Virushepatitis – Prävention könnte in der Europäischen Region der WHO täglich 400 Menschenleben retten

WHO/Piotr Malecki

Drogen injizierende Menschen sind besonders gefährdet, sich mit Hepatitis zu infizieren.

In der Europäischen Region der WHO leiden über 13 Millionen Menschen an chronischer Hepatitis B und über 15 Millionen an chronischer Hepatitis C. Zwei Drittel davon leben in Osteuropa und Zentralasien. Jeden Tag sterben in der Region rund 400 Menschen aufgrund von Hepatitis B und C.

„Diese tragischen Todesfälle aufgrund von Hepatitis könnten verhindert werden, wenn Neuinfektionen gestoppt, Tests verbessert und Hindernisse im Zugang zur Behandlung beseitigt würden. Konkret heißt das: unsichere Bluttransfusions- und Injektionspraktiken beenden, Kinder gegen Hepatitis B impfen und dafür Sorge tragen, dass Menschen in Risikogruppen getestet werden und die zur Behandlung von Hepatitis B und Heilung von Hepatitis C benötigten Arzneimittel erhalten," sagt Martin Donoghoe vom Programm des Regionalbüros gegen Tuberkulose, HIV/Aids und Hepatitis.

Welt-Hepatitis-Tag 2015

Die WHO und ihre Partner drängen Politikgestalter, Gesundheitspersonal und die Öffentlichkeit dazu, endlich zu handeln und durch Hepatitis-Prävention Ansteckung und Tod zu verhindern. Am 28. Juli ist Welt-Hepatitis-Tag.

Virushepatitis

Obwohl die Leber langsam zerstört wird, verläuft eine Hepatitisinfektion sehr lange unentdeckt, bis schwerwiegende und tödliche Komplikationen auftreten in Form von Leberzirrhose, Leberkrebs und Leberversagen. In den meisten Ländern der Region weiß die Mehrzahl der mit Hepatitisviren infizierten Menschen (in einigen Ländern bis zu 75%) nichts von ihrer Infektion. Manche wurden schon vor vielen Jahren durch eine Bluttransfusion oder eine Operation angesteckt, als noch keine Tests zur Verfügung standen.

Bei über 20% der Infizierten kommt es zu Leberzirrhose oder Leberkrebs, weil die Krankheit nicht rechtzeitig diagnostiziert wird, und nach Schätzungen sterben ca. 145 000 Menschen jährlich in der Region an den Folgen einer Virushepatitis.

Einige Bevölkerungsgruppen, insbesondere jedoch Drogen injizierende Menschen, sind einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Allerdings bleibt potenziell jeder gefährdet, solange nicht unsichere Injektionen und andere Eingriffe, die den Einzelnen mit Hepatitis B und C in Verbindung bringen können, im Gesundheitswesen wie in anderen Bereichen unterbunden werden.

Hepatitis B wird immer noch auch durch Sexualverkehr übertragen. Dabei kann sich schon seit mehr als 20 Jahren in den meisten Ländern der Region jeder gegen diese Krankheit impfen lassen.

Mangel an politischer Entschlossenheit und Aufmerksamkeit

Obwohl in den vergangenen Jahren in den Gesundheitseinrichtungen viel zur Verbesserung der Sicherheit in Bezug auf Blut und Injektionen getan wurde, breiten sich die Hepatitis-Viren weiter aus.

Bislang hat die Virushepatitis relativ wenig Aufmerksamkeit der Politikgestalter erhalten. Die meisten Länder verfolgen nur zögerlich Konzepte gegen Virushepatitis wie etwa die Sicherung des Zugangs zu Therapie und Prävention für alle Bedürftigen und die Verringerung der Kosten für Arzneimittel und Diagnostika.

In der Öffentlichkeit gibt es weiterhin kaum ein Bewusstsein von der Thematik.

Nur Prävention und Therapie führen weiter

Durch die Impfung von Neugeborenen wird eine Übertragung von Hepatitis B durch die Mutter auf das Kind am wirksamsten und sichersten verhindert und der Impfschutz hält ein Leben lang an.

„Menschen, die einem Infektionsrisiko unterliegen und als Kinder nicht geimpft wurden, sollten sich nachträglich impfen lassen," empfiehlt Martin Donoghoe.

Da Hepatitis C und B in der Region weiter durch Blut und Injektionen übertragen werden, sollten vermehrt evidenzbasierte Präventions- und Therapieprogramme für vulnerable Gruppen angeboten werden, etwa Schadensminderung für Menschen, die Drogen injizieren, und alle müssen gleichberechtigt Zugang zu Leistungen und Behandlungen erhalten.

Neue Methoden revolutionieren die Behandlung der chronischen Hepatitis C und ermöglichen es heute, 90% der erkrankten Menschen in nur drei Monaten ohne die schwerwiegenden Nebenwirkungen früherer Therapieansätze zu heilen. Die aktuellen Fortschritte in Therapie und Prävention der Virushepatitis haben die WHO dazu veranlasst, zur Unterstützung der Länder in ihren Maßnahmen gegen die Epidemie erstmals umfassende Leitlinien für die Behandlung und Versorgung für Hepatitis B und C zu erstellen (2014 bzw. 2015).

„Leider sind die neuen Therapien noch zu teuer und daher für viele Bedürftige nicht zugänglich," sagt Martin Donoghoe und fährt fort: „Regierung und Zivilgesellschaft müssen den politischen Willen aufbringen, den Zugang zur Behandlung zu bezahlbaren Preisen zu ermöglichen."

Die WHO erarbeitet derzeit eine globale Strategie zur Bekämpfung der Virushepatitis und verfolgt damit das ehrgeizige Ziel, diese ernsthafte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit zu beseitigen und Millionen von Menschen den Tod durch eine chronische Lebererkrankung zu ersparen. Zur Strategie gehört ein ganzes Bündel aus Präventionsmaßnahmen sowie Forderungen nach besserem Zugang zur Behandlung und globaler Aufklärung über die Virushepatitis, der „lautlosen, tödlichen Bedrohung".