Meilensteine auf dem Weg zu einer allgemeinen Gesundheitsversorgung

WHO

Im vergangenen Jahr war ein bislang nicht gekanntes zunehmendes politisches Engagement für die Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung zu verzeichnen.

Zwar tun sich die Länder weiterhin schwer damit, ihrer Bevölkerung mit beschränkten wirtschaftlichen Ressourcen Zugang zu einer hochwertigen Gesundheitsversorgung zu verschaffen. Doch wird zunehmend deutlich, dass politische Entschlossenheit entscheidend ist, um bei der Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung an Boden zu gewinnen.

Am Welttag der allgemeinen Gesundheitsversorgung scheint die Welt in einer guten Position zu sein, dieses Anliegen auf neue, innovative Weise voranzubringen und die Vision Realität werden zu lassen.

Globale Tendenz hin zur Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung

Im Dezember 2017 berief die Regierung von Japan das Forum für die allgemeine Gesundheitsversorgung in Tokio ein. Auf dieser Tagung veröffentlichten WHO und Weltbank einen globalen Fortschrittsbericht zur allgemeinen Gesundheitsversorgung. „Es ist absolut inakzeptabel, dass die Hälfte der Weltbevölkerung noch immer keinen Zugang zu den wesentlichsten Gesundheitsangeboten hat“, sagte Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, der Generaldirektor der WHO, im Rahmen des Forums.

Er betonte: „Es gibt eine Lösung. Die allgemeine Gesundheitsversorgung ermöglicht es jedem, zeit- und ortsnah Zugang zu den benötigten Gesundheitsleistungen zu erhalten, ohne in finanzielle Not zu geraten.“

Im Mai 2018 erhielt die allgemeine Gesundheitsversorgung kräftigen Auftrieb, als die Mitgliedstaaten der WHO einen neuen fünfjährigen Strategieplan annahmen. Eine der im Dreizehnten Allgemeinen Arbeitsprogramm enthaltenen drei Zielvorgaben sieht vor, dass bis 2023 eine Milliarde Menschen mehr Zugang zur Gesundheitsversorgung erhalten.

Europäische Region der WHO verstärkt politische Unterstützung für eine allgemeine Gesundheitsversorgung
„Gesundheit ist unser höchstes Gut. Sie darf kein Luxus für Privilegierte sein“, sagte Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa, anlässlich des diesjährigen Weltgesundheitstages. „Wir alle profitieren sozial, wirtschaftlich und ökologisch von einer Welt, die Gesundheit für alle anstrebt. Es ist an der Zeit, dass wir uns diesem gemeinsamen Ziel mit vereinten Kräften widmen.“

Dieser Gedanke wurde auch bei hochrangigen Veranstaltungen im Laufe des Jahres 2018 aufgegriffen und erzeugte verstärktes politisches Engagement für die Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung in der Region. Im April versammelten sich auf der Tagung der Europäischen Region über die Reaktion der Gesundheitssysteme auf nichtübertragbare Krankheiten 200 Experten und politische Entscheidungsträger aus 43 Ländern, um zu untersuchen, wie die verschiedenen Komponenten eines Gesundheitssystems sich für den Kampf gegen nichtübertragbare Krankheiten besser aufeinander abstimmen lassen.

Um das Ziel der WHO hinsichtlich der Gewährleistung von mehr Gesundheit und Wohlbefinden für 1 Milliarde Menschen mehr zu erreichen, müssen die wirksamsten und erschwinglichsten Interventionen gegen nichtübertragbare Krankheiten – die sogenannten „best buys“, also vielversprechendsten Optionen – umgesetzt werden.

Chancengleichheit, ein zentraler Aspekt der allgemeinen Gesundheitsversorgung, war der Leitgedanke der hochrangigen Tagung zum Thema „Gesundheitssysteme für Wohlstand und Solidarität: niemanden zurücklassen“ im Juni 2018. Den Abschluss der in Estland anlässlich des 10. Jahrestags der Charta von Tallinn organisierten Veranstaltung bildete die ausdrückliche Verpflichtung der Länder der Region, Gesundheitssysteme aufzubauen, die auf dem Prinzip der Solidarität basieren.

Im Rahmen der Tagung nannte Dr. Hans Kluge, Direktor der Abteilung Gesundheitssysteme und öffentliche Gesundheit beim WHO-Regionalbüro für Europa, drei konkrete Wege, anhand derer die Länder diese Verpflichtung in Maßnahmen umsetzen können:

  • eine Verstärkung der Bemühungen um die Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung;
  • eine Verstärkung der Bemühungen um die Verwirklichung einer bürgernahen Gesundheitsversorgung; und
  • ein Vorausplanen, um sicherzustellen, dass die Gesundheitssysteme auf jegliche Krisen vorbereitet sind.

Neubelebung der primären Gesundheitsversorgung für das 21. Jahrhundert

Die primäre Gesundheitsversorgung spielt eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, Gesundheitsleistungen näher an Wohnorte und Gemeinschaften heranzubringen und so den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu verbessern. Im Oktober 2018 kamen 1200 Delegierte aus mehr als 120 Ländern weltweit in Astana (Kasachstan) auf der Globalen Konferenz über primäre Gesundheitsversorgung zusammen. Gemeinsam nahmen sie die Erklärung von Astana an und gelobten, als einen wichtigen Schritt hin zur allgemeinen Gesundheitsversorgung, ihre Systeme für die primäre Gesundheitsversorgung zu stärken.

In ihrer Abschlussrede auf dieser Konferenz erklärte Dr. Zsuzsanna Jakab: „Die Erklärung von Astana ist ein Appell zu verstärktem Handeln, der uns dazu befähigen sollte, die primäre Gesundheitsversorgung in allen unseren Ländern Wirklichkeit werden zu lassen. Unser gemeinsames Ziel, eine allgemeine Gesundheitsversorgung zu verwirklichen, steht und fällt mit unserem Engagement und unserer Fähigkeit, diese Erklärung in die Praxis umzusetzen.“

Zukunftsausblick

In den kommenden Jahren wird die WHO die Länder bei der Umsetzung der Erklärung von Astana unterstützen, die eine Richtung für die Entwicklung einer primären Gesundheitsversorgung als Basis der Gesundheitssysteme vorgibt. Diese Unterstützung ist Teil der laufenden Arbeit der WHO, mit der sie den Ländern dabei hilft, eine allgemeine Gesundheitsversorgung zu verwirklichen. Hierzu zählen etwa Bemühungen um ein besseres Verständnis der Ursachen für finanzielle Härten und das Werben um mehr Investitionen in die Gesundheitssysteme.

Das politische Engagement für die Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung wird 2019 angesichts der geplanten hochrangigen Tagung zu diesem Thema am dritten Tag der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York im September voraussichtlich noch weiter zunehmen. Thema der Tagung ist „Eine allgemeine Gesundheitsversorgung: zusammenrücken, um eine gesündere Welt zu schaffen.“