Auf dem Weg zu einer tabakfreien Generation – „Den Einstieg verhindern“

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„Wenn zwei von uns rauchen, dann wird einer von uns 10 bis 20 Jahre früher sterben, als wenn er nicht geraucht hätte. Ich bin der festen Überzeugung, dass Tabak, wenn er heute erfunden würde, nie legal würde“, sagt Kristina Mauer-Stender, Leiterin des Programms Tabakbekämpfung beim WHO-Regionalbüro für Europa.

Doch für einen 15-jährigen Jugendlichen ist das Risiko, in 20 oder 30 Jahren zu sterben, eher abstrakt, sodass die unmittelbare Befriedigung für ihn schwerer wiegt als diese nicht allzu groß erscheinende Bedrohung. Kristina Mauer-Stender vergleicht die Situation mit dem Reiz, sich in einem Laden alles kaufen zu können und die Rechnung erst Jahrzehnte später zahlen zu müssen.

Zum Jugendalter gehört es auch, die eigene Identität zu definieren. So kann Rauchen für junge Menschen zum Teil ihres Selbstbildes werden und den Wunsch erfüllen, auf eine bestimmte Weise wahrgenommen zu werden und in einer Gruppe dazuzugehören. Die Werbeslogans der Tabakindustrie machen sich diesen Umstand zunutze, indem sie Raucher als selbstbewusste, erfolgreiche Männer und Frauen darstellen.

Auch wenn die Zahl der jugendlichen Raucher in den meisten Teilen der Europäischen Region der WHO rückläufig ist, so rauchen doch immer noch 18% wöchentlich, und der Anteil weiblicher Jugendlicher in Osteuropa, die mit dem Rauchen begonnen haben, hat sich im vergangenen Jahrzehnt von 18% auf 20% erhöht. Da in den Ländern Osteuropas heute mehr Frauen ökonomisch unabhängig sind, werden Tabakprodukte dort als symbolisch für die Emanzipation vermarktet.

Strategie der WHO zur Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen: Gesundheit schützen und Risiken verringern

Die Verwirklichung einer tabakfreien Generation gehört zu den Schlüsselbereichen der Strategie der WHO zur Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der Europäischen Region:

„Diese Generation ist die erste in der Europäischen Region, die eine realistische Chance auf ein Leben gänzlich ohne Tabak hat. In weiten Teilen der Europäischen Region sind die Raucherzahlen unter Erwachsenen rückläufig, selbst in einigen Ländern, die Netto-Exporteure von Tabak sind. Ebenso zeichnet sich ein Rückgang der Raucherzahlen unter Jugendlichen in Westeuropa ab, insbesondere bei Mädchen, während im östlichen Teil der Region eine steigende Tendenz zu beobachten ist. Während die Länder auf die Erfüllung des weltweiten Ziels einer Reduzierung des Tabakkonsums um 30% bis 2025 hinarbeiten, kann die Europäische Region der WHO darüber hinaus schon jetzt als Ziel anstreben, dass alle im Jahr 2000 oder danach geborenen Kinder im Erwachsenenalter Nichtraucher sind und das mittlere Lebensalter auf einem Kontinent erreichen, auf dem nur noch sporadisch geraucht wird und Kinder frei von direkter oder indirekter Exposition gegenüber Tabakrauch aufwachsen.“

Die Umsetzung des Rahmenübereinkommens der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs kann den Ländern dabei behilflich sein, die Jugendlichen vom Einstieg in den Tabakkonsum abzuhalten. Die Erkenntnisse zeigen, dass die Anhebung der Tabaksteuern der wirksamste Weg zur Senkung des Konsums ist; dies gilt vor allem für Jugendliche, die besonders empfindlich auf Preiserhöhungen reagieren. Durch Werbeverbote und die Vorschrift unansehnlicher Verpackungen mit erschreckenden Bildern werden Tabakverpackungen für Jugendliche weniger attraktiv. Finnland dient als ermutigendes Beispiel dafür, wie junge Menschen vom Einstieg ins Rauchen abgehalten werden können.

Finnland – Gesetze zur Beendigung des Tabakkonsums

Finnland war das erste Land, das von der Rhetorik über die Tabakbekämpfung zu konkreten gesetzgeberischen Maßnahmen übergegangen ist, die auf eine Beendigung des Tabakkonsums abzielen. Seine Zukunftsvision besteht darin, dass Kinder und Jugendliche in einer Gesellschaft aufwachsen sollen, in der Rauchen nicht zur Norm gehört. Das aktuelle Ziel lautet, den Anteil der Raucher an der erwachsenen Bevölkerung bis 2040 auf maximal 2% zu senken.

Finnland verfolgt dieses Ziel durch ordnungspolitische Maßnahmen, die:

  • standardisierte Verpackungen ohne Markennamen vorschreiben;
  • mit einer Erhöhung der Tabaksteuern verbunden sind;
  • das Rauchen im Wohnumfeld einschränken;
  • ein Rauchverbot in Privat-PKW, in denen Minderjährige anwesend sind, sowie auf Spielplätzen, in Vergnügungsparks und an Stränden beinhalten;
  • Kommunen und Arbeitsplätze dazu ermutigen, sich zu rauchfreien Zonen zu erklären;
  • den Rauchverzicht unterstützen;
  • den Markteintritt neuer Tabakerzeugnisse verhindern;
  • nikotinhaltige E-Zigaretten regulieren und ihren Konsum überall dort verbieten, wo auch Rauchen verboten ist.

„Ich behaupte, dass Rauchen keine Freiheit bringt, sondern zu Sucht führt. Die Länder tragen eine Verantwortung dafür, ihre Bürger vor den Gefahren des Rauchens zu bewahren. Jugendliche verdienen besondere Aufmerksamkeit, da sie biologisch eine niedrigere Schwelle für Nikotinsucht aufweisen“, sagt Kristina Mauer-Stender.