Ausbruch von Hepatitis A in der Europäischen Region betrifft in erster Linie Männer mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten

WHO/Sergey Volkov

Von Juni 2016 bis Mitte Mai 2017 kam es in Ländern mit eigentlich niedriger Endemierate sowohl in der Europäischen Region als auch auf dem amerikanischen Kontinent (Chile und Vereinigte Staaten) zu einer ungewöhnlichen Häufung der Fälle von Hepatitis A, vornehmlich unter Männern mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten.

In der Europäischen Region meldeten 15 Länder (Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Slowenien, Spanien und das Vereinigte Königreich) bis zum 16 Mai. 2017 insgesamt 1173 Fälle in drei gesonderten länderübergreifenden Ausbrüchen. Die meisten der betroffenen Länder empfehlen Männern mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten generell, sich gegen Hepatitis A impfen zu lassen.

Unter dem Aspekt der öffentlichen Gesundheit ist der Ausbruch auch deswegen besorgniserregend, weil derzeit Impfstoffe gegen Hepatitis A weltweit nur in begrenztem Umfang verfügbar sind.  Außerdem werden zwischen Juni und September 2017 mehrere nationale und internationale Großveranstaltungen für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender (LGBT) stattfinden, hierunter das World Pride Festival in Madrid vom 23. Juni bis 2. Juli 2017. In diesem Zusammenhang fordert die WHO die Länder dazu auf, der IGV-Kontaktstelle im Regionalbüro ein ungewöhnliches Ansteigen der Fallzahlen für Hepatitis A zu melden.

World Pride Madrid 2017

Vom 23. Juni bis zum 2. Juli 2017 findet in Madrid das World Pride Festival statt. Bis zu zwei Millionen internationale Gäste werden erwartet. Das Risiko, sich in Spanien durch Lebensmittel oder Wasser mit Hepatitis A zu infizieren, gilt als gering bis moderat, das Übertragungsrisiko von Mensch zu Mensch jedoch als moderat bis hoch.

2017 erreichten die aus Spanien gemeldeten Fallzahlen für Hepatitis A fast das Achtfache der in den Jahren 2012 bis 2016 in vergleichbaren Zeiträumen gemeldeten Werte. Am stärksten betroffen sind Männer im Alter von 15 bis 45 Jahren und insbesondere Männer mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten.

Für die Teilnehmer von World Pride gelten folgende Empfehlungen:

  • Vor der Veranstaltung: Beratung durch Gesundheitsanbieter über Impfung gegen Hepatitis A und Prävention gegen sexuell übertragbare Infektionen.
  • Während der Veranstaltung: Präventionsmaßnahmen gegen sexuell übertragbare Infektionen sowie gegen durch Wasser und Lebensmittel übertragene Infektionen.
  • Nach der Veranstaltung: Bei Symptomen, die den Verdacht auf eine Infektion mit Hepatitis A oder eine sexuell übertragbare Infektion begründen, Arzt aufsuchen.

Empfehlungen der WHO

  • Länder mit niedrigen Endemieraten für Hepatitis A sollten generell Menschen die Impfung anbieten, die einem erhöhten Infektionsrisiko sowie dem Risiko schwerer Komplikationen im Falle einer Infektion unterliegen. Zu den Risikogruppen zählen Männer mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten. Die Impfung gegen Hepatitis A sollte Teil eines Gesamtpakets zur Prävention und Bekämpfung der Virushepatitis sein, das auch gesundheitliche Aufklärung und Maßnahmen zur Ausbruchsbekämpfung enthält.
  • Gegen Hepatitis A sollte vorzugsweise prophylaktisch vor und nach einer Exposition (enger Kontakt mit akuten Fällen von Hepatitis A) geimpft werden.
  • Zur Bekämpfung eines Ausbruchs sollten die Länder bei Versorgungsengpässen erwägen, die Impfung gegen Hepatitis A mit nur einer Dosis durchzuführen.
  • Die gesundheitliche Aufklärung über Hepatitis A sollte sich direkt an Gruppen richten, die einem erhöhten Infektionsrisiko sowie dem Risiko schwerer Komplikationen im Falle einer Infektion unterliegen.
  • Sie sollte sich auf Prävention, Impfung, Hygiene, Lebensmittelsicherheit und sichere Sexualpraktiken beziehen.