Sexuelle Gesundheit – mehr als sexuell übertragbare Infektionen und unerwünschte Schwangerschaften

Activa Congress/V. Torres

Auf einer Konferenz in Madrid am 21. und 22. Oktober 2010 wollen politische Entscheidungsträger aus der gesamten Europäischen Region der WHO sich auf ein gemeinsames Verständnis in Bezug auf den Begriff sexuelle Gesundheit einigen. Dieses soll über das traditionelle Konzept sexueller Gesundheit hinausgehen, bei dem primär sexuell übertragbare Infektionen und unerwünschte Schwangerschaften im Mittelpunkt standen.

Sexuelle Gesundheit setzt eine positive und respektvolle Einstellung gegenüber Sexualität und sexuellen Beziehungen voraus. Sie ist ein Zustand vollständigen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens in Bezug auf Sexualität und ist direkt mit Fragen von Menschenrechten und Lebensqualität verknüpft. Die sexuelle Gesundheit und das sexuelle Wohlbefinden von Männern und Frauen hängen auch davon ab, ob diese Zugang zu umfassenden Informationen und Angeboten im Bereich der sexuellen Gesundheit haben.

Dennoch haben bisher nur wenige Länder der Europäischen Region, nämlich Finnland,  die Niederlande, Schottland (Vereinigtes Königreich) und Spanien nationale Konzepte und Strategien zur Förderung der sexuellen Gesundheit entwickelt. Diese sollen auf der Tagung vorgestellt und diskutiert werden – als konkrete Beispiele dafür, wie ein Konzept zur Förderung der sexuellen Gesundheit erstellt werden kann und welche Hindernisse dabei zu überwinden sind.

Ferner sollen die Ergebnisse von Situationsanalysen in Bezug auf die sexuelle Gesundheit von Jugendlichen, Senioren, Migranten, Menschen mit HIV und Menschen mit Behinderungen präsentiert und diskutiert werden, und die Länder und internationalen Partner werden die aus der Tagung resultierenden Empfehlungen als Checkliste für bereits erledigte bzw. noch zu erledigende Aufgaben benutzen.

Das WHO-Regionalbüro für Europa verfügt über starke Partner, mit denen es diesen Prozess vorantreiben kann, u. a. das Ministerium für Gesundheit und Sozialpolitik in Spanien, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzGA, ein Kooperationszentrum der WHO in Köln), das Internationale Zentrum für reproduktive Gesundheit (ICRH, ein Kooperationszentrum der WHO in Gent), das Europäische Netzwerk des Internationalen Verbands für Familienplanung (IPPF), das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) und den Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA).