Fachleute beraten über sichere Schwangerschaftsabbrüche

Ministry of Health, Latvia

Die Zahl unerwünschter Schwangerschaften sollte minimiert, jeder Schwangerschaftsabbruch aber sicher durchgeführt werden, sagte die WHO-Regionaldirektorin für Europa Zsuzsanna Jakab auf einer internationalen Tagung zur Thematik sichere Schwangerschaftsabbrüche und  reproduktive Gesundheitsversorgung, die am 30. und 31. Mai 2012 in Lettland stattfand.

„Ich glaube fest daran, dass wir es gemeinsam schaffen werden, die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche zu reduzieren, diese aber zugleich zugänglicher und sicherer zu machen. Die WHO wird die Länder weiter darin unterstützen, ihre Konzepte zu überarbeiten, unsichere Schwangerschaftsabbrüche zu vermeiden und gegen gesundheitliche Benachteiligungen vorzugehen“, sagte Frau Jakab. Sie dankte der lettischen Gesundheitsministerin für ihre Arbeit im Sinne der Gesundheit von Müttern in Lettland und dafür, dass Lettland 2012 zum Jahr der Gesundheit von Mutter und Kind ausrief und diese wichtige regionale Tagung ausrichtete. 

Die in Riga stattfindende Tagung zog rund 100 Teilnehmer aus über 30 Ländern und internationalen Organisationen an, die alle für einen besseren Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen in der Europäischen Region der WHO eintraten. Die Tagung wurde von der lettischen Gesundheitsministerin Ingrida Circene, der Gatten des georgischen Präsidenten und WHO-Botschafterin des guten Willens Sandra Roelofs sowie der Regionaldirektorin eröffnet.

Frau Circene stellte fest, „dass in den vergangenen 20 Jahren die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche auf weniger als ein Fünftel gefallen ist. Trotzdem ist die Prävention von Schwangerschaftsabbrüchen noch ein aktuelles Thema und wir müssen uns insbesondere um die Aufklärung der Schulkinder bemühen, denn fehlendes Wissen ist der Hauptgrund dafür, dass ungeplante Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche unter Jugendlichen vorkommen.“

Weitere Fortschritte erforderlich

Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche ist in der Europäischen Region rückläufig, weil erhebliche Fortschritte in der Prävention unerwünschter Schwangerschaften und der Förderung wirksamer Verhütung und Familienplanung gemacht wurden. Dennoch gibt es noch Millionen von Frauen und Männern, denen Informationen über Verhütung und Verhütungsmittel nicht in ausreichender Zahl und Güte zur Verfügung stehen. Verhütung ist direkt mit Aufklärung und Gesundheitserziehung in den Familien und Schulen verknüpft. Unerwünschte Schwangerschaften korrelieren eng mit unsicheren Schwangerschaftsabbrüchen samt den damit verbundenen Gesundheitsrisiken.

Im Idealfall sollten unerwünschten Schwangerschaften ganz vermieden werden, doch ist in manchen Ländern das Wissen über moderne Verhütungsmethoden weiterhin beschränkt. Weltweit führt ein begrenzter Zugang zur Verhütung unerwünschter Schwangerschaften und zu Einrichtungen für sichere Schwangerschaftsabbrüche zu 22 Mio. unsicheren Abbrüchen pro Jahr, an denen fast 50 000 Frauen sterben. Komplikationen führen bei weiteren ca. 5 Millionen Frauen kurzfristig oder lebenslang zu Behinderungen.

WHO-Leitfaden für sichere Schwangerschaftsabbrüche

Die WHO ist innerhalb der Vereinten Nationen federführend in der Prävention unsicherer Schwangerschaftsabbrüche und arbeitet eng mit ihren Partnern in der Unterstützung von Ländern zusammen, damit Bedarfslücken in der Familienplanung geschlossen werden können und insbesondere schwache Gruppen wie Arme, Bürger aus ländlichen Regionen, Jugendliche, Migranten und ethnische Minoritäten Hilfe erhalten. Die Studie über sozialen Determinanten von Gesundheit in der Europäischen Region hat bestätigt, dass reproduktive Gesundheit zu den Bereichen zählt, in den gesundheitliche Ungleichheiten auftreten.  Die Tagung in Lettland war jedoch ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

Während der Tagung stellte das Regionalbüro erstmalig die aktualisierte Ausgabe des „Fachlichen und konzeptionellen Leitfadens für das Gesundheitssystem zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen“ vor. Der Leitfaden ist das Ergebnis großer Anstrengungen auf Seiten der Forschung, der internationalen Gemeinschaft und der WHO.

Mitveranstalter der Tagung war der Internationale Verband für Familienplanung (IPPF EN), ein langjähriger internationaler Partner der WHO in der Verbesserung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit in Europa.