Europäische Region weit von Zielmarke für Akzeptanz des Influenza-Impfstoffs entfernt

94% der Länder der Europäischen Region der WHO empfehlen eine Impfung von Senioren gegen die saisonale Grippe. Nach Schätzungen entfallen mehr als 90% der Todesfälle infolge der saisonalen Influenza auf die Altersgruppe der über 65-Jährigen. Denn in dieser Altersgruppe kommt es bei Influenza nicht nur häufiger zu schweren Krankheitsverläufen, sondern auch zu einer höheren Krankenhauseinweisungsrate; ferner sind in Alten- und Pflegeheimen Krankheitsausbrüche besonders häufig, und die Genesung der Betroffenen dauert oftmals länger.

Doch von den Ländern, aus denen Daten über die Akzeptanz des Impfstoffs vorliegen, konnte nur eines das von der WHO und der EU-Kommission angestrebte Ziel erfüllen, bis 2010 unter Senioren eine Impfquote von 75% zu erreichen, während viele andere diese weit verfehlten. Aus einigen Ländern liegen überhaupt keine Daten zur Akzeptanz von Impfstoffen vor.

Zielgruppen für den Influenza-Impfstoff

Neben Senioren und den Bewohnern von Pflegeeinrichtungen empfiehlt die WHO für folgende Gruppen Impfungen gegen die saisonale Grippe: Schwangere; Menschen mit chronischen Erkrankungen; Bewohner von Einrichtungen für Behinderte; Gesundheitspersonal; Kleinkinder (von 6 bis 59 Monaten). Die Empfehlung basiert u. a. auf den Kriterien Krankheitslast, Kosteneffektivität und Machbarkeit.

Die Empfehlungen für die genannten Gruppen fallen von Land zu Land stark unterschiedlich aus, und über ihre Akzeptanz des Impfstoffs liegen meist nur sehr spärliche Daten vor.

Konzepte zur Verbesserung von Akzeptanz und Datenlage

In ihrer Ansprache an den Welt-Impfstoff-Kongress am 17. Oktober erläuterte Dr. Caroline Brown, Leiterin des Influenza-Programms beim WHO-Regionalbüro für Europa, Konzepte zur Verbesserung der Akzeptanz von Impfstoffen sowie der dürftigen Datenlage. Konkret empfahl sie den nationalen Gesundheitsbehörden:

  • die durch Influenza bedingte Krankheitslast abzuschätzen und Kosten und Nutzen von Impfprogrammen gegen Influenza abzuwägen;
  • eine Priorisierung von Risikogruppen in Umfeldern mit begrenztem Zugang zu Impfangeboten vorzunehmen;
  • eine Überwachung der Akzeptanz von Impfstoffen sowie ungünstiger Ereignisse nach der Impfung einzurichten.

Darüber hinaus sollten die WHO und die Mitgliedstaaten auch weiterhin darauf hinarbeiten, bei der Bevölkerung für Influenza-Impfstoffe zu werben.