Staatliche Initiativen tragen zur Senkung der vermeidbaren Kindersterblichkeit bei

WHO

Mehr als die Hälfte aller Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren werden durch Krankheiten verursacht, die vermeidbar und durch einfache und bezahlbare evidenzbasierte Interventionen behandelbar sind. Zu den Schutzmaßnahmen mit nachweislicher Wirkung gehören Beratungsangebote in Bezug auf die vorgeburtliche Versorgung, die Aufklärung Schwangerer über die Gefahren von Rauchen und Alkoholkonsum und die Impfung von Müttern gegen Tetanus. Doch es gibt keinen gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitseinrichtungen und Gesundheitsinformationen. Vermeidbare und behandelbare Infektionskrankheiten wie Lungenentzündung und Durchfall sind nach wie vor die führenden Todesursachen bei Kindern.

Kirgisistan hat viel dafür getan, die Qualität der vor- und nachgeburtlichen Versorgung zu verbessern – mit beträchtlichem Erfolg. So sank die Kindersterblichkeit in dem Land zwischen 2000 und 2012 von 50 auf 22 Fälle je 1000 Lebendgeburten. Zu diesem Fortschritt haben eine Reihe von Initiativen beigetragen. Zur Umsetzung der Strategie der WHO für ein integriertes Management von Kinderkrankheiten wurden nationale Programme zur Prävention von Mikronährstoffmangel und Anämie bei Schwangeren und Kindern sowie Verbesserungen bei der Bewältigung weit verbreiteter Kinderkrankheiten wie Lungenentzündung und Durchfall eingeführt. Kirgisistan ist außerdem eines der ersten Länder im östlichen Teil der Europäischen Region der WHO, die ein Gesetz zum Schutz, zur Förderung und zur Unterstützung von Stillen ratifiziert und Programme zur Verbesserung der Elternkompetenz eingeführt haben.

Die Herausforderung: Gefährdete Gruppen erreichen

Doch wie in zahlreichen Ländern erreichen diese Interventionen nicht all jene, die am meisten auf sie angewiesen sind: Einkommensschwache und Familien ohne soziale Absicherung in entlegenen Gebieten.

Die Geschichte einer 22-jährigen Mutter aus einer benachteiligten Familie ist ein tragisches Beispiel für die Vielzahl von Herausforderungen, vor denen Bürger und Gesundheitssysteme noch stehen. Die junge Frau wurde in der 32. Schwangerschaftswoche mit schwerer Eklampsie ins Krankenhaus eingeliefert. Die frühen Anzeichen von Toxizität und Anämie waren bei den vorgeburtlichen Terminen nicht erkannt worden. Das Team im Krankenhaus führte einen Kaiserschnitt durch, um das Leben von Mutter und Kind zu retten. Als die Mutter in ihr Dorf zurückgekehrt war, stillte sie frühzeitig ab und gab ihrem Baby sechs- bis siebenmal am Tag mit Wasser verdünnte Kuhmilch zu trinken.

Darauf wurde das ohnehin schon geschwächte Kind noch schwächer, verlor noch mehr Gewicht und bekam eine Lungenentzündung. Aufgrund fehlender Mittel und mangelnder familiärer Unterstützung wurde der Junge nicht zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Als er schließlich doch eingeliefert wurde, war es schon zu spät, und das Personal konnte sein Leben nicht mehr retten. Er starb im Alter von drei Monaten an einer akuten Atemwegsinfektion (Lungenentzündung). Lungenentzündung ist normalerweise behandelbar, doch die Gesundheit des Kindes war durch eine Vielzahl von Einflussfaktoren wie schwere Mangelernährung, Frühgeburt und Wachstumsverzögerung beeinträchtigt.

Dieser traurige Fall ist nur einer von Tausenden von Todesfällen bei Kleinkindern, die Opfer ihrer sozialen oder finanziellen Umstände und mangelnder familiärer Unterstützung sowie einer unzureichenden medizinischen Versorgung und Beratung werden.

Schutz der Gesundheit von Kleinkindern: Die Strategie der Europäischen Region zur Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

Eine tatkräftige Unterstützung durch Familie und gesellschaftliches Umfeld, eine soziale Absicherung, ein hinreichendes Maß an Gesundheitswissen bei den Eltern und eine gute Partnerschaft zwischen Eltern und gut geschulten Gesundheitsfachkräften sind allesamt wirksame Schutzfaktoren.

Die Strategie der Europäischen Region zur Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zielt im Kern auf Maßnahmen ab, die eine Stärkung bürgernaher Gesundheitssysteme bewirken, um letztendlich einen allgemeinen Zugang zu einer hochwertigen Gesundheitsversorgung für Mutter und Kind zu verwirklichen, namentlich für vulnerable Bevölkerungsgruppen. Zu den geeigneten Maßnahmen zur Verringerung vermeidbarer Todesfälle unter solchen Kindern gehören:

  • Beratungsangebote in Bezug auf die vorgeburtliche Versorgung;
  • frühzeitiges Stillen, einschließlich Förderung einer ausschließlichen Ernährung mit Muttermilch während der ersten sechs Lebensmonate;
  • Einführung neuer Impfstoffe, um die bewährten vorhandenen Interventionen für die Prävention von Lungenentzündung und Durchfallerkrankungen zu verstärken und auszuweiten.