Tag der Handhygiene: Es liegt in deinen Händen – Sepsis im Gesundheitswesen verhindern

Eine Sepsis ist eine lebensbedrohliche Komplikation infolge einer Infektion, die auftritt, wenn die normale körperliche Reaktion infektionsbedingt verändert wird, und die zu Verletzungen an Gewebe und Organen führen kann. Jedes Jahr sind weltweit bis zu 6 Mio. Todesfälle auf eine Sepsis zurückzuführen – viele von ihnen könnten verhindert werden.

Sepsis ist die am leichtesten vermeidbare Ursache von Tod und Behinderung in der Europäischen Region. Der Global Sepsis Alliance zufolge entwickeln in der Europäischen Region der WHO jährlich mehr als 3,4 Mio. Menschen eine Sepsis; 700 000 von ihnen überleben sie nicht. Ein Drittel der Überlebenden stirbt innerhalb des folgenden Jahres, viele haben ihr Leben lang mit den Folgen zu kämpfen, wie physischen, psychischen und kognitiven Problemen.

Die durch Sepsis verursachte finanzielle Last wird mit mehr als 24 Mrd. US-$ beziffert und machte damit 6,2% der Krankenhauskosten insgesamt im Jahr 2013 aus. In Europa und Kanada durchgeführte Studien schätzten die für die Krankenhausversorgung eines Sepsis-Patienten täglich anfallenden Kosten im Jahr 2000 auf zwischen 710 € und 1033 €.

Zum Tag der Handhygiene, der jedes Jahr am 5. Mai begangen wird, ruft die WHO Gesundheitseinrichtungen dazu auf, nosokomiale Sepsis durch Handhygiene sowie Infektionsschutz und -bekämpfung zu verhindern. Wenn jeder seinen Beitrag leistet, lassen sich Sepsis verhindern und jährlich Millionen Leben retten.

Infektion verhindern, um Sepsis einzudämmen

Der erste Schritt, um Sepsis einzudämmen, ist die Umsetzung von Maßnahmen, die die Entstehung von Infektionen verhindern. Im zweiten Schritt gilt es, Infektionen daran zu hindern, sich in eine Sepsis zu verwandeln. Sowohl in der Allgemeinbevölkerung als auch in Gesundheitseinrichtungen erfordert dies eine frühzeitige Entdeckung der ersten Anzeichen und der Symptome einer Sepsis sowie eine entsprechende antibiotische Behandlung.

In Gesundheitseinrichtungen kann eine Sepsis durch nosokomiale Infektionen verursacht werden. Umso wichtiger ist es für Gesundheitsfachkräfte, sich mit bewährten Maßnahmen des Infektionsschutzes und der Infektionsbekämpfung vertraut zu machen. Hierzu zählt etwa eine wirksame Handhygiene. Richtiges Händewaschen verhindert Infektionen und verringert somit das Risiko einer Sepsis in Gesundheitseinrichtungen.

Mit der diesjährigen Kampagne zum Tag der Handhygiene wird eine im Mai 2017 von der 70. Weltgesundheitsversammlung angenommene Resolution umgesetzt, in der Sepsis als eine globale Priorität für den Gesundheitsschutz anerkannt wurde und in der zu einer verbesserten Prävention, Diagnose und klinischen Handhabung der Sepsis aufgerufen wird. Im Mittelpunkt der Resolution stehen fünf Handlungsappelle an fünf Zielgruppen:

  • Gesundheitsfachkräfte: „Nehmen Sie sich fünf Augenblicke Zeit, um Ihre Hände zu waschen und so nosokomiale Sepsis zu verhindern“;
  • Führungskräfte im Bereich Infektionsschutz und -bekämpfung: „Werden Sie zum Vorkämpfer bei der Förderung der Handhygiene und verhindern Sie nosokomiale Sepsis“;
  • Leiter von Gesundheitseinrichtungen: „Verhindern Sie nosokomiale Sepsis – machen Sie Handhygiene in Ihrem Krankenhaus zu einem Qualitätsindikator“;
  • Gesundheitsministerien: „Setzen Sie die Sepsis-Resolution der Weltgesundheitsversammlung von 2017 um. Machen Sie Handhygiene zu einem Qualitätsmerkmal der Gesundheitsversorgung in Ihrem Land“; und
  • Patientenverbände: „Bitten Sie um fünf Augenblicke Zeit für saubere Hände, um nosokomiale Sepsis zu verhindern“.

Darüber hinaus ist es von entscheidender Bedeutung, dass Gesundheitsfachkräfte eine Sepsis erkennen, diagnostizieren und schnell behandeln. Trotz ihrer schwerwiegenden Folgen wird eine Sepsis oft nicht frühzeitig genug diagnostiziert, solange sie noch reversibel wäre.

Die Entwicklung einer Infektion zu einer Sepsis lässt sich durch die frühzeitige Erkennung der Anzeichen und Symptome sowie eine umgehende medizinische Versorgung, insbesondere die Behandlung mit entsprechenden antimikrobiellen Mitteln, verhindern. Dies ist entscheidend, um die Überlebenschancen bei einer Sepsis zu erhöhen. Bei antimikrobiell resistenten Infektionen, die immer häufiger auftreten, kann sich der Zustand eines Patienten rapide verschlechtern, was die Notwendigkeit einer frühzeitigen Diagnose noch unterstreicht.

Bemühung um eine sepsis-freie Welt

Es ist möglich, sich eine Welt ohne Sepsis vorzustellen, doch nur durch abgestimmte Maßnahmen einer Vielzahl von Akteuren lässt sich diese Vorstellung auch realisieren. Zum Tag der Handhygiene ist es an der Zeit, sich gemeinsam dazu zu verpflichten, das Bewusstsein über die bewährten Methoden der Infektionsprävention zu schärfen und jeden Einzelnen – insbesondere Gesundheitsfachkräfte – zu der Erkenntnis zu veranlassen, dass die Eindämmung der Sepsis in ihren Händen liegt.