Das Recht auf eine sichere, gesunde und erfüllte Jugend

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Jeder Jugendliche verdient die Chance auf einen sicheren und gesunden Übergang ins Erwachsenenalter. Das Jugendalter ist eine Phase des Experimentierens, doch bestimmte Verhaltensweisen können die Gesundheit gefährden.

So hat etwa ein Viertel der 15-Jährigen in der Europäischen Region schon Geschlechtsverkehr gehabt, doch in manchen Ländern benutzt ein Drittel weder Kondome noch andere Verhütungsmittel, was eine erhöhte Gefahr unerwünschter Schwangerschaften und sexuell übertragbarer Krankheiten zur Folge hat.

Das Projekt Gesunde Generation in der Republik Moldau

Die Republik Moldau unterstützt aktiv die gesunde Entwicklung im Jugendalter und bemüht sich zu verhindern, dass das Experimentieren der Jugendlichen zu riskant wird. Das Projekt „Gesunde Generation“ zielt darauf ab, durch jugendfreundliche Gesundheitsangebote nützliche Gesundheitsinformationen an die Jugendlichen heranzutragen.

Dem Projekt liegt die Sichtweise zugrunde, dass Gesundheit nicht nur eine Aufgabe für die traditionellen Leistungsanbieter im Gesundheitswesen (Ärzte, Pflegekräfte, Krankenhäuser) ist, sondern auch Beiträge von einer Vielzahl verschiedener sozialpolitischer Akteure (Sozialarbeiter, Lehrer, Familienangehörige, Mitarbeiter jugendfreundlicher Kliniken) erfordert. Durch das Projekt werden u. a. Pflegekräfte, Psychologen, Lehrer und Ausbilder darin geschult, wie auf sensible und offene Weise in Schulen Lebensfertigkeiten vermittelt und gesunde Entscheidungen und Verhaltensweisen gefördert werden können. Ferner soll auch Eltern und den wichtigsten Akteuren im Sozialwesen eine positive Einstellung gegenüber jugendfreundlichen Angeboten nahe gebracht werden.

Investitionen in jugendfreundliche Gesundheitsangebote erforderlich

Die Republik Moldau hat den Bedarf an jugendfreundlichen Gesundheitsangeboten klar bestimmt. Das Land gehört zu den ärmsten in der Europäischen Region und hat hohe Arbeitslosenzahlen. Viele Erwachsene verlassen das Land, um anderswo zu arbeiten und ihren Familien eine bessere Zukunft zu sichern. Heute wächst ein Zehntel der Jugendlichen des Landes unter Umständen auf, bei denen beide Elternteile im Ausland leben und ihnen keine gesundheitlichen Ratschläge erteilen können.

Auch kulturell bedingte Einstellungen spielen eine bedeutende Rolle. Einige religiöse Organisationen vertreten die Auffassung, dass die Förderung des Gebrauchs von Kondomen bei Jugendlichen der Promiskuität Vorschub leistet, und verbreiten Gerüchte, dass Kondome nicht funktionieren.

„Viele religiöse Gruppen propagieren sexuelle Enthaltsamkeit mit Botschaften, dass Kondome oft nicht wirken. Jedenfalls nicht hundertprozentig. Das Ergebnis ist, dass wir zwar nicht viele sexuell abstinente Jugendliche haben, dafür aber viele sexuell aktive Jugendliche, denen vermittelt wird, dass Kondome nicht wirken und sie sie nicht benutzen müssen“, sagt Galina Lesco, Leiterin der nichtstaatlichen Organisation „Gesundheit für die Jugend“ und Leiterin des jugendfreundlichen Gesundheitszentrums NEOVITA.

Doch selbst wenn die Jugendlichen hinreichend aufgeklärt sind und die Risiken kennen, so können sie immer noch gesundheitsschädliche Verhaltensweisen an den Tag legen. Beispiel Kondome: Mädchen müssen selbstbewusst sein, um Jungen zum Kondomgebrauch zu bewegen, wenn diese der Meinung sind, dass das ihr Vergnügen beeinträchtigt. Deshalb besteht eines der zentralen Ziele des Projektes „Gesunde Generation“ darin, Mädchen dazu zu befähigen, auf ihren Rechten zu bestehen und ihre Meinung zu sagen.

Erfahrungen aus dem jugendfreundlichen Gesundheitszentrum NEOVITA

Galina Lesco erklärt, dass die Jugendlichen, mit denen sie in dem Zentrum zu tun hat, alles andere als eine homogene Gruppe bilden. Manche suchen einen wertneutralen Rat, wie der 16- oder 17-jährige Junge, der wissen möchte, wie er sich am besten als homosexuell outen soll, oder Mädchen, die Rat zu Beziehungen suchen. Andere Klienten sind eher tragische und akute Fälle, etwa Mädchen, die Opfer sexueller Gewalt wurden und Hilfe im Hinblick auf einen Schwangerschaftstest oder eine Untersuchung auf sexuell übertragbare Infektionen benötigen.

Durch NEOVITA arbeitet Galina Lesco auf ihr persönliches Ziel hin: „mehr gesunde Jugendliche, die die Chance haben, in einer sicheren und gesunden Umwelt aufzuwachsen.“

In Kinder investieren: Strategie der Europäischen Region zur Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (2015–2020): Begleitung des Übergangs ins Erwachsenenalter

Die Unterstützung von Jugendlichen bei einem glücklichen und gesunden Übergang ins junge Erwachsenenalter ist ein zentraler Schwerpunkt der neuen Strategie der Europäischen Region zur Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Über die Determinanten der Gesundheit von Jugendlichen ist heute deutlich mehr bekannt. Die sozialen Wertvorstellungen und Normen des unmittelbaren familiären und des schulischen Umfelds sowie der Gleichaltrigen können die Jugendlichen entweder gefährden oder ihnen Schutz bieten. Gesundheitskompetenz muss von der Kindheit bis zum Ende des Jugendalters gefördert werden, um die künftigen Bürger der Europäischen Region zu mündigen Entscheidungen zu befähigen. Die Herausforderung für die Politik besteht darin, die Balance zwischen Risiko und Schutz so zu verschieben, dass Wohlbefinden gefördert und potenziell gesundheitsschädliches Verhalten verhindert wird.

Die WHO hat jugendfreundliche Leistungserbringungsmodelle erstellt, die die Länder zur Entwicklung ihrer eigenen Modelle inspirieren sollen, und das Projekt „Gesunde Generation“ verdeutlicht anschaulich, wie sich das abstrakte Konzept jugendfreundlicher Gesundheitsangebote in die Praxis umsetzen lässt.

Gesundheitsrisiken für Kinder und Jugendliche in der Europäischen Region der WHO

  • Verletzungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Tod und Krankheit bei Jugendlichen.
  • Etwa jeder zehnte Jugendliche leidet unter einer Form von psychischer Erkrankung.
  • Nach Schätzungen von Experten haben bei Vollendung des 18. Lebensjahrs 9,6% der Jugendlichen sexuellen Missbrauch und 22,9% körperliche Misshandlung erlebt.
  • 25% der 15-jährigen Jungen und 17% der gleichaltrigen Mädchen in der Europäischen Region trinken nach eigenen Angaben mindestens einmal pro Woche Alkohol.
  • Etwa ein Viertel der 15-Jährigen in der Europäischen Region hat schon Geschlechtsverkehr gehabt, doch in manchen Ländern benutzen mehr als 30% keinerlei Verhütungsmittel, was eine erhöhte Gefahr unerwünschter Schwangerschaften und sexuell übertragbarer Infektionen zur Folge hat.

Diese Statistiken verdeutlichen, dass das Jugendalter nicht immer eine gesunde und glückliche Zeit ist. Deshalb sind jugendfreundliche Angebote, die an den gesundheitlichen und entwicklungsmäßigen Bedürfnissen der Jugendlichen ansetzen, eine Voraussetzung dafür, dass diese einen sicheren und gesunden Eintritt ins Erwachsenenalter vollziehen können.