Pflegekräfte und Hebammen spielen eine Schlüsselrolle bei der Befähigung von Menschen zum selbstbestimmten Handeln und der Einbindung von Patienten.

Im Umgang der Patienten mit dem Gesundheitssystem fördern Pflegekräfte und Hebammen die Gesundheitskompetenz, planen gemeinsam mit den Patienten die Versorgung, sind bei klinischen Entscheidungsprozessen behilflich, ermutigen Patienten zum Selbstmanagement und zur Selbstbeobachtung und vermitteln ihnen die Nutzung entsprechender Mechanismen. Darüber hinaus spielen Pflegekräfte und Hebammen eine äußerst wertvolle Rolle bei der Begleitung und Einbindung anfälliger und marginalisierter Bevölkerungsgruppen und tragen somit zum Abbau von Ungleichheiten beim Zugang zur Versorgung sowie bei deren Resultaten bei.

Schweden (Fallstudie 39)

Überblick: Bei der Gesundheitsförderung und der Befähigung der Menschen zu gesundheitsdienlichen Entscheidungen kommen zunehmend Mittel der Gesundheitskommunikation zum Einsatz, die auf Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) beruhen. Diese Instrumente sollten jedoch benutzerfreundlich sein und den Bedürfnissen, den Präferenzen und dem Kontext der Nutzer besser entsprechen. In der Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention im Rahmen der primären Gesundheitsversorgung tätige Gemeindepfleger („District Nurses") richteten in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichem Personal ein interaktives internetgestütztes Gesundheitsportal, „Virtual Hälsotorg" (Virtueller Gesundheitsmarktplatz), ein. Das Projekt wurde von einer multidisziplinären Forschungsgruppe konzipiert, die sich aus Fachkräften und Patienten zusammensetzte und von einem Gemeindepfleger und einer Pflegekraft mit Forschungsaufgaben geleitet wurde. Um sicherzustellen, dass der Virtual Hälsotorg dem tatsächlichen Bedarf der örtlichen Bevölkerung gerecht wurde und den Konzepten und Programmen entsprach, wurden andere Gesundheitsfachkräfte, IKT-Spezialisten, Gymnasialschüler, Ruheständler, Einwanderer und lokale Politiker für die Beobachtung und Evaluierung der einzelnen Prototypen herangezogen. 

Resultate: Aus dem gemeinsamen Konzeptionsprozess ging ein Gesundheitsportal hervor, das bedarfsgerecht, zugänglich und benutzerfreundlich war und im Einklang mit dem Versorgungsauftrag im Rahmen der primären Gesundheitsversorgung stand. Die Gemeindepfleger weiteten ihre Maßnahmen zur Gesundheitsförderung auf schwer erreichbare Gruppen wie Jugendliche und Einwanderer aus, die wichtige Zielgruppen für die Primärprävention sind. Zudem wandten sie die erworbenen Kompetenzen und Kenntnisse im Bereich eGesundheit zur Einrichtung internetgestützter Schulen für Patienten mit Diabetes, Bluthochdruck und Asthma an. Die Pilotstudie zeigte, dass durchdachte IKT-Instrumente die Gesundheitskompetenz steigern können.

Ziel von „Gesundheit 2020":  Schaffung widerstandsfähiger Gemeinschaften und stützender Umfelder

Nordirland, Vereinigtes Königreich (Fallstudie 46)

Überblick: In der Erkenntnis, dass trauernde Familien spezielle Betreuung benötigen, richteten das Royal College of Obstetricians and Gynaecologists und das Perinatal Institute eine mit einer Hebamme zu besetzende Stelle für Trauerbegleitung ein. Dieser Dienst bietet vertrauliche Betreuung für Paare, die um den Verlust eines Neugeborenen infolge von Fehlgeburt, Totgeburt oder neonatalem Tod oder den Verlust eines Kindes trauern. Das Mandat wurde auf schwangere Frauen, die um den Verlust eines Angehörigen trauern, und auf Eltern ausgeweitet, die vor oder nach der Entbindung schlechte Nachrichten über das Wohl ihres Neugeborenen erhalten haben.

Resultate: Aus der Evaluierung des Dienstes geht hervor, dass die von der Hebamme angebotene Trauerbegleitung für die betroffenen Eltern unerlässlich ist. Die Sicherheit und Zufriedenheit von Frauen bei der Geburt wurde durch einfachen Zugang zur Stelleninhaberin gesteigert, die als Ansprechpartnerin den Kontakt mit anderen Mitgliedern des Mutterschaftsteams herstellte. Durch die Schaffung der Stelle wurde auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene auf die Bedürfnisse trauernder Frauen aufmerksam gemacht.

Ziel von „Gesundheit 2020":  Stärkung bürgernaher Gesundheitssysteme