Lernen Sie das ABC der Hepatitis, bevor Sie in den Urlaub fahren

In ihren vielen Formen stellt die Hepatitis eine ernste Gefahr für die Gesundheit dar. Allen Formen ist gemeinsam, dass sie eine Entzündung der Leber hervorrufen. Langfristig gesehen können die am weitesten verbreiteten viralen Formen – Hepatitis B und C – schwere gesundheitliche Probleme wie Leberkrebs, Leberzirrhose und ein Leberversagen mit Todesfolge verursachen. Kurzfristig gesehen äußert sich die Hepatitis A oftmals als eine lebensmittelbedingte Erkrankung, die mit Erbrechen, Fieber und Durchfall einhergeht.

Jedes Jahr am 28. Juli wird der Welt-Hepatitis-Tag begangen, zeitgleich mit dem Beginn der Urlaubszeit für viele Menschen in der Europäischen Region der WHO, wenn sie eine dringend benötigte Pause von der Arbeit und der täglichen Routine nehmen. Auch wenn die Hepatitis das ganze Jahr über eine Gefahr darstellt, bergen bestimmte Aktivitäten im Sommerurlaub ein besonderes Infektionsrisiko. Glücklicherweise gibt es Möglichkeiten, sich vor einer Hepatitis-Infektion zu schützen, sowohl durch eine Impfung als auch durch Maßnahmen zur Begrenzung des Infektionsrisikos.

Hepatitis A vermeiden durch einen sorgsamen Umgang mit Nahrungsmitteln und Getränken

Viele Menschen wissen, dass eine Infektion mit Hepatitis A mit schlechten sanitären Verhältnissen oder unsicherem Trinkwasser einhergeht. Nur wenigen ist jedoch bewusst, dass selbst durch das Berühren eines Stücks Obst auf dem Markt Hepatitis-A-Erreger auf den Händen hinterlassen werden können, wo sie nur darauf warten, über den Mund in den Körper zu gelangen. Es ist immer wichtig, seine Hände häufig mit Seife und Wasser zu waschen. Doch wenn man in Teile der Welt reist, in denen es häufig zu Ausbrüchen von Hepatitis A kommt, ist es umso wichtiger.

Zur Verhinderung einer Infektion mit Hepatitis A und anderer lebensmittel- oder wasserbedingter Erkrankungen sollte man:

  • prüfen, ob das Trinkwasser sicher ist – falls nicht, sollte man auf abgefülltes Wasser oder abgekochtes Leitungswasser zurückgreifen und dieses auch zum Zähneputzen verwenden;
  • alle frischen Früchte und Gemüsesorten vor dem Verzehr schälen und waschen;
  • auf den Verzehr von rohem oder halbgegartem Fleisch bzw. Fisch verzichten;
  • Getränke vermeiden, die Eiswürfel enthalten oder mit unsicherem Trinkwasser hergestellt wurden; und
  • sich oft die Hände waschen.

Viele Fälle von Hepatitis A klingen ab, ohne dass es einer Behandlung bedarf. Doch ein schlimmer Fall kann einem leicht den gesamten Urlaub ruinieren. Es gibt eine Impfung gegen Hepatitis A. Zwei Dosen, die im Abstand von mindestens sechs Monaten verabreicht werden, schützen mindestens zwanzig Jahre lang.

Darüber hinaus kann das Virus über engen physischen oder sexuellen Kontakt mit einer infizierten Person oder über schmutzige Hände übertragen werden.

Vorsicht vor Hepatitis B und C

Hepatitis B wird über den Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten einer infizierten Person übertragen. Auch unsicherer Geschlechtsverkehr kann ein Risiko darstellen, ebenso wie das Stechen eines Tattoos oder Piercings oder eine Maniküre/Pediküre in Räumlichkeiten mit unzureichenden hygienischen Standards. Wenn man nicht sicher sein kann, dass ein Nagelstudio die entsprechenden Richtlinien zur Vermeidung einer Hepatitis-Übertragung einhält, sollte man in Erwägung ziehen, seine eigenen Utensilien wie Nagelknipser und Nagelscheren zu verwenden.

Hepatitis C wird ausschließlich über einen Blut-zu-Blut-Kontakt übertragen. Auch diese Form der Krankheit kann über unsicheren Geschlechtsverkehr, unhygienische Tattoos, Piercings und Nagelbehandlungen übertragen werden, doch dies geschieht deutlich seltener als dies bei Hepatitis B der Fall ist. Das höchste Infektionsrisiko geht von unsicheren Bluttransfusionen, Blutprodukten und medizinischen bzw. zahnmedizinischen Behandlungen aus.

Hepatitis B und C sind sogenannte stille Erkrankungen, da viele Menschen keinerlei Symptome aufweisen. Zudem gab es lange Zeit ein zu geringes Bewusstsein für die Hepatitis, sodass viele Menschen nicht wussten, dass sie sich infiziert hatten. Die Durchführung von Tests ist ein wichtiger Bestandteil einer Strategie zur Verbesserung der Bevölkerungsgesundheit, da eine langfristige Infektion mit Hepatitis B oder C zu Leberschäden oder Krebs führen kann. Wenn Sie glauben, dass Sie sich mit Hepatitis B oder C infiziert haben könnten, besprechen Sie die Möglichkeit eines Tests mit einem Arzt oder einer Pflegekraft.

Eine Impfung gegen Hepatitis B ist der beste Schutz und ist in vielen Ländern Teil der Routineimpfungen für Kinder. Erst seit dem Jahr 2000 ist der Impfstoff einer breiten Masse zugänglich, sodass heutige Erwachsene möglicherweise als Kinder nicht geimpft wurden. Der Impfstoff ist äußerst wirksam und drei Dosen bieten mindestens zwanzig Jahre lang Immunität.

Hepatitis C ist nun heilbar – doch Prävention ist noch immer entscheidend

Bislang gibt es keine Impfung gegen Hepatitis C. Injizierende Drogenkonsumenten sind dem höchsten Risiko ausgesetzt, doch alles, was dazu führen könnte, dass infiziertes Blut in den Blutkreislauf gelangt, birgt ein Risiko und sollte nach Möglichkeit vermieden werden.

Laut Samantha May, Leiterin der Abteilung Support beim Hepatitis C Trust, bereitet die Urlaubszeit in Bezug auf Hepatitis-Infektionen jedes Jahr Anlass zur Sorge. Der Hepatitis C Trust ist eine Wohltätigkeitsorganisation im Vereinigten Königreich, die sich zum Ziel gesetzt hat, das Bewusstsein für die Erkrankung zu schärfen, und die zudem eine vertrauliche, patientengeführte, landesweite Telefon-Helpline betreibt. In den letzten 16 Jahren sind bei der Helpline mehr als 45 000 Anrufe eingegangen.

„Wenn jemand befürchtet, sich durch eine Tätowierung angesteckt zu haben, bitte ich den Anrufer sich in Erinnerung zu rufen, ob die Tinte und die Nadeln versiegelt waren und vor seinen Augen geöffnet wurden. Das ist die Art von Hygiene, die wir uns erhoffen“, erläutert sie.

„Uns erreichen auch Anrufe von Menschen, die sich im Ausland einer kosmetischen oder zahnärztlichen chirurgischen Behandlung unterzogen haben und sich nun Sorgen machen. Solche Fälle sind mit einem gewissen Risiko verbunden, es kommt immer auf die Umstände und die Räumlichkeiten an. Doch das Risiko ist höchstwahrscheinlich deutlich geringer als bei injizierenden Drogenkonsumenten, die sich eine Nadel teilen, oder im Falle einer Bluttransfusion, die vor 1990 durchgeführt wurde. Letztendlich kann nur ein Test Gewissheit verschaffen. Glücklicherweise ist die Behandlung im Falle einer Diagnose heutzutage deutlich schneller und wirksamer als je zuvor.“