HIV/Aids-Epidemie in der Europäischen Region: HIV-Übertragung durch injizierenden Drogenkonsum

WHO/Marcus Garcia

Es sind dieselben Menschen, die mir Methadon verabreichen, mir meine antiretroviralen Medikamente geben und mich an meine Krankenhaustermine erinnern. Ich absolviere meine gesamte Behandlung mit ihnen. Ohne sie würde ich an manchen Tagen meine Tabletten vergessen.

- Ein Patient über seine Opioidsubstitutionstherapie in Portugal

Die Opioidsubstitutionstherapie gehört zu den wirksamsten Wegen zur Verhinderung einer HIV-Übertragung unter injizierenden Drogenkonsumenten. Die Einbindung dieser Therapie in die Behandlung und Versorgung von HIV-Infizierten ist von entscheidender Bedeutung für eine wirksame Bekämpfung der HIV-Epidemie.

In der Europäischen Region der WHO stabilisierte sich die Rate der HIV-Übertragung durch injizierenden Drogenkonsum zwischen 2010 und 2012 auf hohem Niveau. Während sie im östlichen Teil der Europäischen Region sank, stieg sie im mittleren und westlichen Teil an. Der Anstieg war hauptsächlich durch Ausbrüche in zwei Ländern der Europäischen Union bedingt.

Im September wird das Regionalbüro für Europa einen Fortschrittsbericht zur Umsetzung des Europäischen Aktionsplans HIV/Aids (2012–2015) vorlegen. Bis dahin werden wir jeden Monat einen konkreten Bereich des Aktionsplans hervorheben, diesmal die Verringerung der HIV-Übertragung infolge von injizierendem Drogengebrauch.

Fortschritte bei der Verringerung der HIV-Übertragung infolge von injizierendem Drogengebrauch
2011 erhielten mehr als 713 000 Menschen in 45 Ländern der Europäischen Region, davon 11 300 im östlichen Teil der Region, Opioidsubstitutionstherapie. Der Versorgungsgrad der Personen, die eine solche Therapie benötigten, lag in den meisten Ländern im östlichen Teil der Region unter 5%.

Zwischen 2010 und 2012 erreichten sechs Länder das für 2015 anvisierte europäische Ziel einer Reduzierung der Zahl der HIV-Neuinfektionen infolge injizierenden Drogenkonsums um 50%, weitere elf Länder sind auf bestem Wege. Dagegen konnten 14 Länder keinen wesentlichen Rückgang in den letzten Jahren vermelden.

Unterstützung der Länder der Europäischen Region durch die WHO

Das Regionalbüro hat in Zusammenarbeit mit seinen Partnern die Länder bei Maßnahmen zur Prävention von Neuinfektionen unter injizierendem Drogenkonsumenten und bei der Verbesserung der Zugänglichkeit und Qualität von Schadensminderungsangeboten unterstützt. Dies geschah konkret durch:

  • Bestimmung von Verhaltensfaktoren, strukturellen Hindernissen und umweltbedingten Risikofaktoren, die für injizierende Drogenkonsumenten den Zugang zu Maßnahmen der Schadensminderung, Therapie und Versorgung beeinträchtigen;
  • Empfehlungen zur wirksamen Anwendung der Opioidsubstitutionstherapie;
  • Veranstaltung einer Fachkonsultation über Präventionsmaßnahmen gegen HIV bei injizierenden Drogenkonsumenten in Zentralasien;
  • Informationsaustausch über vorbildliche Praxis und Herausforderungen in Bezug auf Maßnahmen der HIV-Prävention bei injizierenden Drogenkonsumenten, sowohl im Strafvollzug als auch in der Allgemeinbevölkerung;
  • Ernennung eines neuen WHO-Kooperationszentrums für Schadensminderung in Litauen.

Fortschrittsbericht für das Regionalkomitee 2014
2011 nahm das WHO-Regionalkomitee für Europa den Europäischen Aktionsplan HIV/Aids (2012–2015) an und ersuchte die Regionaldirektorin, ihm auf seiner Tagung im Jahr 2014 über dessen Umsetzung Bericht zu erstatten. In ihrem Bericht an das Regionalkomitee werden die seit 2011 erzielten Fortschritte sowie die noch bestehenden Herausforderungen geschildert.