Das Leben der Kinder und Jugendlichen sichtbarer machen

WHO

Die dänische Regierung hat den Nationalen Kinderrat eingesetzt und finanziert, um die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen in ihr Leben betreffende Entscheidungen zu fördern. Die Aufgabe des Rates besteht darin, Parlament, Parteien und Behörden in Dänemark bei der Entwicklung wirksamer Konzepte für junge Menschen zu unterstützen.

„Viele Jugendliche verfügen bereits über Lebenserfahrungen, von denen die Gesundheitsberufe erfahren müssen, wenn sie Veränderungen bewirken wollen. Wenn sie nur zuhören würden, anstatt immer nur zu denken: wir sind die Experten. Oft haben diese Kinder großartige Vorschläge, wie wir ihnen helfen können, wieder den richtigen Weg zu finden,” sagt Trine Nyby, Leiterin des Referats Forschung und Analyse beim Stadtrat.

Nach Schätzungen von Experten sind etwa 5 bis 15 Prozent der jungen Menschen in Dänemark in einer anfälligen Situation. Manche haben schon die Schule abgebrochen, andere haben psychische Probleme oder sind in gewalttätigen Elternhäusern aufgewachsen. Der Nationale Kinderrat erleichtert die Zusammenarbeit mit Gruppen gefährdeter junger Menschen und gibt ihre Ideen weiter, wie ihr Leben gesünder und sicherer gestaltet werden kann.

Kinder- und Jugendpodium

Der Kinderrat hat ein Kinder- und Jugendpodium mit 2000 Jugendlichen eingerichtet, die eine repräsentative Stichprobe der Landesbevölkerung darstellen sollen. Sie füllen in der Schule drei Jahre lang jeweils zweimal jährlich einen Fragebogen aus. Dieser Prozess wird von Lehrern begleitet.

Gegenstand der Fragebögen sind aktuelle politische Themen wie die Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen angesichts der Wirtschaftskrise, der Scheidung der Eltern, des schulischen Umfelds und des Lebens allgemein. Die Ergebnisse werden Entscheidungsträgern präsentiert, damit diese politische Maßnahmen beschließen, die sich an den von den jungen Menschen angesprochenen Themen orientieren.

Kleine Veränderungen bewirken etwas

Um Veränderungen herbeizuführen, sind nicht zwangsläufig gänzlich neue Systeme erforderlich. Der Nationale Kinderrat demonstriert, wie einfache Initiativen zu mehr Beteiligung führen können:

  • indem Kinder und Jugendliche zu Mitbestimmern der Verhaltensregeln an ihren Schulen oder Betreuungseinrichtungen gemacht werden; und
  • indem es ihnen ermöglicht wird, uneingeschränkt an Zusammentreffen zwischen Eltern und Mitarbeitern der Sozialdienste teilzunehmen.

Es ist unverzichtbar, eine derartige Situation aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen zu betrachten.

Strategie der WHO zur Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen: Das Leben der Kinder sichtbar machen

Die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen in politische Entscheidungsprozesse ist ein zentrales Thema der neuen Strategie des WHO-Regionalbüros für Europa „In Kinder investieren: Strategie der Europäischen Region zur Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (2015–2020)“.

Die gegenwärtigen Informationssysteme in allen Teilen der Europäischen Region ermöglichen es ihren Nutzern nicht, die Erfahrungen von Kindern ab fünf Jahren bis zum Jugendalter differenziert zu betrachten. Dadurch bleiben den politischen Entscheidungsträgern das wahre Ausmaß der Krankheitslast junger Menschen und die Gefahren und Benachteiligungen, denen sie ausgesetzt sind, verborgen. In vielen Informationssystemen werden junge Menschen gleichsam als Anhängsel von Haushalten behandelt, sodass ihre gesundheitlichen Erfahrungen vor Erreichen des wahlberechtigten Alters sich nur schwer konkretisieren lassen. Kinder, die in Heimen aufwachsen, sind besonders wenig sichtbar und daher anfälliger. So fallen junge Menschen bei der Politikgestaltung und bei der Mittelzuweisung oftmals durch die Ritzen.

Der Nationale Kinderrat in Dänemark ist ein Beispiel dafür, was getan werden kann, um Kindern und Jugendlichen eine Stimme zu geben.

„Es muss verstärkt darauf geachtet werden, wie wir Kinder und Jugendliche sinnvoll einbinden und ihnen zuhören können. Dabei ist es wichtig, dass dieses Interesse von allen Ebenen in den Organisationen kommt, die sich mit jungen Menschen befassen. Es muss eine Priorität sein.

Die Leute müssen nur verstehen, dass es zu besseren Lösungen und Entscheidungen führt, wenn sie denen zuhören, die am meisten von ihnen betroffen sind“, fügt Trine Nyby hinzu.