Neuer Bericht des Regionalbüros über Antibiotikaverbrauch in Osteuropa und Zentralasien

WHO

Ein neuer Bericht des Regionalbüros fasst Daten zum Verbrauch von Antibiotika in elf Ländern der Europäischen Region, die nicht Mitgliedstaaten der Europäischen Union sind, sowie im Kosovo* zusammen, die das WHO-Netzwerk zum Verbrauch antimikrobieller Arzneimittel (AMC) erhoben hat. Der Bericht zeigt große Unterschiede im Konsum der beobachteten Länder auf. Danach lassen sich die Schwankungen nicht alleine durch Unterschiede im Gesundheitszustand der Bevölkerung erklären, so dass genauere Untersuchungen erforderlich wären.

Quantitative Daten sind ein Ausgangspunkt für ein besseres Verständnis der Anwendung antibakterieller Arzneimittel in der klinischen Praxis. Doch weitere quantitative sowie qualitative Studien im Bereich der primären Gesundheitsversorgung und der Krankenhäuser sind erforderlich. Die Verbrauchsentwicklung muss in ihrem örtlichen Kontext gedeutet werden, etwa im Zusammenhang mit geänderten Regeln (wie Verschreibungspflicht), den verwendeten Quellen, den Resistenzmustern und das Verhalten von Fachpersonal und Konsumenten ändernden Interventionen.

Verwendete Arten von Antibiotika

Der Bericht zeigt auch, welche Antibiotika der Kategorie systemische, antibakterielle Arzneimittel (Anatomisch-therapeutisch-chemischer Kode J01) verwendet wurden. β-Lactam-Antibiotika sind die am häufigsten benutzten antibakteriellen Arzneimittel.

Cephalosporine und Chinolone sind Antibiotika der zweiten Wahl, die in manchen der untersuchten Länder ebenfalls sehr umfangreich angewandt werden. Auch für injizierbare antimikrobielle Mittel melden die Länder hohe Verbrauchsraten.

„Ein unvernünftiger Einsatz von Antibiotika begünstigt Resistenzbildungen wesentlich. Die systematische Erhebung und Untersuchung von Daten zum Verbrauch antimikrobieller Mittel hilft uns aufzuzeigen, wo gegen den übermäßigen Einsatz vorgegangen werden muss. Die Sammlung und Verbreitung der Daten des AMC-Netzwerks sendet auch das Signal, dass die Regierungen antimikrobielle Resistenzen als gesundheitspolitisches Thema ernst nehmen,“ sagt Dr. Hans Kluge, Direktor der Abteilung Gesundheitssysteme und öffentliche Gesundheit am Regionalbüro für Europa.

Zentrales Verbrauchsregister zur Aufzeichnung von Trends

Die Beobachtung des Verbrauchs auf nationaler Ebene hilft ein zentrales Datenregister zu unterhalten, damit antimikrobieller Konsum und Resistenzen effektiver gehandhabt werden können. Die Arbeit erfolgt in enger Abstimmung mit dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, damit die Vergleichbarkeit der Daten gesichert ist und gesamteuropäische Übersichten der Trends möglich werden.

Das AMC-Netzwerk wurde 2011 gegründet, um Mitgliedstaaten in der Europäischen Region, die keine Mitglieder der Europäischen Union sind, in der Einrichtung und Stärkung ihrer nationalen Surveillance-Systeme zu unterstützen. Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Kirgisistan, Montenegro, Republik Moldau, Serbien, Tadschikistan, Türkei und Usbekistan sowie Kosovo* engagieren sich derzeit im AMC-Netzwerk. Alle trugen zu den in diesem Bericht veröffentlichten Daten zum Verbrauch antimikrobieller Arzneimittel bei. Die in dem Bericht verwandten Daten wurden von nationalen Sachverständigen aus Quellen wie den Import- und Zollverzeichnissen, Verkaufszahlen und Schätzungen örtlicher Hersteller generiert.

Die nächste Zusammenkunft des AMC-Netzwerks ist für den 4. und 5. Juli 2017 vorgesehen. Dort werden alle 17 teilnehmenden Mitgliedstaaten und Kosovo* ihre Analysen zum Verbrauch antimikrobieller Mittel im Jahr 2015 einbringen. Sie werden auch Methoden zur Weitervermittlung ihrer Befunde zum Verbrauch antimikrobieller Mittel an Kliniker und andere Fachleute im Gesundheitsbereich erörtern.

Relevanz für gesundheitspolitische Prioritäten in der Europäischen Region und weltweit

2015 nahmen die Mitgliedstaaten der WHO einen Globalen Aktionsplan zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen an. Ein wichtiges Element dieses Plans ist die Beobachtung des Verbrauchs antimikrobieller Mittel. Die Beobachtung des Arzneimittelverbrauchs ist auch für das Regionalbüro eine vorrangige Tätigkeit. Eine verstärkte Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten für einen besseren Zugang zu Medikamenten und eine verantwortungsvolle Verschreibungs- und Verbrauchspraxis sind zudem ein Thema der 67. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa, die im September 2017 in Budapest stattfindet.

* In Übereinstimmung mit Resolution 1244 (1999) des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen.