WHO fordert sofortige Maßnahmen für eine energischere Bekämpfung von HIV in Osteuropa und Zentralasien

WHO/James Hammond

Getting tested is the first step towards becoming aware of HIV status. Early diagnosis is important because it allows people to start HIV treatment earlier, which in turn increases health benefits and prevents onward HIV transmission.

Gesundheitsminister und hochrangige Entscheidungsträger aus 10 Ländern in Osteuropa und Zentralasien kamen zu einem Grundsatzdialog der Minister über HIV und damit verbundene Begleiterkrankungen zusammen, um das politische Bekenntnis zur Bekämpfung von HIV zu erneuern und die Maßnahmen zur Bekämpfung von HIV auszuweiten.

Der von der WHO in Zusammenarbeit mit der niederländischen Regierung und dem Gemeinsamen Programm der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS) organisierte Grundsatzdialog fand am 23. Juli 2018 in Amsterdam kurz vor der Eröffnung der 22. Internationalen Aids-Konferenz statt. Im Blickpunkt stand die Europäische Region der WHO als globale Gemeinschaft von Experten, politischen Entscheidungsträgern und von HIV betroffenen Menschen, die sich über den bisherigen Fortschritt und mögliche künftige Maßnahmen austauschten.

Trendwende bei der HIV-Epidemie in der Europäischen Region notwendig

Die Europäische Region ist die einzige Region der WHO, die einen Anstieg der HIV-Neuinfektionen zu verzeichnen hat, und dieser Trend ist ungebrochen. 2016 wurden mehr als 160 000 HIV-Neuinfektionen diagnostiziert, nahezu 80% davon in den Ländern Osteuropas und Zentralasiens. Mit Stand 2017 waren über ein Fünftel aller mit HIV lebenden Menschen in der Europäischen Region sich ihrer Infektion nicht bewusst, ein Viertel davon in den Ländern Osteuropas und Zentralasiens, und die Hälfte derer, die ihren Status kannten, erhielten eine verspätete Diagnose. Dies führt zu Verzögerungen bei der Behandlung und zu einer überhöhten Morbidität und Mortalität und trägt zur anhaltenden Virusübertragung bei.

„Jetzt ist die Zeit gekommen, unsere Anstrengungen zu beschleunigen. Wir haben viel getan, aber noch nicht alles. Dort, wo es evidenzbasierte Lösungsansätze gibt, um eine Trendwende beim Verlauf der HIV-Epidemie in unserer Region einzuleiten, können wir es uns nicht leisten, so weiterzumachen wie bisher“, sagte Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa, in ihrer Eröffnungsansprache.

„Wir brauchen sofortige gemeinsame Maßnahmen im Einklang mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und mit anderen globalen und regionsweiten Rahmenkonzepten. Wir werden die Ziele für nachhaltige Entwicklung nicht erreichen können, wenn wir es nicht schaffen, die Inzidenz von HIV umzukehren und die Epidemie zurückzudrängen.“

Prioritäten für die Ausweitung der Maßnahmen in Osteuropa und Zentralasien

Zusammen mit Vertretern von internationalen und nichtstaatlichen Organisationen tauschten Gesundheitsminister und hochrangige Entscheidungsträger Erfahrungen zu innovativen und evidenzbasierten HIV-Bekämpfungsmaßnahmen aus, die effektiv, effizient und finanziell nachhaltig sind – mit dem Ziel, sie in der gesamten Europäischen Region anzupassen und auszuweiten. Die geschilderten Beispiele reichten von der Einführung integrierter, patientenorientierter Modelle für HIV-Angebote über innovative und inklusive Präventions-, Test-, Behandlungs- und Pflegemöglichkeiten bis zur Eliminierung der Mutter-Kind-Übertragung von HIV.

Infolge des Dialogs benannten die Teilnehmer Handlungsprioritäten für eine energischere Bekämpfung von HIV in den Ländern Osteuropas und Zentralasiens, wozu auch die Vertiefung der ressortübergreifenden Zusammenarbeit und die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft und mit Menschen, die mit HIV leben, gehören. Diese Partnerschaften sind besonders relevant, da soziale und wirtschaftliche Determinanten eine wichtige Rolle in der andauernden HIV-Epidemie spielen. Zu den vorrangigen Maßnahmen gehören außerdem die effektive Nutzung inländischer Finanzmittel und eine Schwerpunktlegung auf die am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppen.

Neue WHO-Ressource als Unterstützung bei der Bekämpfung von HIV

Im Anschluss an den Dialog stellte das WHO-Regionalbüro für Europa die „Sammlung bewährter Praktiken des Gesundheitswesens im Kampf gegen HIV in der Europäischen Region der WHO“ vor. Sie enthält 52 erfolgreiche Beispiele aus 32 Ländern in der Region, kategorisiert nach den fünf vorrangigen Handlungsfeldern des Aktionsplans für Maßnahmen des Gesundheitswesens gegen HIV in der Europäischen Region der WHO:

  • HIV-Prävention;
  • HIV-Tests und HIV-Behandlung;
  • Verringerung der Anzahl der Aids-bedingten Sterbefälle;
  • Abbau von Diskriminierung; und
  • mehr finanzielle Nachhaltigkeit der Maßnahmen gegen HIV.

„Zur Beschleunigung der Fortschritte in der Europäischen Region der WHO bei der Beendigung von Aids als Bedrohung für die öffentliche Gesundheit bis 2030 vertrauen wir darauf, dass Mitgliedstaaten und Partnerorganisationen diese Sammlung als einzigartige Ressource zur Aufrechterhaltung, Vermehrung und Ausweitung dieser und anderer ähnlicher bewährter Praktiken nutzen werden“, erklärte Dr. Masoud Dara, Koordinator für übertragbare Krankheiten beim WHO-Regionalbüro für Europa.

Der Aktionsplan für Maßnahmen des Gesundheitswesens gegen HIV in der Europäischen Region der WHO unterstützt die Länder der Region dabei, das globale Ziel der Beendigung von Aids als Bedrohung für die öffentliche Gesundheit bis 2030 zu erreichen, und umfasst einen Fahrplan für die Umkehrung des Trends bei der HIV-Epidemie in der Europäischen Region durch beschleunigte Maßnahmen.

Zu diesen gehören patientenorientierte Modelle der Gesundheitsversorgung, nachhaltige Finanzierungsmodelle und Partnerschaften – auch mit der Zivilgesellschaft. Und nicht zuletzt hilft der Fokus auf der Gewährleistung von Chancengleichheit und Menschenrechten dabei, einer Stigmatisierung entgegenzuwirken, und macht es für Menschen, die mit HIV leben, leichter, Behandlung und Pflege in Anspruch zu nehmen.

In Zusammenarbeit mit den Länderbüros leistet das WHO-Regionalbüro für Europa fachlichen Beistand im Bereich HIV, erteilt Ratschläge in Bezug auf das Erreichen der Zielvorgaben in den fünf vorrangigen Handlungsfeldern des Aktionsplans und bietet bedarfsgerechte Unterstützung für Länder mit niedrigem bis mittlerem Einkommen.