In der Europäischen Region haben Impfungen die Zahl der Hepatits-B-Infektionen unter Kindern drastisch gesenkt, doch muss für eine Eliminierung noch mehr getan werden

WHO/ A Mozalevskis

All countries should seek to achieve universal childhood vaccination against hepatitis B.

Die Einführung von Impfungen gegen Hepatitis B 1982 hat weltweit zu einem drastischen Rückgang dieser Virusinfektion geführt. Heute werden jedes Jahr 4,5 Millionen Kinder vor der Infektion geschützt, geht aus dem jetzt veröffentlichten ersten Globalen Hepatitis-Bericht der WHO hervor.

Die Europäische Region hat zu dem weltweiten Rückgang beigetragen und weist jetzt eine Prävalenz der Hepatitis-B-Infektionen unter Kindern im Alter von bis zu fünf Jahren von 0,4% auf, womit diese Zielvorgabe aus dem ersten Aktionsplan für Maßnahmen des Gesundheitswesens gegen Virushepatitis in der Europäischen Region der WHO erfüllt ist. Die Mehrzahl der 15 Millionen mit der Krankheit lebenden Erwachsenen wurden geboren, bevor der Impfstoff in den 1990er Jahren allgemein verfügbar wurde.

Sowohl im Europäischen Impfaktionsplan von 2014 als auch im Aktionsplan für Maßnahmen des Gesundheitswesens gegen Virushepatitis von 2016 wird die Bekämpfung der Hepatitis B durch Impfung gefordert. Doch während die Zielvorgabe einer Prävalenz von unter 0,5% erfüllt wurde, blieben andere Ambitionen bislang unerfüllt.

Erstes Lebensjahr entscheidend für Prävention

Die WHO empfiehlt die Impfung gegen Hepatitis B mit einer ersten Dosis des Impfstoffs binnen 24 Stunden nach der Geburt. Dies ist eine der wirksamsten Präventionsmaßnahmen gegen eine frühe Infektion. Allerdings impfen manche Länder mit niedrigen Infektionsraten nur Kinder von Frauen mit einer chronischen Infektion.

Wo generell alle Neugeborenen geimpft werden sollen, ist eine Impfrate von mindestens 90% rechtzeitig nach der Geburt anzustreben. Wo nur Kinder von Frauen mit chronischer Infektion geimpft werden, sollten alle Schwangeren auf eine Infektion untersucht werden, auch nicht registrierte Migrantinnen und Frauen aus marginalisierten Bevölkerungsgruppen.

WHO empfiehlt drei Dosen des Impfstoffs an jedes Kind zu verabreichen

Nach der Impfung bei Geburt sollten zwei weitere Impfungen an jedes Kind verabreicht werden. Eine weitere Zielvorgabe des Aktionsplans besagt, dass eine Impfrate von 95% mit drei Dosen des Hepatitis-B-Impfstoffs erreicht werden soll.

Wenn alle Kinder dreimal wie oben beschrieben geimpft werden:

  • sind diese Menschen auch im späteren Leben geschützt, denn mit Hepatitis B infizierte Kinder würden sehr wahrscheinlich im späteren Leben Komplikationen durchmachen;
  • würde der Effekt der Herdenimmunität auch präventiv für andere Altersgruppen wirken.

Im April 2017 impften 47 der 53 Mitgliedstaaten in der Europäischen Region alle Kinder gegen Hepatitis B, wobei 26 Länder alle Neugeborenen impfen und 21 zwei Monate später beginnen. Das Vereinigte Königreich plant die Impfung aller Neugeborenen gegen Hepatitis B ab August 2017 einzuführen.

Alle Länder sollten eine allgemeine Impfung aller Kinder gegen Hepatitis B anstreben. Dazu sollten Ergänzungsimpfungen für ältere Altersgruppen und Erwachsene durchgeführt werden, die einem hohen Infektionsrisiko unterliegen wie etwa Gesundheitspersonal, Konsumenten von Injektionsdrogen, Männer mit gleichgeschlechtlichen Sexualpraktiken und je nach örtlichen Gegebenheiten weitere Personenkreise.

Hepatitis-B-Virus

Das Hepatitis-B-Virus greift die Leber an und kann zu einer vorübergehenden akuten oder bleibenden chronischen Erkrankung führen. Es wird über den Kontakt mit Blut oder Körperflüssigkeiten der infizierten Person übertragen.

Über 90% der infizierten gesunden Erwachsenen genesen auf natürliche Weise im ersten Jahr nach der Infektion. Dies ist bei Kindern unter fünf Jahren in der Regel nicht der Fall, insbesondere nicht bei einer Infektion im ersten Lebensjahr. Diese Kinder entwickeln häufiger eine chronische Infektion, die oft zu schweren Komplikationen wie Leberzirrhose und -krebs führt.

Europäische Impfwoche 2017

Vom 24. bis 30. April 2017 begeht die Europäische Region der WHO wie jedes Jahr die Europäische Impfwoche, um auf die Bedeutung von Impfungen für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen aufmerksam zu machen. In diesem Jahr wollen sich die Akteure der Kampagne in den beteiligten Ländern unter dem Motto #VaccinesWork auf den Sinn und Zweck von Impfungen in jeder Lebensphase konzentrieren.