Verpflichtung von Banja Luka unterzeichnet

Predrag Milašinović

Minister und Partner unterzeichnen die Verpflichtung. Foto: Predrag Milašinović

Das Dritte Forum der Gesundheitsminister, das am 13. und 14. Oktober 2011 in Banja Luka (Bosnien und Herzegowina) stattfand, endete mit der Unterzeichnung der Verpflichtung von Banja Luka. Die in der Europäischen Region der WHO bisher einzigartige Verpflichtung enthält einen fünfjährigen Zeitplan für die Einbeziehung von Gesundheit in alle Politikbereiche und für eine sektorübergreifende Zusammenarbeit zur Bewältigung der sozialen und ökonomischen Determinanten von Gesundheit und zur Zurückdrängung nichtübertragbarer Krankheiten.
 
Mit der Unterzeichnung unterstrichen die Repräsentanten der Länder ihr Engagement. Ein Teilnehmer bezeichnete die Verpflichtung als einen historischen Schritt hin zur Anerkennung der Notwendigkeit kontinuierlicher und abgestimmter Anstrengungen zur Förderung der regionalen Zusammenarbeit im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Durch sie würden die wichtigen Erfolge des Südosteuropäischen Gesundheitsnetzwerks bekräftigt, und es werde verdeutlicht, dass die Länder in der Region eine Stärkung der Verknüpfungen zwischen Gesundheit und anderen Politikbereichen anstrebten.

Ein anderer Teilnehmer sagte: „Gesundheit wird in zunehmendem Maße als ein Indikator für Wohlergehen und langfristige ökonomische Entwicklung gesehen – ein weiterer guter Grund, diese Verpflichtung zu unterstützen. Die Einrichtung von Zentren für regionale Gesundheitskooperation ist ein positives Ergebnis, das es zu erhalten gilt.“
 
Als Vertreter der Präsidentschaft des Südosteuropäischen Gesundheitsnetzwerks zog Ranko Skrbic, Minister für Gesundheit und Soziales der Republika Srpska, folgendes Fazit: „Unsere letztendlichen Ziele lauten Chancengleichheit und Gesundheit in allen Politikbereichen.“

Die zehn Länder innerhalb des Netzwerks – Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Israel, Kroatien, Montenegro, Republik Moldau, Rumänien und Serbien – vereinbarten:

  • die regionale Zusammenarbeit im Bereich der öffentlichen Gesundheit in Südosteuropa aufrechtzuerhalten und zu stärken;
  • mehr Chancengleichheit und Rechenschaftsablage im Gesundheitsbereich anzustreben; und
  • die Kapazitäten und Angebote im Bereich der öffentlichen Gesundheit mit dem Ziel der Bekämpfung bzw. Prävention nichtübertragbarer Krankheiten zu stärken.

Insbesondere verpflichteten sie sich, auf das Ziel der Einbeziehung von Gesundheit in alle Politikbereiche hinzuarbeiten, damit Aspekte der Gesundheit und der gesundheitlichen Chancengleichheit bei allen Grundsatz- und Investitionsentscheidungen auf kommunaler und nationaler Ebene gebührend berücksichtigt werden.

Das Forum ermöglichte einen Rückblick auf ein Jahrzehnt äußerst erfolgreicher regionaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Bevölkerungsgesundheit in Südosteuropa, die nicht nur zu einem erheblichen Zuwachs an gemeinsamer Fachkompetenz, sondern auch zur Gründung von neun Zentren für regionale Gesundheitskooperation und von zehn als Pilotversuch angelegten gemeindenahen psychosozialen Zentren sowie zur Schaffung eines regionsweiten Netzes von 60 Institutionen auf dem Gebiet der öffentlichen Gesundheit geführt hat.

In der Verpflichtung von Banja Luka werden die Regierungen der Länder der Europäischen Region und die Partnerorganisationen aufgefordert, das Netzwerk bei der Verwirklichung seiner erweiterten Ziele zu unterstützen. Das Fazit lautet: „Wir sind überzeugt, dass unsere gebündelten Bemühungen auf nationaler, regionaler (südosteuropäischer) und gesamteuropäischer Ebene Veränderungen bewirken werden, die Gesundheit und Wohlbefinden aller unserer Bürger erheblich verbessern.“

Die ersten beiden Tagungen des Forums der Gesundheitsminister in den Jahren 2001 und 2005 führten zu den Verpflichtungen von Dubrovnik und Skopje.

Sektorübergreifende Zusammenarbeit im Bereich der nichtübertragbaren Krankheiten notwendig

Die Teilnehmer des Forums erörterten die Lage in Südosteuropa in Bezug auf nichtübertragbare Krankheiten sowie die Bedeutung der Veränderungen auf diesem Gebiet im vergangenen Jahr, darunter die Annahme der Erklärung von Moskau, der Aktionsplan zur Umsetzung der Europäischen Strategie zur Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten und die politische Erklärung der Tagung der Vereinten Nationen auf hoher Ebene.

Nichtübertragbare Krankheiten, zu denen Herzerkrankungen, Schlaganfall, Krebs, chronische Lungenerkrankungen und Diabetes gehören, sind die häufigsten Ursachen für Morbidität und Mortalität in den Ländern Südosteuropas. Dabei sind die Erfahrungen in der Region keineswegs einheitlich. So können einige Länder etwa bei der Bekämpfung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gebärmutterhalskrebs eine ausgezeichnete Bilanz vorweisen, während sich andere auf diesem Gebiet noch immer um geordnete Handlungskonzepte bemühen. Das Forum befasste sich mit Erkenntnissen, nach denen Maßnahmen im Bereich der Bevölkerungsgesundheit schnell Wirkung entfalten können. So lässt sich beispielsweise schon ein bis zwei Jahre nach Einführung von Maßnahmen zur Preiserhöhung für Tabakerzeugnisse und von Rauchverboten an öffentlichen Orten ein Rückgang bestimmter tabakbedingter Erkrankungen feststellen. Es gibt beträchtlichen Spielraum für eine regionale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet, und zu diesem Zweck wird derzeit in Montenegro ein neues regionales Entwicklungszentrum eingerichtet.

Das Forum erkannte auch an, dass für eine Zurückdrängung der nichtübertragbaren Krankheiten eine wirksame Zusammenarbeit zwischen Gesundheitspolitik und anderen Politikbereichen von entscheidender Bedeutung ist. Bei der Vorstellung der Ergebnisse einer Studie über die Erfahrungen des Netzwerks auf diesem Gebiet erklärte der Gesundheitsminister der Republik Moldau, Andrei Usatii: „Der Aktionsradius der öffentlichen Gesundheit muss alle Bereiche des Handelns der Bürger erfassen – in sozialer, ökologischer und sonstiger Hinsicht. Er darf sich nicht auf das Handeln der Gesundheitsfachkräfte beschränken. Deshalb sind zur Bewältigung der Probleme im Bereich der öffentlichen Gesundheit gesellschaftliche und ökologische wie auch medizinische Lösungen gefragt. Für eine wirksame Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten ist eine sektorübergreifende Zusammenarbeit für mehr Gesundheit unverzichtbar.“

Das Forum

Das Forum ist ein einzigartiges Gremium, das nach dem wirtschaftlichem Zusammenbruch und den Konflikten in den 1990er Jahren unter dem Dach des Stabilitätspaktes für Südosteuropa ins Leben gerufen wurde. Im letzten Jahrzehnt haben die Gesundheitsministerien seiner Mitgliedstaaten im Rahmen einer regionalen Kooperation im Bereich der öffentlichen Gesundheit, die inzwischen vom Regionalen Kooperationsrat (RCC) unterstützt wird, eng miteinander wie auch mit dem Regionalbüro zusammengearbeitet.