Europäische HIV-Hepatitis-Testwoche 2017: gegen verspätete Diagnosen

Das Motto der diesjährigen Europäischen Testwoche, die vom 17. bis 24. November stattfindet, ist mit dem Welt-Aids-Tag abgestimmt und soll das Bewusstsein für die Problematik der verspäteten Diagnose von HIV-Infektionen schärfen. Im östlichen Teil der Europäischen Region der WHO ist sich ein Drittel der Betroffenen ihres HIV-Status nicht bewusst. In den übrigen Teilen der Region ist es etwa jeder Siebte.

Während der Europäischen Testwoche wird aktiv für Tests auf HIV und Hepatitis geworben. In der Europäischen Region leben etwa 15 Mio. Menschen mit chronischer Hepatitis B, und 14 Mio. Menschen haben sich mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert. Da die Infektion oftmals jahrzehntelang asymptomatisch bleibt, leben die meisten Infizierten im Unwissen über ihre Infektion, bis es zu schweren Komplikationen kommt.

Frühzeitige Tests ermöglichen eine bessere Behandlung

Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Prävention und Behandlung von HIV und Hepatitis B und C ist eine frühzeitige Erkennung.

Bei HIV wird durch eine frühzeitige Erkennung sichergestellt, dass die infizierten Personen schon früh eine antiretrovirale Therapie erhalten, was sich gesundheitlich günstig auswirkt und die weitere Übertragung des HIV verhindert. Außerdem ermöglicht es sachgerechte Entscheidungen über die Anwendung einer Reihe möglicher Präventionsmaßnahmen gegen HIV.

Zur Beschleunigung der Reaktion der Länder auf die HIV-Epidemie kommen zunehmend innovative Testmethoden zum Einsatz. So empfiehlt die WHO insbesondere die Einführung von HIV-Selbsttests. Diese Methode, die von den Einzelnen selbst durchgeführt werden kann, ist insofern besonders wichtig, als dadurch gefährdeten Gruppen Zugang zu Tests verschafft wird, gleichzeitig aber Vertraulichkeit gewahrt bleibt.

Für Infektionen mit Hepatitis B und C sind Tests das Tor zu geeigneten Präventions- und Therapieangeboten. Eine frühzeitige Erkennung der Infektion hat zur Folge, dass die Betroffenen die benötigte Versorgung und Behandlung erhalten, die zur Verhinderung oder Verzögerung des Fortschreitens einer Lebererkrankung und zur Unterbindung einer Weiterübertragung führen.

Empfehlungen der WHO für einen verbesserten Zugang zu Tests und integrierten Konzepten

In den meisten Ländern der Europäischen Region sind die HIV-Testangebote für die gefährdeten Gruppen unzureichend, und es gibt nur einen begrenzten Zugang zu Angeboten der Prävention, Behandlung und Pflege bei HIV und Hepatitis. Deshalb empfiehlt die WHO den Ländern, ein annehmbares Niveau an Angeboten vorrangig anzustreben, ausreichend zu finanzieren und zu unterstützen und ferner gesundheitliche, soziale und rechtliche Hindernisse zu beseitigen, die derzeit noch einem chancengleichen Zugang zu Tests auf HIV und Virushepatitis im Wege stehen.

Die WHO unterstützt nachdrücklich integrierte Konzepte für die Prävention, Untersuchung und Versorgung von Personen, die mit HIV und Virushepatitis leben müssen. Im Rahmen der Europäischen Testwoche wurden zahlreiche Erfolgsgeschichten in Verbindung mit solchen Ansätzen geschildert.

Europäische Testwoche

Die Zielsetzung der Europäischen Testwoche besteht darin, für den Nutzen von Tests auf HIV und Hepatitis zu sensibilisieren und so eine frühzeitigere Diagnose und einen entsprechenden Zugang zur Behandlung und zur Gesundheitsversorgung insgesamt zu ermöglichen. Die Kampagne findet in den meisten Ländern der Europäischen Region seit 2013 statt.

In diesem Jahr haben bereits über 650 Organisationen und Einzelpersonen ihre Unterstützung zugesagt. Die WHO ermutigt die Länder in der gesamten Europäischen Region, sich dieser Initiative anzuschließen und über ihre Diagnosekonzepte für HIV sowie Hepatitis B und C zu informieren und ihre Bürger im Rahmen gemeindenaher Initiativen zu testen.