Aktuelles zu dem neuartigen Corona-Virus – neuer Virustyp MERS-CoV

Mit Stand vom 15. Mai 2013 sind der WHO bisher insgesamt 40 im Labor bestätigte Fälle menschlicher Infektion mit dem NCoV gemeldet worden, darunter 20 mit tödlichem Ausgang in sechs Ländern: Frankreich, Deutschland, Jordanien, Katar, Saudi-Arabien und Vereinigtes Königreich.

Standardisierte Bezeichnung

Seit der Entdeckung des Virus wurden in der Fachliteratur, in Datenbanken und in den Medien unterschiedliche Bezeichnungen verwendet. Zur Vereinheitlichung und Vereinfachung des Informationsaustausches über die Krankheit hat die Studiengruppe Corona-Virus (CSG) des Internationalen Komitees für die Taxonomie von Viren dem Virus die Bezeichnung MERS-CoV (Kurzform von Middle East respiratory syndrome coronavirus) zugewiesen. Die WHO und weitere Mitglieder des Komitees empfehlen nachdrücklich die Verwendung dieser Bezeichnung in wissenschaftlichen und anderen Beiträgen. Die Standardbezeichnung wurde am 15. Mai im Journal of Virology veröffentlicht.

Morbidität

Die Zahl dokumentierter Fälle ist zwar gering, doch sind Morbidität und Mortalität in Verbindung mit einer MERS-CoV-Infektion alarmierend. Einige der bekannten Fälle hatten einen milden Verlauf, doch kam es in den meisten Fälle zu schweren akuten respiratorischen Beschwerden, die eine Einweisung ins Krankenhaus erforderlich machten und an denen die Hälfte dieser Patienten verstarb.

Geografische Verbreitung

Bisher scheint die Infektion geografisch an die Arabische Halbinsel geknüpft zu sein. Zwei kleine Häufungen einer Übertragung von Mensch zu Mensch wurden in Europa nach der Einschleppung durch Reisende, die von der Arabischen Halbinsel kamen, beobachtet: im Vereinigten Königreich (zwei Fälle) und in Frankreich (ein Fall).

Übertragung

Saudi-Arabien hat der WHO zwei Fälle einer vom Labor bestätigten MERS-CoV-Infektion von Gesundheitspersonal gemeldet: der Zustand eines am 2. Mai 2013 erkrankten 45-jährigen Mannes wird als kritisch bezeichnet, der Zustand einer am 8. Mai 2013 erkrankten 43-jährigen Frau ist dagegen stabil. Zwar waren bereits im April 2012 in Jordanien Übertragungen im Gesundheitswesen beobachtet worden, doch wurde hier zum ersten Mal eine MERS-CoV-Infektion von Gesundheitspersonal nach Kontakt mit Patienten diagnostiziert. Es besteht weiter Anlass zur Sorge, dass das Virus durch Anpassung die Fähigkeit zur effizienten Übertragung von Mensch zu Mensch erlangt. Die WHO verfolgt die Entwicklung aufmerksam.

Infektionsquelle

Die Infektionsquelle ist noch nicht bekannt. Nach allem, was über Corona-Viren allgemein bekannt ist, und sich häufenden Indizien, scheint MERS-CoV jedoch auf Fledermäuse zurückzugehen. Wahrscheinlich wurde eine Variante über einen tierischen Zwischenwirt (zumindest im Nahen Osten) schließlich auf den Menschen übertragen.

Empfehlungen der WHO

Aufgrund der aktuellen Lage und aller verfügbaren Informationen fordert die WHO alle Mitgliedstaaten auf, ihre Surveillance-Maßnahmen in Bezug auf Fälle von schwerer akuter respiratorischer Infektion (SARI) fortzusetzen und etwaige ungewöhnliche Muster sorgfältig zu untersuchen.

Den Erbringern der Gesundheitsversorgung wird dazu geraten, auf Reisende zu achten, die schwere Fälle von SARI ausbilden, nachdem sie aus von MERS-CoV betroffenen Gebieten kamen, und möglichst zu Diagnosezwecken Proben aus den unteren Atemwegen zu entnehmen. Kliniker werden daran erinnert, dass eine MERS–CoV-Infektion bei Patienten mit erheblich beeinträchtigten Immunsystemen auch dann in Betracht kommt, wenn keine typischen Anzeichen und Symptome vorliegen.

Alle Mitgliedstaaten werden erneut gebeten, jeden neuen Fall einer MERS–CoV-Infektion prompt zu bewerten und der WHO zu melden und dabei Informationen über Expositionen, die möglicherweise zur Infektion führten, und über den klinischen Verlauf einzuschließen.

Die WHO rät aufgrund dieses Ereignisses nicht zu gesonderten Untersuchungen an Grenzübergangsstellen und empfiehlt derzeit auch keine Reise- bzw. Handelsbeschränkungen.