Zunehmende Influenza-Aktivität in der Europäischen Region der WHO

Das Regionalbüro beobachtet in enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission und dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten die Entwicklung der Influenza-Aktivität in der Region. Die Aktivität nimmt derzeit insbesondere im Westen der Region zu. In dieser Grippesaison sind bislang in erster Linie Viren des Pandemiestamms H1N1/2009 und des Typs Influenza B und nur wenige Viren des Typs A/H3N2 in Erscheinung getreten. In einigen Ländern sind schwere und tödliche Erkrankungen aufgetreten und in zwei Ländern im Westen der Region sind lebenswichtige Versorgungseinrichtungen durch schwere Grippefälle erheblich in Anspruch genommen worden. Auch wenn die meisten schweren Fälle mit A/H1N1/2009 in Verbindung stehen, wird doch auch eine geringere Zahl von Infektionen mit dem Influenzavirus B gemeldet.

Wie in der Pandemie-Entwarnung der WHO-Generaldirektorin vom August 2010 erläutert wurde, ist damit zu rechnen, dass das Pandemievirus A/H1N1/2009 auch weiterhin zirkulieren und lokale Ausbrüche und Epidemien verursachen und in den bekannten Risikogruppen wie auch bei zuvor gesunden Personen zu schweren bis tödlich verlaufenden Erkrankungen führen wird. Die derzeit verfügbaren Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die während der Pandemie als in Bezug auf schwere oder tödliche Verläufe besonders gefährdet identifizierten Gruppen weiterhin ein erhöhtes Risiko tragen und dass in den meisten der aktuellen tödlichen Fälle keine Impfung erfolgt war.

Das derzeit in der Region zirkulierende Influenzavirus H1N1/2009 gehört zu dem Stamm, der für den Impfstoff für die Grippesaison 2010/2011 auf der Nordhalbkugel herangezogen wurde. Das WHO-Regionalbüro für Europa empfiehlt den Gesundheitsministerien daher, für Personen mit einem potenziell erhöhten Komplikationsrisiko hohe Impfraten mit dem saisonalen Grippeimpfstoff anzustreben. Insbesondere sollten die Behörden versuchen Schwangere zu erreichen, die früher nicht von Impfkampagnen gegen die saisonale Grippe erfasst wurden. Die Gesundheitsfachkräfte selbst sollten für die Impfung motiviert werden und dann andere Personen mit erhöhtem Komplikationsrisiko vom Nutzen der Impfung überzeugen. Die Erfahrung aus den letzten 12 bis 18 Monaten zeigt, dass das medizinische Personal bei der Bekämpfung der Influenza durch die Bevölkerung eine wesentliche Rolle spielt.

Die WHO rät den nationalen Behörden auch, Personen mit erhöhtem Risiko für grippebedingte Komplikationen mit neuen oder erweiterten Bewusstseinskampagnen anzusprechen, damit sie in einem frühen Stadium ihrer Erkrankung ärztlichen Rat suchen oder sich in Behandlung begeben. Die Regierungen müssen auch Hausärzte, Krankenhäuser und Intensivstationen auf den zu erwartenden erhöhten Andrang von Grippepatienten vorbereiten, damit diese Triage-Verfahren und die frühzeitige Behandlung von Patienten mit Lungenentzündung einleiten können; dies gilt vor allem dort, wo Ressourcenknappheit herrscht. Die behandelnden Ärzte sollten eine Grippebehandlung bereits bei Verdacht einer Erkrankung beginnen, ohne Schnelltests durchzuführen oder eine Laborbestätigung abzuwarten.