Weltstillwoche: Stillen aus der Sicht einer Mutter

WHO/Marina Bykova

Daria (26 Jahre) ist Mutter von drei Kindern, wurde in Moskau geboren und ist dort aufgewachsen. Als sie ihren Ehemann Viktor kennenlernte, stellten sie schnell fest, dass sie beide eine große Familie wollten. Glücklicherweise hatten sie ähnliche Vorstellungen von Elternschaft und Kindererziehung und waren beide entsprechend den internationalen gesundheitlichen Empfehlungen von den Vorteilen des Stillens überzeugt.

Ihre Kinder sind mittlerweile 4 Jahre, 2,5 Jahre und 2 Monate alt. Daria hat also in den letzten vier Jahren beinahe ununterbrochen gestillt. Ihren ältesten Sohn hat sie 1 Jahr und 3 Monate lang gestillt, ihre mittlere Tochter 2 Jahre und 3 Monate lang und ihre jüngste Tochter wurde seit ihrer Geburt vor zwei Monaten ausschließlich gestillt. Viktor hat in sämtlichen Aspekten der Elternschaft die Rolle als Darias Partner übernommen, auch in Bezug auf das Stillen. Dies hat es beiden erheblich erleichtert, sich daran zu gewöhnen. So kümmert er sich beispielsweise in der ersten Hälfte des Tages um die Kinder, damit Daria genug Schlaf und Ruhe und etwas Zeit für sich selbst bekommt, nachdem sie die Nacht über gestillt hat.

Der beste Start ins Leben für jeden Säugling

Stillen ist ein wichtiger Bestandteil einer gesunden kindlichen Entwicklung und der beste Start ins Leben für jeden Säugling. Während der Weltstillwoche, die jedes Jahr zwischen dem 1. und 7. August begangen wird, würdigt die WHO die Vorteile des Stillens und schärft das Bewusstsein für diesen wichtigen Bestandteil eines jeden Lebens.

Die WHO empfiehlt:

  • frühzeitig, innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt mit dem Stillen zu beginnen;
  • während der ersten sechs Lebensmonate ausschließlich zu stillen; und
  • nach 6 Monaten nahrhafte und gesundheitlich unbedenkliche (feste) Nahrung zuzufüttern und bis zu einem Alter von 2 Jahren oder darüber hinaus weiter zu stillen.

Zu den langfristigen gesundheitlichen Vorteilen für stillende Mütter zählt ein verringertes Risiko in Bezug auf Brust- und Eierstockkrebs sowie Adipositas. Säuglinge, die gestillt werden, weisen wiederum ein geringeres Risiko in Bezug auf Durchfall- und Atemwegserkrankungen, einen höheren IQ und ein verringertes Risiko in Bezug auf Allergien auf und sind besser vor Adipositas und hinsichtlich der Inzidenz von nichtübertragbaren Krankheiten (insbesondere Adipositas im Kindesalter, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus) im späteren Verlauf ihres Lebens geschützt.

Im Zeitraum 2006–2012 wurden nur geschätzte 25% der Säuglinge in der Europäischen Region der WHO während der ersten sechs Lebensmonate ausschließlich gestillt, während es in der Region Südostasien 43% waren. Auch wenn die Zahlen innerhalb der Europäischen Region sehr uneinheitlich sind, so liegt die durchschnittliche Rate für ausschließliches Stillen doch weit unter dem weltweit empfohlenen Wert. Obwohl es in manchen Ländern durchaus üblich ist, frühzeitig mit dem Stillen zu beginnen, sinken die Raten für ausschließliches Stillen zwischen dem vierten und sechsten Lebensmonat rapide und sind danach äußerst niedrig.

Wenn man sie nach den Vorteilen des Stillens fragt, nennt Daria begeistert eine ganze Reihe – sowohl für die Mutter als auch für das Kind:

  • ein verringertes Risiko für das Kind, im späteren Verlauf seines Lebens Allergien, Adipositas und andere nichtübertragbare Krankheiten zu entwickeln;
  • psychische Vorteile für das Kind, wie eine Verringerung von Angstzuständen, und eine bessere Qualität der Beziehung zwischen Mutter und Säugling, die ihrer Erfahrung nach durch das Stillen vertieft wird;
  • sowie die Zweckmäßigkeit und der wirtschaftliche Vorteil des Stillens.

Daria hatte in der Vergangenheit immer wieder von dem Irrglauben gehört, dass Kinder, die zu lange gestillt werden, später hilfsbedürftig und unselbständig sind. Sie hat jedoch gegenteilige Erfahrungen gemacht – das Stillen hat ihren Kindern ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit vermittelt und ihre beiden älteren Kinder sind neugierig, unerschrocken und unabhängig.

Förderung des Stillens ist von entscheidender Bedeutung, aber nicht immer gegeben

Daria ist zwar von den Vorteilen des Stillens überzeugt, doch sie betont auch, wie wichtig es sei, dass Ärzte und Pflegekräfte sich für stillende Mütter engagieren und diese unterstützen. Sie erkennt an, dass Gesundheitsfachkräfte junge Mütter über die Vorteile des Stillens informieren und sie darüber aufklären, dass mit dem Stillen bereits kurz nach der Geburt begonnen werden sollte. Doch ihrer Ansicht nach besteht auch hier noch Verbesserungsbedarf. Zudem hat sie selbst die Erfahrung gemacht, dass sie auf Fragen zum Stillen eher verwirrende statt evidenzbasierte Antworten erhalten hat.

Daria hatte das Glück, eine solidarische Gemeinschaft anderer Eltern um sich zu haben. Darüber hinaus traf sie zahlreiche Ärzte und Pflegekräfte, die ihre Entscheidung für das Stillen unterstützten und ihr und ihrer Familie bei der Erstellung eines gesunden Stillplans für alle drei Kinder behilflich waren.

In Bezug auf das Stillen in der Öffentlichkeit sagt sie, dass sie bisher nur sehr wenige Situationen erlebt hat, in denen Menschen ihr mit Unverständnis begegnet sind: nur zweimal in den letzten vier Jahre wurde sie explizit gebeten, das Stillen in der Öffentlichkeit zu unterlassen. Sie wünscht sich, dass die Menschen das Stillen als das akzeptieren, was es ist: ein natürlicher und entscheidender Bestandteil der gesunden Entwicklung eines Säuglings, der Vorteile für die ganze Familie hat.