Dramatische Zunahme von Kaiserschnitten

Für die meisten Frauen ist die Geburt ein freudiges und aufregendes Ereignis, und bei guter Versorgung und Unterstützung läuft sie auch sicher ab. Doch technologische Fortschritte und ein erweitertes Wissen im Bereich der Geburtshilfe haben zu einem dramatischen Anstieg der Zahl der Kaiserschnitte geführt. Medizinische Interventionen wie Kaiserschnitt, Beobachtung von Embryonen und Ultraschalluntersuchungen kommen in einigen Ländern immer häufiger unnötig zum Einsatz, und die Frauen werden unter Druck gesetzt, im Krankenhaus zu entbinden, auch in Fällen, in denen eine Heimgeburt die beste Lösung wäre.

Wachsende Zahl von Kaiserschnitten

Da Kaiserschnitte sicherer geworden sind, hat sich ihre Zahl dramatisch erhöht. So erfolgen etwa in der Türkei über 40% aller Geburten per Kaiserschnitt, was über dem Durchschnitt der Europäischen Union (25,2%) liegt. Kaiserschnitte gelten inzwischen als so sicher, dass wohlhabende Frauen diese Methode als Alternative zur normalerweise empfohlenen vaginalen Geburt angeboten bekommen oder sie selbst wählen. Die WHO hat in der Vergangenheit konkretisiert, dass bei etwa 15% der Geburten ein Kaiserschnitt medizinisch zu empfehlen ist. Für die alarmierende Zunahme von Kaiserschnitten gibt es eine Vielzahl von Gründen:

  • die Zunahme von Adipositas bei Müttern;
  • ein fehlender Zugang zu Angeboten von Doulas;
  • eine Beckenendlage;
  • Kaiserschnitt statt einer Zangengeburt;
  • die Zunahme von Geburtseinleitungen;
  • Präferenz der Mutter (Bequemlichkeit, Angst oder Vermeidung von Wehen);
  • Präferenz der Geburtshelferin (Zeitplan, Einnahmequelle).

Auch wenn Kaiserschnitte eine etwa fünfmal so hohe Inzidenz der Mortalität und Morbidität von Müttern aufweisen wie vaginale Geburten, so haben sie doch auch einige Vorteile.

  • Bei etwa 10% der Frauen kommt es nach einer vaginalen Entbindung zu einer leichten bis schweren urinären Inkontinenz, bei einer Entbindung per Kaiserschnitt sind es nur 5%.
  • Ein Kaiserschnitt kann für einen gefährdeten Fötus lebensrettend sein.
  • Wenn ein Kaiserschnitt vereinbart wird, kann die Mutter die Entbindung zeitlich planen.
  • Der Mutter bleiben allzu lange Wehen erspart.

Die Reaktion der WHO

Die Herausforderung für die Europäische Region der WHO besteht darin, jeder Mutter die Möglichkeit zu einer natürlichen, sicheren Geburt zu geben und sie vollständig in den Entscheidungsprozess einzubeziehen. In der neuesten Ausgabe des Magazins Entre Nous, die den Titel Entbindung in der Europäischen Region im 21. Jahrhundert trägt, empfiehlt die Leiterin des Programms für sexuelle und reproduktive Gesundheit beim WHO-Regionalbüro für Europa, Dr. Gunta Lazdane, für eine sichere Entbindung folgende Maßnahmen:

  • Einführung von mütter- und säuglingsfreundlichen Maßnahmen wie Heimgeburt mit Unterstützung durch eine Hebamme (falls angemessen);
  • Beschränkung von Interventionen auf ein Mindestmaß;
  • Förderung von Stillen;
  • Gewährleistung, dass klinische und praktische Leitlinien einem Lebensverlaufansatz folgen; und
  • Verbesserung der Datenlage in Bezug auf alle Indikatoren für Geburten.

Frau Lazdane fügt hinzu: „Ohne ausreichende Daten und Analysen können wir uns kein ausreichendes Bild von den zugrunde liegenden Problemen machen, um die Geburtshilfe und die tatsächliche Entbindung für alle zu optimieren."
Die neueste Ausgabe des Magazins Entre Nous, die den Titel Entbindung in der Europäischen Region im 21. Jahrhundert trägt, befasst sich u. a. mit der Zunahme der Zahl der Kaiserschnitte.