Neues Grundsatzpapier der WHO zu Chancen der Förderung ökologisch nachhaltiger Gesundheitssysteme

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Gesundheitssysteme wirken sich stark auf die Umwelt aus und verbrauchen Energie und natürliche Ressourcen, wie im neuen Grundsatzpapier der WHO „Der Weg zu ökologisch nachhaltigen Gesundheitssystemen in Europa“ gesammelte Erkenntnisse zeigen.

Es wird aber auch darauf hingewiesen, dass Gesundheitssysteme zwar natürliche Ressourcen verbrauchen, Treibhausgase ausstoßen und sehr viel, zum Teil gefährlichen, Abfall erzeugen, sich aber dennoch auch positiv auf die Umwelt auswirken können, insbesondere im Bereich der Gesundheitsförderung und des Umweltschutzes.

Dr. Srdan Matic, Koordinator für Umwelt und Gesundheit beim Regionalbüro, stellte die Ergebnisse des Grundsatzpapiers während der Konferenz CleanMed 2016 vor, die am 21. und 22. Oktober 2016 in Kopenhagen stattfand. Die Erkenntnisse stammen aus amtlichen Berichten, Fallstudien, grauer Literatur sowie aus 172 wissenschaftlichen Artikeln. „Als Hauptamtliche im Gesundheitswesen tragen wir eine Verantwortung, die Auswirkungen unserer Tätigkeit auf die Umwelt abzumildern,“ sagte Dr. Matic. „Hierbei geht es nicht so sehr darum keinen Schaden anzurichten, wie darum Gutes zu erreichen.“

Beispiele messbaren Nutzens für Gesundheit und Umwelt

Die Durchsicht der Erkenntnisse erbrachte mehrere Beispiele von Maßnahmen, die sich nützlich sowohl für die Gesundheit als auch die Umwelt erwiesen.

  • Auflagen in Bezug auf die Luftqualität hat die Übersäuerung von Boden und Trinkwasser in den meisten Teilen Europas und Nordamerikas seit den 1990er Jahren abnehmen lassen.
  • 2012 gelangte eine Analyse von Kaplan et al. für die Vereinigten Staaten zu der Einschätzung, dass ein Maßnahmenbündel gegen negative Auswirkungen von Krankenhäusern auf die Umwelt zu finanziellen Ersparnissen führen könnte, die sich nach fünf Jahren auf über 5,4 Milliarden und nach zehn Jahren auf über 15 Milliarden US-$ belaufen würden.
  • 2009 gelangten Haines et al. durch eine Modellrechnung für das Vereinigte Königreich zu der Einschätzung, dass die Förderung aktiver Fortbewegung in Kombination mit einer fleischarmen Ernährung die Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern und den Klimawandel bremsen könnten.
  • Aus Deutschland, Kanada, Schweden und dem Vereinigten Königreich liegen Forschungsergebnisse vor, wonach Telegesundheit/Telemedizin den Transportbedarf von Patienten verringern und den Zugang zur Versorgung etwa in ländlichen Gebieten verbessern können. Bond et al. zeigten 2009 in einer Studie, dass der Einsatz mobiler Brustkrebsvorsorgeteams den Ausstoß von Treibhausgasen verringerte und zugleich das Erlebnis für die untersuchten Personen verbesserten.
  • 2015 ergab eine Auswertung für den Globalen Aktionsplan, dass eine geänderte Beleuchtung der Krankenstationen von sechs Krankenhäusern im Vereinigten Königreich den Schlaf der Patienten verbesserte und im Laufe von zwei Jahren Einsparungen von 650 000 US-$ erbrachte.

Konzentration auf beiderseitigem Nutzen

„Wir argumentieren nicht für ökologische Nachhaltigkeit auf Kosten zentraler Ziele und Aufgaben der Gesundheitssysteme,“ sagt Dr. Hans Kluge, Direktor der Abteilung für Gesundheitssysteme und öffentliche Gesundheit beim Regionalbüro. „Manche Kompromisse werden zweifellos erforderlich sein, doch sollte der Schwerpunkt auf Strategien und Aktionen liegen, die Nutzen für die Gesundheitssysteme wie für die Umwelt mit bedeuten.

Die Befunde des Papiers werden auch ein Beitrag zur Sechsten Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit sein, die im Juni 2017 in Tschechien stattfinden wird. Während dieser Konferenz werden die Mitgliedstaaten voraussichtlich eine Ministererklärung und einen Umsetzungsplan annehmen, durch den wichtige Umweltgefahren für die menschliche Gesundheit weiter eliminiert werden sollen.