Internationaler Jugendtag 2019: Die Rolle von Mentoren in der Ausbildung von Pflegekräften und Hebammen

Russian Nurses Association

Dank der leitenden Hebammen, die mich betreuten, war der Beginn meiner beruflichen Entwicklung nicht belastend, auch wenn die Arbeit manchmal herausfordernd und anstrengend war.

Snezhana, Hebamme, Russische Föderation

Am 12. August begeht die Europäische Region der WHO zusammen mit dem Rest der Welt den Internationalen Jugendtag, der in diesem Jahr unter dem Motto „Die Umgestaltung der Ausbildung“ steht. Er unterstreicht die Rolle junger Menschen bei der Umgestaltung der Ausbildung zu einem mächtigen Werkzeug im Hinblick auf die Verwirklichung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung.

Mit Hilfe starker Vorbilder und Mentoren, die das entsprechende Handwerkszeug vermitteln und mit einer lebenslangen Hingabe für den gewählten Beruf begeistern, ist das Mentoring zu einem wichtigen Element der heutigen Ausbildung geworden. Hier bildet das Pflege- und Hebammenwesen keine Ausnahme.

Die Geschichte von Snezhana: neues Leben auf die Welt bringen

Snezhana ist eine Hebamme in der medizinischen Krankenstation Severstal in Tscherepowez (Russische Föderation). Ihre Geschichte veranschaulicht den Einfluss, den Mentoren und Betreuer auf die zukünftige Karriere junger Berufstätiger haben können.

„Mein Berufsweg war alles andere als geradlinig, bevor ich Hebamme wurde, obwohl ich bereits früh ein Interesse an Medizin entwickelte. Als ich 9 Jahre alt war, verbrachte ich drei Wochen im Krankenhaus. In dieser Zeit beobachtete ich oft die Ärzte und Pflegekräfte: sie waren immer in Eile, doch sie fanden immer Zeit für ein Lächeln und ein nettes Wort für die kleinen Patienten. Ich fand das faszinierend und begann, medizinische Enzyklopädien zu lesen und mit meinen Geschwistern und Haustieren Arzt zu spielen. Auf Empfehlung meiner Eltern begann ich jedoch ein Geschichtsstudium an der Universität. Es dauerte drei Jahre bis ich beschloss, diese Ausbildung abzubrechen und stattdessen meiner Leidenschaft zu folgen.

Ich bewarb mich um einen Studienplatz für Hebammenwesen an der medizinischen Hochschule, ohne irgendjemandem davon zu erzählen. Ich hatte Angst, meine Familie würde meine Entscheidung nicht gutheißen. Sie vertraten die Ansicht, dass eine Karriere im Hebammenwesen mir nicht genug berufliches Ansehen und Einkommen bringen würde. Doch für mich war das Hebammenwesen ein besonderes Feld, denn anders als bei anderen medizinischen Berufen geht es dabei nicht um die Behandlung von Krankheiten, sondern darum, neues Leben auf die Welt zu bringen. Eine enge Freundin unserer Familie arbeitete als Hebamme und sie half mir, das Wesen des Berufs zu verstehen, etwa, mit welchen Herausforderungen es einhergehen kann, für das Wohlbefinden von Mutter und Kind zu sorgen. Ich war von ihren Geschichten fasziniert und merkte, welch großen Respekt und welch große Dankbarkeit ehemalige Patienten und Kollegen ihr entgegenbrachten.

Während meines Studiums an der medizinischen Hochschule wurde mir immer klarer, dass das Hebammenwesen meine Berufung war“, sagt Snezhana.

Meine Mentoren brachten mir alles bei, was ich weiß

„Ich werde niemals den ersten Tag des Praktikums vergessen, das ich vor meinem Abschluss machte. Zu diesem Zeitpunkt lernte ich meine erste Mentorin kennen, die mir zu einem Vorbild wurde: eine Hebamme aus der medizinischen Krankenstation Severstal. Mit ihrer Hilfe, Unterstützung und Führung brachte ich an meinem allerersten Tag ein gesundes Baby zur Welt. Erst da verstand ich, wie herausfordernd und zugleich befriedigend die Arbeit als Hebamme ist. Ich hatte meine Berufung gefunden, diesem Job wollte ich mein Leben widmen.

Dank der leitenden Hebammen, die mich betreuten, war der Beginn meiner beruflichen Entwicklung nicht belastend, auch wenn die Arbeit manchmal herausfordernd und anstrengend war. Meine Mentoren brachten mir alles bei, was ich weiß, denn die praktischen Fähigkeiten und Erfahrungen sind eine unverzichtbare Ergänzung zum theoretischen Wissen, das man sich während seiner Ausbildung aneignet. Ich hatte das Glück, mit verschiedenen Teams zusammenzuarbeiten. Das bedeutete, dass ich mich an die unterschiedlichen Temperamente und Arbeitsweisen meiner Betreuer anpassen musste. Doch es bedeutete auch, dass ich von den besten Eigenschaften meiner unterschiedlichen Vorbilder lernen konnte.

Auf meinem Weg wurde ich nicht nur von Hebammen betreut, sondern auch von Ärzten, Geburtshelfern und Gynäkologen, Neonatologen, Pflegekräften aus der Intensivpflege und Anästhesisten. Dank ihrer Führung hatte ich keine Angst, als ich das erste Mal allein ein Baby auf die Welt bringen musste. Ich war zuversichtlich und wusste, dass ich von den Besten gelernt hatte“, erinnert sich Snezhana.

Mentoren unterstützen junge Berufstätige

„Meiner Ansicht nach liegt die Zukunft meines Berufsstands in den Menschen, die ihn ausüben und repräsentieren. Das Hebammenwesen – wie auch alle anderen klinischen Berufe – braucht kluge, junge Berufstätige. Normalerweise sind die ersten Tage im Beruf die anspruchsvollsten, denn zu diesem Zeitpunkt verfügen Neueinsteiger noch nicht über die nötigen praktischen Fähigkeiten und das nötige Selbstvertrauen. Dies wäre der geeignete Zeitpunkt für die jungen Berufstätigen, um Unterstützung von einem erfahrenen Mentor zu erhalten, der den Beruf kennt und liebt. Ich glaube, es wäre sogar noch besser, wenn das Mentoring bereits während des Studiums an der medizinischen Hochschule oder der Universität beginnen würde.

Wenn jeder Student, der sich im Rahmen seines Studiums wichtige theoretische Fähigkeiten aneignet, während dieser Zeit bereits durch einen Mentor betreut würde, der ihm die internen Abläufe des Berufs vermittelt, könnte dies dazu beitragen, junge Talente in diesem Beruf zu halten. Zudem würde es meiner Meinung nach gewährleisten, dass sie bei ihrem Einstieg ins Berufsleben mit voller Zuversicht sagen können ,Ich habe die richtige Entscheidung getroffen‘“, schließt Snezhana.