Stärkere Sensibilisierung für Toxoplasmose erforderlich

WHO

Bei einem routinemäßigen Arztbesuch während ihrer Schwangerschaft sah Dorte Remmer, dass Frauen für die Teilnahme an einer wissenschaftlichen Studie gesucht wurden. Die Mütter wurden gebeten, ihre Neugeborenen im Rahmen der Studie auf Toxoplasmose untersuchen zu lassen. Als Medizinerin wollte sie einen Beitrag zu ihrer Disziplin leisten, doch war es für sie ein schwerer Schlag, als bei ihrem einen Tag alten Baby Toxoplasma gondii festgestellt wurde.

In der gesamten Europäischen Region der WHO werden die Risikofaktoren für eine Infektion mit Toxoplasma gondii, insbesondere bei schwangeren Frauen, und die Folgen für infizierte Neugeborene oder immungeschwächte Erwachsene meist verkannt.

Was ist Toxoplasmose?

Von der durch den protozooischen ParasitenToxoplasma gondii verursachten Toxoplasmose sind nach Schätzungen jährlich mehr als 2 Mio. Menschen in der Europäischen Region betroffen.

Eine Infektion mit Toxoplasma kann transplazentar (von der Mutter auf das Kind), durch Kontakt mit kontaminiertem Erdreich oder Wasser, die Aufnahme von verunreinigten Lebensmitteln oder in sehr seltenen Fällen durch Blut- oder Organspenden erworben werden. Es wird angenommen, dass die Hälfte der Fälle durch den Verzehr von belasteten Lebensmitteln, etwa nicht ausreichend gegartes Fleisch oder rohes Obst oder Gemüse, bedingt ist. Eine Übertragung kann auch durch den Kontakt mit Katzenkot in der Umgebung erfolgen; allerdings scheiden Katzen Oozysten nur einige Lebenswochen lang aus, in der Regel als Jungtiere. Katzen können im Lebenszyklus des Parasiten eine wichtige Rolle spielen, sind jedoch nicht der Hauptüberträger der Infektion.

Schätzungsweise 95% der Menschen mit einem gesunden Immunsystem entwickeln bei einer Infektion mit Toxoplasma keine klinischen Anzeichen oder verspüren eventuell leichte grippeähnliche Symptome, die rasch abklingen.

Daher kennen viele Menschen den Zeitpunkt ihrer Infektion nicht. Bei immungeschwächten Patienten kann sich Toxoplasmose durch ernsthaftere Symptome an Augen, Gehirn und anderen Organen, etwa einer Augenentzündung äußern, die zum Verlust des Sehvermögens führen kann.

Franziska, die für diesen Bericht befragt wurde, erfuhr von ihrer Toxoplasmose, nachdem sie bereits einige Wochen schwanger war. Sie erinnert sich zwar an eine leichte Erkältung, weiß jedoch nicht genau, wie sie diese Infektion erwarb, die umfangreiche medizinische Tests und eine monatelange Behandlung erforderte.

Je nach Land variiert die epidemiologische Überwachung der Toxoplasmose beträchtlich, was die Einschätzung der damit verbundenen Belastung und der Folgen dieser Erkrankung erschwert.

Toxoplasmose während der Schwangerschaft

Infizieren sich Frauen mit Toxoplasma während oder kurz vor der Schwangerschaft, können die Protozoen auf den Fötus übertragen werden. Zwar zeigen nicht alle im Mutterleib infizierten Säuglinge klinische Symptome der Krankheit, doch kann die Infektion Fehl- oder Todgeburten hervorrufen oder bei Neugeborenen möglicherweise zu Fehlbildungen des Gehirns oder einem teilweisen bis vollständigen Verlust des Sehvermögens führen. Bis zu 85% der im Mutterleib infizierten Kinder erleiden später eine Beeinträchtigung des Sehvermögens, und auch wenn die meisten Symptome innerhalb des ersten Lebensjahrs auftreten, kann sich die Krankheit bis ins Jugendalter hinein entwickeln.

Bei einer serologischen Untersuchung kann festgestellt werden, ob sich eine schwangere Frau jemals mit Toxoplasma infiziert hat. Hat sich eine Frau bereits früher angesteckt, ist das Risiko einer Übertragung auf den Fötus sehr gering. War sie bisher nicht infiziert, besteht das Risiko einer Erkrankung während der Schwangerschaft und einer anschließenden Weitergabe an das ungeborene Kind.

Wird eine Schwangere positiv auf eine kurze Zeit zurückliegende oder akute Infektion getestet, hat sie die Möglichkeit, den Fötus durch Entnahme von Nabelschnurblut oder Fruchtwasser untersuchen zu lassen. In den meisten Ländern der Europäischen Region ist eine solche Früherkennungsuntersuchung jedoch weder routinemäßig vorgesehen noch obligatorisch. Die entsprechenden Empfehlungen stützen sich auf eine Kosten-Nutzen-Analyse der Prävalenz und Auswirkungen der Krankheit in dem Land und der mit diesen Untersuchungen verbundenen Risiken.

Lebensmittelsicherheit

Zur Verhinderung von lebensmittelbedingter Toxoplasmose sollten die Fünf Schlüssel der WHO zu sicheren Lebensmitteln befolgt werden. Bei der Erzeugung und Zubereitung von Lebensmitteln sind eine effektive Hygiene (insbesondere Händewaschen) und die Verwendung sauberen Wassers entscheidend. Schwangere sollten unzureichend gegartes Fleisch vermeiden. Obst und Gemüse sollten gründlich mit sauberem Wasser gewaschen werden.

Erfahrungen aus erster Hand

Die WHO hat mit Menschen gesprochen, die beruflich mit dieser häufigen, jedoch weitgehend unbekannten Krankheit zu tun haben und über Erfahrungen aus erster Hand mit ihr verfügen, um eine bessere Aufklärung zu betreiben, die Risiken für schwangere Frauen und ihre Kinder zu erläutern und die Prävention zu fördern.