Eine Grundlage für Konzepte zugunsten der Gesundheit junger Menschen

Die WHO-Studie über das Gesundheitsverhalten von Kindern im schulpflichtigen Alter (HBSC-Studie) beeinflusst seit mehr als 30 Jahren die Politik und die Gesetzgebung in der gesamten Europäischen Region der WHO. Soeben wurde die auf einer Befragung von mehr als 200 000 jungen Menschen in 42 Ländern basierende jüngste Aktualisierung der Studie veröffentlicht. 

Die Regierungen haben die Ergebnisse in vielfältiger Weise genutzt, um politische und gesetzgeberische Maßnahmen zu entwickeln, die sich positiv auf die Gesundheit von Jugendlichen und jungen Menschen ausgewirkt haben. 

Beispiele für erfolgreiche politische Konzepte aus den Mitgliedstaaten

Armenien: Lehrplan für einen gesunden Lebensstil

In Armenien wurden in der ersten landesweiten HBSC-Befragung im Jahr 2005 insbesondere folgende Themen als problematisch herausgestellt: Prügeleien (51% der 15-jährigen Jungen gaben an, in eine körperliche Auseinandersetzung verwickelt gewesen zu sein); Kommunikation mit dem Vater (48% der Mädchen empfanden es als schwierig, mit ihrem Vater zu sprechen); und sexuelle und reproduktive Gesundheit (etwa die Hälfte der Auskunftgebenden verfügten über unzureichendes Wissen über HIV-Infektionen). Daraufhin begann das Bildungsministerium 2008 mit der Durchführung eines Programms, das auf einem Lehrplan für einen gesunden Lebensstil basierte und das im Sinne einer Verbesserung von Wissen, Verhalten und Fähigkeiten junger Menschen weiterentwickelt wurde.

Deutschland: Steuer auf „Alkopops"

Die HBSC-Studie 2003 deckte auf, dass in Deutschland der regelmäßige Alkoholkonsum junger Menschen beträchtlich gestiegen war, insbesondere bei 15-Jährigen. Der Ausschlag nach oben spiegelte die wachsende Beliebtheit von „Alkopops" in dieser Altersgruppe seit ihrer Einführung Mitte der 1990er Jahre wider. Als Reaktion drängte das Bundesgesundheitsministerium auf die Einführung einer nationalen Steuer auf Alkopops, die im Juli 2004 in Kraft trat und einen drastischen Preisanstieg bei Alkopops bewirkte. Gleichzeitig wurde für die Verpackung eine Kennzeichnungspflicht eingeführt, die ihren Verkauf an Jugendliche eindeutig als verboten identifiziert. Die Steuereinnahmen wurden zur Finanzierung von Präventionsprogrammen verwendet. 2006 wurde in der HBSC-Studie über einen drastischen Rückgang des Alkoholkonsums bei jungen Menschen berichtet – ein Trend, der sich als dauerhaft erwies.

Lettland: Verbot von Softdrinks, Süßigkeiten und salzigen Knabberprodukten in Schulen

Ausgehend von Daten aus der HBSC-Befragung und anderer internationaler Untersuchungen zum Anstieg des Konsums von Softdrinks bei jungen Menschen führte das lettische Parlament 2004 eine Abgabe auf gesüßte Getränke ein. Mit dem Verbot von Softdrinks, Süßigkeiten und salzigen Knabberprodukten an Schulen im Jahr 2006 wurden die staatlichen Bemühungen um Verbesserung des Ernährungsverhaltens junger Menschen weiter intensiviert. Durch die Beschränkung der Verfügbarkeit von energiereichen Produkten mit niedrigem Nährstoffgehalt in Schulkantinen und durch Verkaufsautomaten erreichte die Regierung einen drastischen Rückgang des Softdrinkkonsums von Schülern. Nach ihrem Erfolg bei Softdrinks hat die lettische Regierung jetzt Energiegetränke ins Visier genommen. Ein vom Parlament in erster Lesung gebilligter Gesetzesentwurf soll den Verkauf an Kinder beschränken und die auf Personen unter 18 abzielende Werbung und Vermarktung verbieten.

Schottland: Strategie in Bezug auf Schwangerschaft und Elternschaft bei Jugendlichen

In Schottland hat sich in den letzten zehn Jahren das sexuelle Einstiegsalter erhöht, liegt jedoch nach wie vor niedriger als in anderen Teilen der Europäischen Region. Die geplante Strategie mit dem Ziel, die Zahl jugendlicher Mütter und Väter zu reduzieren – die erste mit diesem Schwerpunkt in Schottland –, soll zu mehr Wahlmöglichkeiten und Chancen führen, um das Wohlbefinden und den Wohlstand junger Menschen über den gesamten Lebensverlauf zu fördern. Das Team der HBSC-Studie in Schottland war ein zentraler Partner der Regierung bei der Ermittlung relevanter Daten und Trends als Grundlage für die Entwicklung der Strategie.

Schweden: Die psychische Gesundheit junger Menschen verstehen und verbessern

Wie aus der HBSC-Studie hervorging, hat sich die Prävalenz multipler Gesundheitsbeschwerden wie Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit, Schlafschwierigkeiten und Gereiztsein bei jungen Menschen in Schweden zwischen 1986 und 2014 verdoppelt. Forscher, politische Entscheidungsträger und Bürgerinitiativen bemühen sich nun darum, die Gründe für diesen Anstieg psychosomatischer Symptome zu verstehen und ihnen entgegenzuwirken. Konkret wurden folgende Maßnahmen durchgeführt: eine Studie über psychische Gesundheit an Schulen in Schweden im Jahr 2009, in der Daten von mehr als 170 000 Jugendlichen im Alter von 12 und 15 Jahren erhoben wurden; staatliche Investitionen in Schulen und Gesundheitssysteme zur Verbesserung der Angebote für Kinder und Jugendliche mit psychischen Gesundheitsproblemen; und die Bereitstellung öffentlicher Mittel im Umfang von 30 Mio. € für Forschungsvorhaben zu vielversprechenden Interventionen und zur Ermittlung von Gruppen junger Menschen mit besonderer Anfälligkeit für psychische Gesundheitsprobleme.

Der Bericht zur HBSC-Studie 2016

Der Bericht der WHO, der den Titel Ungleich aufgewachsen: geschlechtsbedingte und sozioökonomische Unterschiede in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden junger Menschen trägt, deckt 42 Länder in der Europäischen Region der WHO und Nordamerika ab. Die Ergebnisse werden von 340 Forschern in den Ländern analysiert, die vom Internationalen Koordinationszentrum an der Universität von St. Andrews in Schottland und dem Datenverwaltungszentrum an der Universität Bergen in Norwegen unterstützt und koordiniert werden. 

Die länderübergreifende Erhebung deckt verschiedene Aspekte des gesundheitsbezogenen und des sozialen Verhaltens von Jugendlichen ab, einschließlich Selbsteinschätzungen in Bezug auf psychische Gesundheit, Adipositas und die eigene körperliche Erscheinung; Ernährungsgewohnheiten, das eigene Bewegungsverhalten, die Unterstützung durch Familienangehörige und Gleichaltrige, den Tabak-, Alkohol- und Cannabiskonsum sowie den Themenkomplex Mobbing (siehe beiliegende Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der länderübergreifenden Erhebung).

Der jüngste HBSC-Bericht, der Daten aus den Erhebungen von 2013 und 2014 präsentiert, konzentriert sich insbesondere auf die Auswirkungen geschlechtsbedingter und sozioökonomischer Unterschiede auf das Wachstum und die Entwicklung junger Menschen.