Politikseminar in Kirgisistan verknüpft allgemeine Versorgung mit moderner Erbringung

WHO/Artur Buiuklianov

Von links: Gulmira Kudaiberdieva (Leiterin der Abteilung für Soziales der Präsidialverwaltung), Gesundheitsministerin Dinara Sagynbaeva Premierminister Jantoro Satybaldiev, Vizepremierministerin Kamila Talieva, Parlamentsbürovorsteher Ratbek Eshmambetov und MdB Karl Lauterbach. Foto: WHO/Artur Buiuklianov

Das kirgisische Gesundheitsministerium führte kürzlich mit Unterstützung der WHO ein hoch besetztes Politikseminar über die Themen allgemeine Versorgung und Modernisierung der Erbringung im Gesundheitssystem durch. Fast 100 Teilnehmer besuchten das Seminar in der Zeit vom 29. bis 30. November.

Die Veranstaltung war Teil einer Reihe von Hilfsaktivitäten für Mitgliedstaaten auf dem Weg zu allgemeiner Versorgung, die unter Leitung des Regionalbüros mit Unterstützung des Ministeriums für internationale Entwicklung des Vereinigten Königreichs durchgeführt werden.

Prävention, Erkennung und Behandlung chronischer Erkrankungen

Im Vortragsteil wurde zunächst betont, dass sich bessere Prävention, Erkennung und Behandlung chronischer Erkrankungen durch die Förderung der primären Gesundheitsversorgung und die Anpassung der Gesundheitsfinanzierung an die Nachfrage (Bevölkerung) und das Angebot (Gesundheitswesen) erreichen lassen. Prof. Karl Lauterbauch (Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzender des Gesundheitsausschusses) erläuterte Maßnahmen in Deutschland für eine systematischere Behandlung und Begleitung chronischer Krankheiten. Zwar seien Ressourcen hierfür erforderlich, doch als noch wichtiger bezeichnete er den sinnvollen Ablauf der Versorgung sowie Anreize für Verhaltensänderungen der Mitarbeiter des Gesundheitswesens und der Bevölkerung. 

Allgemeine Versorgung

In der Erörterung wurde betont, dass allgemeine Versorgung wichtig zur Sicherung guter Gesundheit für alle sei und dass die öffentliche Finanzierung über den Weg zur allgemeinen Versorgung entscheide. 

Der kirgisische Premierminister Jantoro Satybaldiev sagte, insbesondere in einem Land mit begrenztem finanziellen Spielraum sei es wichtig, die vorhandenen Ressourcen effizient zu nutzen:
„Wir haben vielleicht nicht so viel Geld zur Finanzierung des Gesundheitssystems, doch lassen Sie uns diese Mittel so effizient wie möglich nutzen und so wenig wie möglich verschwenden.“

Experten verwiesen darauf, dass das kirgisische Modell der Gesundheitsfinanzierung weltweit als Reformpionierleistung betrachtet werde, dass aber noch schwere Entscheidungen bevorstünden. Die künftig zu erwartenden geringeren Steuereinnahmen müssten durch Effizienzsteigerungen im Gesundheitssystem und eine stärker an den Bedürftigsten ausgerichteten staatlichen Grundleistungen aufgegangen werden.

Politiksteuerung des Gesundheitssystems

Abschließend wurden Führungsfragen im Gesundheitsbereich wie etwa die Rolle und Aufgabe des Gesundheitsministeriums und der gesetzlichen Krankenversicherung sowie die Autonomie der Anbieter berührt. Bessere Rechenschaftsverfahren sowie Auswahlverfahren nach Leistung seien für Anstellungen auf allen Ebenen des Sektors erforderlich, wurde gesagt.

Außer Premierminister Jantoro Satybaldiev waren die Vizepremierministerin Kamila Talieva und die Leiterin der Präsidialverwaltungsabteilung Gulmira Kudaiberdieva (beide mit Zuständigkeit für Soziales) sowie Parlamentsbürovorsteher Ratbek Eshmambetov, Bezirksgouverneure, Experten des Gesundheitsministeriums, der gesetzlichen Krankenversicherung und des Finanzministeriums im Vortragsteil anwesend. Eine Grußbotschaft des kirgisischen Präsidenten Almazbek Atambayev wurde überbracht.

Gemeinsamer Jahresrückblick

Die Erörterungen während des Seminars dienten auch als Grundlage für einen vom 3. bis 5. Dezember 2012 durchgeführten gemeinsamen Jahresrückblick. Im Zusammenhang mit dieser Rückschau wurden Arbeitspläne für 2013 in den Bereichen kardiovaskuläre Erkrankungen, Gesundheit von Mutter und Kind, Tuberkulose und HIV sowie weitere Querschnittsthemen des Gesundheitssystems vereinbart. Ähnliche Rückschauen finden zweimal jährlich statt, damit die zentralen Akteure und Entwicklungspartner gemeinsam ihre Fortschritte auf zentrale Ziele bewerten und die weitere Marschrichtung vorgeben können.