Niedergeschlagenheit in der Jugend

WHO /Sergey Volkov

Rund die Hälfte aller psychischen Probleme im Erwachsenenleben hatten ihren Ursprung in der Jugend oder schon davor. Eine Stärkung der Widerstandskraft junger Menschen gegen psychische Erkrankungen ist schon deswegen wichtig, weil eine labile psychische Gesundheit in der Jugend oft einhergeht mit Arbeitslosigkeit, Verbrechen, Rauchen, Drogenmissbrauch, Adipositas und späteren psychischen Erkrankungen. Unterstützung und rechtzeitiges Eingreifen zur Förderung des Wohlbefindens sind der Schlüssel zum Aufbau dieser Widerstandskraft.

Laut aktuellem Bericht zur Studie über das Gesundheitsverhalten von Kindern im schulpflichtigen Alter (HBSC) mit Daten aus Befragungen europäischer Jugendlicher im Schuljahr 2013/14 steigt der Anteil derjenigen, die mehr als einmal pro Woche niedergeschlagen sind von 13% im Alter von elf Jahren auf 21% im Alter von 15 Jahren. Die Spanne ist unter Mädchen größer als unter Jungen und während 29% der Mädchen im Alter von 15 Jahren angeben, mehr als einmal pro Woche niedergeschlagen zu sein, sind es nur 13% der gleichaltrigen Jungen.*

Niedergeschlagenheit kann Vorbote einer Depression sein

Niedergeschlagenheit tritt in der Jugendzeit in verschiedenen Formen auf und kann schwer zu erkennen sein. Sie kann sich negativ auf einen normalen Tagesablauf auswirken und geht einher mit Traurigkeit, Angst, Sorge, Müdigkeit, geringem Selbstbewusstsein, Frustration und Wut. Stress ist einer der verbreitetsten Ursachen für Niedergeschlagenheit. Andere Auslöser können Unwohlsein, Beziehungsprobleme, Gruppendruck, Schulstress, Schlafstörungen, Hänseleien, Trauerfälle oder Hormonwechsel sein.

Hin und wieder niedergeschlagen zu sein, kann bei Jugendlichen ganz normal sein. Allerdings können regelmäßige und länger andauernde Phasen in eine Depression münden und sich langfristig negativ auf Gesundheit, Wohlbefinden und Entwicklung auswirken.

Ein guter seelischer und körperlicher Gesundheitszustand ermöglicht es jungen Menschen, die Herausforderungen des Jugendalters zu bewältigen, und erleichtert den Übergang ins Erwachsenenalter. Psychisches Wohlbefinden in der Kindheit ist mit sozialer Kompetenz und ausgeprägten Bewältigungsstrategien assoziiert, die zu insgesamt positiveren Resultaten im Erwachsenenalter führen. Die Thematisierung der Niedergeschlagenheit und die Vermittlung von Bewältigungsstrategien zur Stärkung der Widerstandskraft sind entscheidend für den Schutz und die Förderung der psychischen Gesundheit.

Welttag der psychischen Gesundheit mit Fokus auf Depressionen

Depressionen stellen für die Europäische Region der WHO eine große gesundheitliche Herausforderung dar und sind daher 2017 im Fokus des Weltgesundheitstages. Die Thematisierung von Depressionen soll etwa aufzeigen, dass obwohl Depressionen heilbar sind, immer noch ca. 50% der schwereren Fälle gar nicht behandelt werden. Die hohen persönlichen, sozialen und ökonomischen Kosten und der (trotz kostengünstiger wirksamer Therapieoptionen) große Anteil unbehandelter Menschen machen eine Bewältigung dieser Herausforderung so dringend erforderlich.

* Für die Studie wurden die Jugendlichen zu folgenden Symptomen während der vorangegangenen sechs Monate befragt: Kopfweh, Bauchschmerzen, Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit oder schlechte Laune, Nervosität, Probleme mit dem Einschlafen, Schwindelgefühl. Die Skala der möglichen Antwort erstreckte sich von „fast täglich“ bis zu „selten oder nie“. Die hier gezeigten Befunde beziehen sich auf die Teilmenge, die angab mehr als einmal pro Woche niedergeschlagen zu sein.