxisspektrum und Kompetenzen) wurde ebenso betont wie die Bedeutung von Anreizen, Arzneimitteln, abgestimmten Informationen und guter Führung.
  • Bereich 4: Veränderungen. Es wurde vielfach die Notwendigkeit betont, abzuwägen zwischen der Notwendigkeit auf Erkenntnisse zu bauen und den Wandel in annehmbarer Geschwindigkeit zu schaffen. Eine stärkere Ausrichtung auf Nachhaltigkeit und Ausweitung der Reformen sei erforderlich.

Die Teilnehmer waren sich einig, dass der bereits vorhandene Schatz an Daten und Erfahrungen genutzt und zu einem tieferen Verständnis der Zusammenhänge, kontinuierlichem Dialog und Zusammenarbeit von Akteuren innerhalb eines Landes sowie auch länderübergreifend führen solle. Die jüngst veröffentlichte Sammlung von Initiativen zur Umgestaltung der Leistungserbringung ist Teil des Umsetzungspakets für den Rahmen, enthält Fallprofile aus sämtlichen 53 Mitgliedstaaten und ist eine Grundlage für den Gedankenaustausch. Das globale Internetforum „integratedcare4people" mit Start während der 69. Weltgesundheitsversammlung im Mai 2016 bietet eine weitere Route für das vernetzte Arbeiten und den Austausch von Informationen in der gesamten Region.

Der aus dieser Konsultation hervorgehende Handlungsrahmen für die Europäische Region soll der 66. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa im September 2016 vorgelegt werden. Damit wird ein wesentliches Etappenziel in der Stärkung personenzentrierter Gesundheitssysteme in der Europäischen Region erreicht, wie es in „Gesundheit 2020" angerissen wurde.