Sure Start – Investitionen in die frühkindliche Entwicklung

WHO/Malin Bring

Investitionen in die frühkindliche Entwicklung sind der wirksamste Weg, um zu gewährleisten, dass alle ihr Entwicklungspotenzial voll ausschöpfen können. Doch Armut kann einen ansonsten unbeschwerten Weg zu guter Gesundheit beeinträchtigen.

Armut ist nicht nur eine Frage des monatlichen Einkommens, sondern ist auch mit einer prekären Existenz verbunden. Denn oftmals genügt schon eine ungeplante Ausgabe, um – einem Dominoeffekt gleich – bereits angespannte Finanzen zum Einsturz zu bringen.

„Das Schlimmste, insbesondere für einkommensschwache Mütter und Väter, ist: Wenn etwas schief geht, dann steckst du drin. Wenn also die Waschmaschine kaputtgeht, hast du nicht die Reserven, um sie reparieren zu lassen“, sagt Naomi Eisenstadt, die frühere Direktorin von Sure Start im Vereinigten Königreich.

Sure Start

Die Kinderzentren der Organisation Sure Start erfreuen sich in England großer Beliebtheit. Ihre Zielsetzung lautet, alle Familien unabhängig von ihrem Hintergrund dabei zu unterstützen, Kindern unter vier Jahren zu einem guten Start ins Leben zu verhelfen. Durch eine zentrale Anlaufstelle in nächster Nähe zur Beratung in Bezug auf Erziehung, Beschäftigung, Sozialleistungen und Gesundheit erhalten Familien die richtige Art von Unterstützung. Die betroffenen Eltern nehmen an Gestaltung und Aufbau des Programms in ihrem Umfeld teil, damit dieses den konkreten Bedürfnissen der Bevölkerung vor Ort entspricht. Die Zentren unterscheiden sich in Bezug auf ihre jeweiligen Angebote, die von Erfordernissen und Mitteln abhängig sind.

Das Programm ist dann am leistungsfähigsten, wenn es schwer zu erreichende Familien ins Visier nimmt, denn hier liegt das größte Verbesserungspotenzial.

Naomi Eisenstadt: „Ich bin der festen Überzeugung, dass man sich auf die Kinder aus den 30% der einkommensschwächsten Familien konzentrieren und dort eine Kurskorrektur anstreben muss; so können wir wirklich etwas erreichen.“

Bekämpfung der Stigmatisierung

In den Zentren sind alltägliche Leistungen wie die Geburtsregistrierung oder Hebammendienste angesiedelt, um die Eltern daran zu gewöhnen, sie schon vor Geburt der Kinder aus verschiedenen Gründen aufzusuchen. Dies dient dazu, die Familien davor zu bewahren, sich aufgrund des Besuchs eines der Zentren stigmatisiert zu fühlen, und ihnen zu vermitteln, dass die Zentren für alle da sind. Wenn die Menschen ein Zentrum aufsuchen, wissen andere nicht, aus welchem Grund sie dies tun.

Über Sure Start

Die Kinderzentren der Organisation Sure Start waren ursprünglich nur an den sensibelsten sozialen Brennpunkten Englands angesiedelt und boten offenen Zugang zu allen Angeboten. Aufgrund ihrer Beliebtheit sowie des Bestrebens, sowohl privilegierten als auch benachteiligten Familien zu helfen, weitete die Regierung die Zentren jedoch auf das gesamte Land aus.

Strategie der WHO zur Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

Das Ziel des Dokuments „In Kinder investieren: Strategie der Europäischen Region zur Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (2015–2020)“ lautet: „Bis 2015 sollten alle Mitgliedstaaten für alle Kinder in ihren ersten Lebensjahren einen Zugang zu leistungsfähigen Gesundheits-, Bildungs- und Sozialsystemen hergestellt haben.“

Die Unterstützung der frühkindlichen Entwicklung ist ein zentraler Schwerpunkt der neuen Strategie der WHO, doch wie können die Mitgliedstaaten am besten eine Strategie vom Papier in konkrete Programme umsetzen, die im Alltag funktionieren?

Sure Start ist kein Beispiel für ein Programm mit vorgefertigten Standardlösungen, sondern basiert auf Erfahrung, von der alle Länder profitieren können. Insofern hat es wichtige Impulse für die neue Strategie der WHO gesetzt.

Empfehlungen von Sure Start zur Unterstützung der frühkindlichen Entwicklung

Aufgrund ihrer Erfahrungen mit Sure Start hat Naomi Eisenstadt drei Ratschläge für Länder, die erfolgreiche Programme einrichten wollen:

  • Sammlung von Informationen über den Bedarf der Bevölkerung vor Ort, um sich ein Bild von den wichtigsten Herausforderungen zu machen;
  • Einbindung der Bevölkerung vor Ort, um ihre Bedürfnisse zu verstehen;
  • Sammlung von Informationen über erfolgreiche Initiativen, die den Bedürfnissen der Menschen gerecht werden und für die betroffenen Eltern annehmbar sind.

Sie unterstreicht, wie wichtig es ist, dass die Mitarbeiter der Zentren über ausreichende Fähigkeiten zur Arbeit mit Kindern und Erwachsenen, aber auch zur Zusammenarbeit mit anderen Organisationen verfügen.

Sure Start ist ein Beispiel dafür, wie sich durch wirksamen Mitteleinsatz evidenzbasierte Programme und Aktivitäten zur Förderung der frühkindlichen Entwicklung in Gang setzen lassen, die andere Länder bei der Gestaltung von Konzepten heranziehen können, die allen Kindern einen gesunden Start ins Leben ermöglichen.