Länderübergreifende Konferenz hebt Bedeutung des Stillens hervor

WHO/Olga Kireeva

Die Europäische Region der WHO weist von allen Regionen der Welt die niedrigsten Stillraten auf. Wenn Säuglinge in den entscheidenden ersten Lebensmonaten nicht die bestmögliche Ernährung erhalten, kann dies langfristige Folgen haben.

Um für die Thematik zu sensibilisieren und eine Trendwende herbeizuführen, veranstaltete das WHO-Regionalbüro für Europa am 7. und 8. November in Moskau eine Konferenz, an der Vertreter von 18 Ländern aus der Europäischen Region teilnahmen. Unter den Teilnehmern waren Fachkräfte, Forscher, zivilgesellschaftliche Akteure und Vertreter nichtstaatlicher Organisationen, die sich aktiv für das Stillen einsetzen, sowie regionale und nationale politische Entscheidungsträger und Experten der WHO.

Im Rahmen der Konferenz wurde eine Reihe zentraler Punkte hervorgehoben:

  • Ausschließliches Stillen bietet einem Kind bis zum Alter von sechs Monaten die bestmögliche Ernährung.
  • Mit dem Stillen sollte innerhalb von einer Stunde nach der Geburt begonnen werden und es kann bis zum Alter von 2 Jahren oder sogar darüber hinaus fortgesetzt werden.
  • Stillen hat Vorteile für Mutter und Kind gleichermaßen:
    • ­ Es trägt zur geistigen Entwicklung und zum psychischen Wohlbefinden des Säuglings bei.
    • ­ Es schützt die Mutter vor Brustkrebs und anderen nichtübertragbaren Krankheiten.
    • ­ Es verhindert beim Säugling die Entstehung nichtübertragbarer Krankheiten (wie Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten) im späteren Verlauf seines Lebens.

Darüber hinaus wurden auf der Konferenz verschiedene zentrale Themen zur Sprache gebracht, die angegangen werden müssen, um das Stillen in der Europäischen Region besser zu fördern und zu unterstützen.

Politische Maßnahmen zur Förderung des Stillens sollten auf staatlicher Ebene beginnen

Dr. Julianne Williams ist Fachreferentin beim Europäischen Büro der WHO für die Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten in Moskau und war eine der Hauptverantwortlichen für die Konferenz. Ihre Tätigkeit bei der WHO nahm sie kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes auf und sie hat in ihrem Arbeitsumfeld viel Unterstützung erfahren: so kann sie etwa ihren Sohn im Büro mit der erforderlichen Privatsphäre und nach einem für sie vorteilhaften Zeitplan stillen. Ihrer Ansicht nach stellen viele Frauen das Stillen jedoch ein, wenn sie am Arbeitsplatz auf Hindernisse stoßen.

„Im Rahmen dieser Konferenz haben wir über ein wichtiges Konzept gesprochen: Die Förderung des Stillens beginnt auf staatlicher Ebene“, sagt Dr. Williams. „Letztlich sind es die Regierungen, die in der Lage sind, eine inklusive rechtliche Grundlage zu schaffen, um zu gewährleisten, dass jede Frau für sich selbst und ihr Kind eine gesundheitsförderliche Entscheidung treffen kann.“

Die Vorstellung, dass Regierungen bei der Förderung des Stillens eine Führungsrolle übernommen sollten, wird auch durch Daten gestützt: Grundsatzinterventionen zur Verbesserung der Stillpraktiken haben sich als kostenwirksame Ansätze erwiesen – die von den Regierungen investierten Mittel liefern Erträge in Form beträchtlicher Vorteile für die öffentliche Gesundheit. Wie aus den auf der Konferenz vorgebrachten Beispielen ersichtlich wird, gibt es eine ganze Reihe konzeptioneller Maßnahmen, die sich auf die speziellen Bedürfnisse von Ländern oder Subregionen anpassen lassen.

Erforderlichkeit eines gesamtgesellschaftlichen Ansatzes zur Förderung des Stillens

Doch auf staatlicher Ebene allein können Fortschritte bei der Steigerung der Stillraten nicht gewährleistet werden. Dafür ist auch die Einbindung vieler verschiedener Bereiche erforderlich, etwa der Gesundheitssysteme, der Zivilgesellschaft und der Privatwirtschaft. Um eine Steigerung der Stillraten sicherzustellen, müssen unterstützende Umfelder geschaffen werden: hierzu gehört es auch, Frauen über die gesundheitlichen Vorteile des Stillens aufzuklären, ihnen Beratung und Unterstützung zu Beginn des Stillens zu bieten und zu gewährleisten, dass sie auch am Arbeitsplatz – und überall sonst – stillen können. Weltweite vergleichende Analysen lassen erkennen, dass ein größerer prozentualer Anteil von Frauen das ausschließliche Stillen in Ländern betreibt, in denen Stillzeiten am Arbeitsplatz gesetzlich garantiert sind.

Zudem macht die Politik der WHO deutlich, wie wichtig es wäre, die Verwendung und Vermarktung von Säuglingsnahrung zu beschränken. Forschungsergebnisse zeigen, dass eine Beschränkung der Vermarktung von Säuglingsnahrung zu steigenden Stillraten beitragen kann. Hierzu erklärte Elena Baibarina, Leiterin der Abteilung für die Gesundheitsversorgung von Kindern und Geburtshilfe beim Gesundheitsministerium der Russischen Föderation: „In den russischen Medien wird heutzutage weniger Werbung für Säuglingsnahrung geschaltet als früher. Auch in sämtlichen Geburtskliniken würden wir gern auf solche Werbung verzichten. Dieser Art von Werbung sollten wir auf leicht zugängliche Art und Weise gesicherte Informationen über die Vorteile des Stillens entgegensetzen. Die Informationen sollten jede Frau ansprechen.“