HIV/Aids-Epidemie in der Europäischen Region: Behandlung und Betreuung von HIV-Infizierten

WHO/Marcus Garcia

Die im letzten Jahr veröffentlichte Änderung an den Empfehlungen der WHO – die Anhebung der CD4-Schwelle für die Aufnahme der Therapie bei HIV-positiven Erwachsenen und Jugendlichen von 350 Zellen/ μl auf 500 Zellen/ μl – verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass mit der Behandlung HIV-infizierter Personen früher begonnen wird. Dies ermöglicht ihnen ein längeres, gesünderes Leben und hat eine erhebliche Senkung des von ihnen ausgehenden Übertragungsrisikos zur Folge.

Experte der WHO für HIV-Behandlung

Das WHO-Regionalbüro für Europa ist den Ländern, insbesondere jenen mit niedrigem bis mittlerem Einkommen im östlichen Teil der Region, aus denen 76% der HIV-Neuinfektionen gemeldet werden, dabei behilflich, das Ziel der Herstellung eines allgemeinen Zugangs zur Prävention, Behandlung, Pflege und Betreuung zu erreichen. Die Behandlung und die Betreuung von mit HIV lebenden Menschen müssen zu einem integralen Bestandteil einer umfassenden und sinnvollen Reaktion auf die HIV-Epidemie werden.

Durch die Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten:

  • wird das Fortschreiten der Krankheit verzögert
  • wird der Behinderungsgrad verringert
  • wird die Lebensqualität verbessert
  • erhöht sich die Lebenserwartung
  • wird die Übertragung von HIV an andere Personen verhindert.

2013 gab die WHO konsolidierte Leitlinien für den Gebrauch antiretroviraler Medikamente zur Behandlung bzw. Prävention von HIV-Infektionen heraus, und 2014 folgten Leitlinien zur Prävention, Diagnose, Therapie und Versorgung im Bereich HIV für wesentliche Zielgruppen. Zusammen bieten sie einen aus Sicht der öffentlichen Gesundheit begründeten Ansatz zur Ausweitung der Behandlung und zur Eindämmung der Übertragung von HIV.

Fortschritte bei der Behandlung und Versorgung von HIV

Die Länder der Europäischen Region haben signifikante Fortschritte bei der Bereitstellung von Therapie- und Versorgungsangeboten für Menschen mit HIV erzielt, u. a. durch Verbesserungen bei Untersuchung und Beratung, bei der Überwachung im Labor sowie im Bereich der Leistungserbringung.

Im östlichen Teil der Europäischen Region wurde die antiretrovirale Therapie ausgeweitet, sodass 2012 70 000 Patienten mehr behandelt wurden als 2010. Der Versorgungsgrad mit ART erhöhte sich zwischen 2010 und 2012 von 23% (129 000) auf 35% (199 000). Damit wurde der für die Europäische Region angestrebte Versorgungsgrad von 80% bis 2015 deutlich verfehlt. Im westlichen Teil der Region ist der Versorgungsgrad mit ART hoch (Stand 2012: 560 000 Personen), und die meisten Länder Westeuropas sind auf bestem Wege, die für 2015 anvisierte Zielmarke von 80% zu erreichen, oder haben sie bereits erreicht.

Unterstützung der Länder der Europäischen Region durch die WHO

Das Regionalbüro unterstützt die Mitgliedstaaten bei der Anpassung und Umsetzung der Konsolidierten Leitlinien für die Anwendung antiretroviraler Medikamente zur Behandlung bzw. Prävention von HIV-Infektionen. Diese Unterstützung schließt fachliche Konsultationen und Beiträge zur Ausarbeitung nationaler Pläne ein, in denen die neuen Empfehlungen der WHO, die Evaluation der vorhandenen ART-Angebote und die Empfehlungen zur Optimierung der Leistungserbringung auf diesem Gebiet berücksichtigt werden.

Darüber hinaus hat das Regionalbüro an der Universität Kopenhagen ein neues Kooperationszentrum zur Bekämpfung von HIV und Virushepatitis ernannt. Das Zentrum leistet fachliche Unterstützung, insbesondere für die Länder Mittel- und Osteuropas und Zentralasiens.

Fortschrittsbericht für das Regionalkomitee 2014

2011 nahm das Regionalkomitee für Europa den Europäischen Aktionsplan HIV/Aids (2012–2015) an und ersuchte die Regionaldirektorin, seiner Tagung im Jahr 2014 über dessen Umsetzung Bericht zu erstatten. In dem Bericht werden sowohl die erzielten Fortschritte als auch die noch verbleibenden Herausforderungen geschildert.