Neues Umsetzungspaket zur Unterstützung der Länder bei der Umgestaltung der Leistungserbringung im Gesundheitswesen

In der Europäischen Region der WHO haben Millionen Menschen keinen Zugang zu den erforderlichen Gesundheitsleistungen zur richtigen Zeit und am richtigen Ort. Gesundheitssysteme, die sich dieser Herausforderung stellen wollen, sind zunehmend der Belastung durch nichtübertragbare Krankheiten und die Rückkehr einiger übertragbarer Krankheiten ausgesetzt und sind mit der Tatsache konfrontiert, dass die Menschen heute länger leben und häufiger an chronischen Erkrankungen leiden. Unter diesen Rahmenbedingungen besteht eine klare Notwendigkeit zur Bereitstellung von Leistungsangeboten, die proaktiv statt reaktiv wirken und die umfassend und anhaltend statt krankheitsspezifisch und sporadisch sind und die auf langfristigen Beziehungen zwischen Patienten und Leistungserbringern begründet sind, anstatt nur zufällig und anbietergesteuert zu erfolgen.

Auf der 66. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa unternahmen die Länder einen wesentlichen Schritt hin zur grundlegenden Umgestaltung der Gesundheitsversorgung und zur Stärkung patientenorientierter Gesundheitssysteme – einer der vier Handlungsprioritäten des Rahmenkonzeptes „Gesundheit 2020“ –, indem sie einhellig dem Europäischen Handlungsrahmen für eine integrierte Leistungserbringung im Gesundheitswesen (EFFA IHSD) zustimmten.

Um die Länder bei ihren Anstrengungen zur Umsetzung des EFFA IHSD in die Praxis zu unterstützen, präsentierte das in Almaty (Kasachstan) angesiedelte Europäische Zentrum für primäre Gesundheitsversorgung ein neues Umsetzungspaket, das für ein gewisses Spektrum von Zielgruppen konzipiert ist. Es besteht aus Grundsatzdokumenten, Hintergrundpapieren, einer Reihe von Werkzeugen, Beispielen von Anwendungen und daraus gezogenen Lehren sowie einem Glossar der wichtigsten Begriffe in Englisch und Russisch. Als Nutzer kommen Patienten, Angehörige der Gesundheitsberufe, Geschäftsführer von Gesundheitseinrichtungen sowie Beamte und Berufsverbände in Frage.

Das Umsetzungspaket wird ein Schlüssel bei der strategischen und effektiven Gestaltung der politischen Rhetorik sein, die zur Propagierung der integrierten Leistungserbringung im Gesundheitswesen in der gesamten Europäischen Region und zur Unterstützung der Entscheidungsträger und der leitenden Verantwortlichen durch Evidenz, Erfahrungsaustausch und Instrumente auf diesem Gebiet erforderlich ist.

Das Fachzentrum in Almaty bietet fachliche Unterstützung für die Länder bei der Stärkung der Bereitstellung von Gesundheitsleistungen auf der Grundlage der primären Gesundheitsversorgung. Seine Tätigkeit zielt in erster Linie auf praktische Arbeit in den Ländern ab, die die grundlegende Umgestaltung der Leistungserbringung spürbar voranbringen.

Der EFFA IHSD

Der EFFA IHSD wurde im Rahmen einer dreijährigen Zusammenarbeit unter Beteiligung der Mitgliedstaaten aus der Europäischen Region erstellt. An diesem Konsultationsprozess waren Patientenorganisationen, Praktiker, Wissenschaftler, Sachverständige und politische Entscheidungsträger beteiligt. Der EFFA IHSD trägt zu der in „Gesundheit 2020“ verankerten Zukunftsvision der Europäischen Region bei, die auf gesamtstaatlichen und gesamtgesellschaftlichen Anstrengungen basiert und in der primären Gesundheitsversorgung für patientenorientierte Gesundheitssysteme begründet ist.

Bei seiner Annahme lobte Dänemark den EFFA IHSD als „zweckdienlich und wegweisend“. Estland hob hervor, dass die Ausrichtung des EFFA IHSD an dem Ansatz der primären Gesundheitsversorgung und an der Charta von Tallinn über Gesundheitssysteme den Ländern unabhängig von ihrem jeweiligen Ausgangspunkt Orientierungshilfe bei der Realisierung einer integrierten Gesundheitsversorgung geben werde.

Im EFFA IHSD werden Maßnahmen in folgenden vier Bereichen gefordert:

  • Bemühungen zur Bestimmung der vielschichtigen gesundheitlichen Bedürfnisse der Bevölkerung und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Gesamtbevölkerung wie auch mit den einzelnen Bürgern;
  • Gewährleistung, dass die Leistungserbringungsverfahren den ermittelten Bedürfnissen gerecht werden;
  • Ausrichtung auf andere Funktionen des Gesundheitssystems, sodass sie die Leistungserbringung für eine optimale Bilanz unterstützen; und
  • Erleichterung der strategischen Steuerung der Umgestaltung.

Der Handlungsrahmen orientiert sich eng an den Werten, Grundsätzen und Strategien, die in dem Globalen Rahmenkonzept für eine integrierte bürgernahe Leistungserbringung im Gesundheitswesen sowie in der Globalen Strategie für die Ausbildung von Gesundheitspersonal: Workforce 2030 genannt werden, die auf der 69. Weltgesundheitsversammlung im Mai 2016 angenommen wurde. Der EFFA IHSD ist auch von grundlegender Bedeutung für das Nachhaltigkeitsziel 3: Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern.