Tuberkulose geht uns alle an

In der Europäischen Region leben fast eine halbe Million Tuberkulosepatienten, und jedes Jahr sterben über 40 000 Menschen an der Krankheit. Um der Krankheit Einhalt zu gebieten, sind eine frühzeitige Diagnose sowie Verbesserungen in Behandlung und Pflege dringend erforderlich. Der 24. März ist Welt-Tuberkulose-Tag.

Jeder kann sich mit Tuberkulose anstecken

Nach Schätzungen erkranken in der Europäischen Region täglich mehr als 1000 Menschen an Tuberkulose; jährlich sind es über 380 000.

Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit, die durch das Mycobacterium tuberculosis verursacht wird und sich auf dem Luftwege über sehr kleine Tröpfchen ausbreitet. Das Bakterium hat eine sehr dicke Zellwand.

Wenn das Mycobacterium tuberculosis die Lunge erreicht, kann es zu einer Infektion kommen. Glücklicherweise kann das Immunsystem die Bakterien meist eindämmen. Ist dieses System jedoch geschwächt – was vor allem bei Kleinkindern oder älteren Menschen oder bei HIV-Infizierten oder Diabetikern vorkommt –, so können sich die Bakterien ausbreiten und eine Erkrankung hervorrufen.

Jede an aktiver Tuberkulose erkrankte Person, die nicht behandelt wird, steckt jährlich durchschnittlich 10 bis 15 weitere an.

Tuberkulose: mehr als nur eine Frage der Gesundheit

Tuberkulose ruft nicht nur spezifische Symptome wie Husten, Blut im Sputum, Kurzatmigkeit und Schmerzen in der Brust hervor, sondern auch allgemeine: Fieber, Nachtschweiß, Gewichts- und Appetitverlust, Ermüdung, allgemeines Schwächegefühl. Doch die Krankheit hat noch vielerlei andere Auswirkungen auf das Leben der Menschen.

Die gesellschaftliche Stigmatisierung bewirkt zusammen mit der Dauer der Behandlung (bis zu zwei Jahre bei medikamentenresistenten Formen) häufig eine Isolation der Patienten von ihren Angehörigen und Freunden.

Die Kosten der Erwerbsunfähigkeit während der Dauer der Behandlung stellen die Betroffenen oftmals vor ein verhängnisvolles Dilemma: die Behandlung abschließen, um eine Erholung zu ermöglichen, oder die Behandlung abbrechen, um die Familie zu unterstützen.

Unverhältnismäßig große Folgen für die am stärksten Gefährdeten

An Tuberkulose kann jeder erkranken, doch die einkommensschwächsten Gruppen sind am stärksten betroffen. Die Krankheit ist mit den sozialen Determinanten von Gesundheit verknüpft: den Bedingungen, unter denen Menschen leben und arbeiten.

Unzureichende Lebensbedingungen, eine ungünstige Ernährung und beengte Verhältnisse stellen allesamt Risikofaktoren in Bezug auf die Krankheit dar. Dies bedeutet, dass die Tuberkuloseraten in Großstädten, wo diese Probleme häufiger auftreten, höher sind.

Besonders gefährdet sind Migranten, Häftlinge und gesellschaftlich ausgegrenzte Gruppen.

Die vorliegenden Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Tuberkulose unter jungen Erwachsenen im östlichen Teil der Europäischen Region sowie unter Migranten und älteren Einheimischen in den Ländern Westeuropas am verbreitetsten ist.

Medikamentenresistente Tuberkulose: ein wachsendes Problem

Der zunehmende Anteil der Fälle multiresistenter und extensiv resistenter Tuberkulose (MDR-/XDR-Tb) in der Europäischen Region gibt zusehends Anlass zur Besorgnis.

Bei der MDR-Tb ist die Krankheit gegen mindestens zwei der sonst wirksamsten Antituberkulotika resistent. Bei der XDR-Tb besteht eine Resistenz gegen Erst- wie Zweitrangmedikamente, was sie nahezu unheilbar macht.

Dies ist ein vom Menschen verursachtes Problem, das aus der unzureichenden Behandlung der Tuberkulose oder aus unzureichenden Atemschutzmaßnahmen resultiert. Die Folge sind eine wachsende Zahl von Fällen, die sich schwerer und nur unter höheren Kosten behandeln lassen und bei denen es häufiger zu schweren unerwünschten Ereignissen kommt.

Verbesserung von Prävention, Diagnose, Behandlung und Pflege erforderlich

2011 gab die WHO ihre Zustimmung zur Einführung eines bahnbrechenden neuen Diagnoseverfahrens für Tuberkulose, das die Diagnose von MDR- und XDR-Tb erheblich beschleunigen wird. Nun gilt es, dieses Verfahren in all jenen Ländern einzuführen, in denen es benötigt wird. Gegenwärtig wird die Fallentdeckungsrate auf ca. 40% geschätzt; die WHO hat es sich jedoch zum Ziel gesetzt, bis 2015 eine Rate von 85% zu erreichen.

Ein entscheidendes Ziel der Tuberkulosebekämpfung ist eine Verkürzung der Behandlungszeiten, damit die Patienten ihre Behandlung abschließen, die Krankheit überwinden und zu einem aktiven Leben zurückkehren können. Gegenwärtig werden weniger als 50% der Patienten mit MDR- und XDR-Tb mit Erfolg behandelt, doch die WHO strebt bis 2015 eine Erfolgsquote von 75% an.

Insgesamt müssen die Gesundheitssysteme bürgernäher gestaltet werden, damit eine kostenlose, bedarfsgerechte und zeitnahe Diagnose, Behandlung und Versorgung aller Tuberkulosepatienten möglich wird. Ferner werden neue und wirksamere Medikamente und Impfstoffe sowie evidenzbasierte Konzepte für die prophylaktische Behandlung benötigt.