Rumänien – In die primäre Gesundheitsversorgung investieren und Gesundheitsversorgung dort bieten, wo sie am dringendsten benötigt wird

WHO

During their regular visits to households, community nurses in Botosani county give health advice and perform basic check-ups

Interview mit Lidia Manuela Onofrei, Leitende Beraterin, Referat für Gesundheitsversorgung und öffentliche Gesundheit, Rumänisches Gesundheitsministerium

In dem Bestreben, die Verwirklichung einer allgemeinen Gesundheitsversorgung zu beschleunigen, räumt das Gesundheitsministerium Rumäniens der primären Gesundheitsversorgung Priorität ein. Die Einrichtung eines Netzwerks von gemeindenahen Gesundheitszentren und die Stärkung der Rolle der Gemeindeschwestern innerhalb des Gesundheitssystems sind dabei zwei wichtige Maßnahmen, die das Ministerium ergriffen hat, um Gesundheit für alle zu gewährleisten.

Verbesserung des Zugangs zur Gesundheitsversorgung für die am stärksten gefährdeten Menschen

„Der Grund, warum wir das Gemeindeschwestern-Programm eingeführt haben, war die Verbesserung des Zugangs zur Gesundheitsversorgung für gefährdete Gemeinden, Personen mit chronischen Erkrankungen, junge Familien, Schwangere und Mitglieder der Roma-Gemeinde“, sagt  Lidia Manuela Onofrei, Leitende Beraterin im Referat für Gesundheitsversorgung und öffentliche Gesundheit im rumänischen Gesundheitsministerium.

Zu Beginn der Initiative waren ehemalige Hebammen die ersten Gemeindepflegekräfte im Land. Mit dem Ausbau des Programms kamen Hausarztpraxen, Gesundheitsämter und Sozialdienste sowie Ausbildungseinrichtungen hinzu.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt umfasst die gemeindenahe Gesundheitsversorgung sämtliche Programme, Gesundheitsleistungen und Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit auf Gemeindeebene, konzentriert sich auf die Prävention und wird von Gemeindeschwestern und Gesundheitsmediatoren übernommen. Gesundheitsmediatoren sind ernannte Mitglieder der Roma-Gemeinden, die im Bereich der Gesundheitsförderung tätig sind.

Ein wachsendes Netzwerk von Schwestern, die Veränderungen bewirken

Gegenwärtig verfügt Rumänien über 1556 Gemeindeschwestern, die insgesamt 1183 Dörfer und Städte betreuen. „Natürlich gibt es Gemeinden, in denen es keine Schwester gibt“, sagt Frau Onofrei. „Deshalb muss das Gesundheitsministerium auch die Ausbildungsprogramme für die gemeindenahen Gesundheitsfachkräfte ausbauen und die Weiterentwicklung des Gemeindeschwesternprogramms im ganzen Land unterstützen.“
In den Gemeinden, die über Gemeindeschwestern verfügen, zeigt ihre Arbeit schon erste Früchte. Noch vor fünf Jahren waren etwa die Zahl der Abtreibungen, insbesondere unter sehr jungen Frauen, die Zahl der Todesfälle im häuslichen Umfeld und die Müttersterblichkeitsraten in den Bezirken Botosani im Norden und Gorj im Südwesten des Landes deutlich höher. „Dank der harten Arbeit, die die Gemeindeschwestern leisten, sind all diese Indikatoren für Gesundheit rückläufig und eine wachsende Zahl an Menschen lässt sich impfen“, bestätigt Frau Onofrei.

Erfolgsrezept: Vertrautheit mit der Gemeinde und Teamwork

Die Bezirksgesundheitsämter sind in enger Zusammenarbeit mit den kommunalen Behörden für die Einstellung der Gesundheitsmediatoren und der Gemeindeschwestern zuständig. Eine Grundvoraussetzung für die Gesundheitsmediatoren ist, dass sie aus den Gemeinden stammen, in denen sie arbeiten werden. Dadurch wird gewährleistet, dass die ausgewählten Mediatoren mit den Traditionen und kulturellen Aspekten, die Auswirkungen auf die Gesundheit der Gemeinde haben können, vertraut sind.

„Wir haben sehr engagierte Mitarbeiter, denn sie sind eng mit ihren Familien und Gemeinden verbunden und planen nicht, die Gemeinden zu verlassen“, sagt Frau Onofrei. „Die Gemeindeschwestern kennen jedes Haus und jede Familie in ihren Gemeinden. Auch die Zusammenarbeit mit einer Reihe anderer Fachkräfte aus dem Gesundheits- und Sozialwesen ist für die Gemeindeschwestern von entscheidender Bedeutung. In der Gemeinde kann man die Menschen auf eine ganzheitliche Weise betrachten. Denn man sollte ihre gesamten Lebensumstände berücksichtigen, nicht nur ihren Gesundheitszustand. Aufgabe der Gemeindeschwestern ist es, die Patienten zu untersuchen und zu unterstützen und eine ganzheitliche Betreuung abzustimmen, damit sie die Hilfe erhalten, die sie benötigen.“