Pflegekräfte und Hebammen können Prozesse zur Steigerung der Qualität und zur Verbesserung der Resultate steuern.

Die im Sammelband vorgestellten Erkenntnisse zeigen, dass Pflegekräfte und Hebammen eine sichere, hochwertige und patientenorientierte Versorgung anbieten, eine größere Reichweite und stärkere Integration der Gesundheitsdienste fördern und zu einer Kostensenkung in Versorgungseinrichtungen und im Gesundheitswesen insgesamt beitragen. Den Fallstudien zufolge ist es dank der Einbindung von Pflegekräften und Hebammen in eine höhere Entscheidungsebene möglich, die Mittelverwendung zu steuern und die Leistungserbringung im Gesundheitsdienst und -system im Hinblick auf die Wahrung von Bürgernähe zu überwachen.

Finnland (Fallstudie 9)

Überblick: Auf die Versorgung von Menschen mit chronischen Krankheiten entfallen etwa 78% aller Ausgaben für die Gesundheitsversorgung. In Finnland wurde Pflegekräften eine neue Funktion als Fallmanager im Chronic-Care-Modell übertragen. An der Verwendung des Modells zeigt sich, dass ein gutes Fallmanagement bei Patienten mit chronischen Krankheiten und komplexen Bedürfnissen eine deutliche Verbesserung ihrer Versorgung und Lebensqualität sowie eine Verringerung des Mittelbedarfs bewirken kann. Die Rolle von Pflegekräften wurde auf die Koordinierung der Versorgung und der Mittel sowie das Management der zugewiesenen Patienten ausgeweitet. Bestimmte Aufgaben wurden zwischen Pflegekräften und Ärzten umverteilt, und Pflegekräfte erhielten die Genehmigung zur Ausstellung von Rezepten im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen. Zudem widmeten sich Pflegekräfte verstärkt der Patientenaufklärung und förderten die Selbstversorgung. Diese neue Rolle erforderte ein ganzheitliches und kreatives Herangehen an Probleme, das die Menschen bei der Bewältigung ihrer Gesundheitsprobleme unterstützen soll. 

Resultate: Patienten mit chronischen Krankheiten suchten weniger häufig die Notaufnahme auf. Sie beteiligten sich stärker aktiv an der Behandlung und waren zufriedener damit. Für Gesundheitsfachkräfte wurde ein Leitfaden zur Selbstversorgung von Patienten erarbeitet, der sie bei der Vermittlung von Selbstmanagementfähigkeiten unterstützen soll, und Patienten wurden Instrumente des Selbstmanagements zur Verfügung gestellt. Die Systeme zur Führung von Patientenakten wurden im Hinblick darauf überarbeitet, den Informationsaustausch zu verbessern und die Planung der individuellen Patientenbetreuung zu erleichtern. Durch die Einrichtung interaktiver elektronischer Dienste sollen Patienten schneller auf die Angebote zugreifen können, mehr Wahlmöglichkeiten haben und Unterstützung beim Selbstmanagement erhalten.

Ziel von „Gesundheit 2020":  Bekämpfung der wichtigsten gesundheitlichen Herausforderungen in der Europäischen Region: nichtübertragbare und übertragbare Krankheiten

Dänemark (Fallstudie 4)

Überblick: Im Universitätskrankenhaus Aarhus wurde eine von Hebammen geführte Praxis zur Schwangerschaftsnachsorge mit dem Auftrag eingerichtet, die Heilung von Dammverletzungen nach der Geburt zu beurteilen. Ein Leitfaden zur Beurteilung der Wundheilung und sekundären Reparatur von Dammverletzungen wurde ausgearbeitet, und die Hebammen wurden in der Durchführung einer solchen Beurteilung, in postnataler Schmerzbehandlung und in der Ausführung einer frühzeitigen sekundären Reparatur geschult.

Resultate: Die Wundheilung nach einer von Hebammen ausgeführten primären Reparatur von Dammverletzungen verlief in mehr als 90% der Fälle erfolgreich. Frühzeitige sekundäre Reparaturen durch Hebammen haben ersten Ergebnissen zufolge eine hohe Patientenzufriedenheit und eine anatomisch korrekte Heilung zur Folge. Die im neuen Dienst tätigen Hebammen zeigten sich zufriedener mit ihrer Arbeit.

Ziel von „Gesundheit 2020":  Investitionen in Gesundheit durch einen Lebensverlaufansatz und Stärkung der Handlungsfähigkeit der Menschen