Ausbruch des MERS-Coronavirus in der Republik Korea: Risiko der Einschleppung vorhanden, doch geringe Gefahr einer Ausbreitung in Europa

Republik Korea meldet größten MERS-CoV-Ausbruch außerhalb der Arabischen Halbinsel

Der Ausbruch des Nahost-Atemwegssyndrom-Coronavirus (MERS-CoV) in der Republik Korea breitet sich seit der Meldung des ersten Falls am 20. Mai 2015 weiter aus. 

Auch wenn das Auftreten eines derart großen Ausbruchs außerhalb des Nahen Ostens ein Novum ist, so gibt es doch gegenwärtig keine Anzeichen dafür, dass das Virus sich anders verhält als anderswo. Wie bei früheren Ausbrüchen ist auch der Ausbruch in der Republik Korea durch eine Übertragung in einer Gesundheitseinrichtung und unter Familienangehörigen bedingt. Bisher gibt es noch keine Anzeichen für eine anhaltende Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Deshalb bleibt das bisher beobachtete Infektionsmuster insgesamt unverändert.

Die WHO hat die Federführung in Bezug auf die Reaktion der Gesundheitspolitik in der Republik Korea und in den anderen betroffenen Ländern übernommen und arbeitet dabei mit ihren Partnerorganisationen zusammen. Diese Maßnahmen umfassen die ordnungsgemäße Behandlung erkrankter Personen, die Verhinderung weiterer Fälle und die Gewinnung eines besseren Verständnisses für Übertragungsmuster und Risikofaktoren bei diesem Ausbruch. Die WHO behält die Situation ständig im Auge.

Fälle von MERS-CoV in der Europäischen Region gemeldet

Seit September 2012 wurden aus acht Ländern der Europäischen Region (Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Niederlande, Österreich, Türkei, Vereinigtes Königreich) insgesamt 15 im Labor bestätigte Fälle einer Infektion mit dem MERS-CoV gemeldet, davon sieben mit tödlichem Ausgang. Die meisten dieser Fälle wurden eingeschleppt und hatten keine weitere Ausbreitung des Virus zur Folge; nur in drei Fällen kam es zu einer sekundären Übertragung auf Familienangehörige und andere Kontaktpersonen. Der letzte Fall wurde im März 2015 aus Deutschland gemeldet.

Dennoch bleibt das Risiko bestehen, dass weitere mit dem MERS-CoV infizierte Personen in ein Land der Europäischen Region einreisen. Jeden Tag reisen viele Menschen zwischen Europa und den Ländern, aus denen derzeit MERS-CoV-Fälle gemeldet werden. Doch die bisherige Erfahrung zeigt, dass die Länder der Europäischen Region für den Umgang mit den eingeschleppten MERS-CoV-Fällen gerüstet sind und über ausreichende Laborkapazitäten für die Fallentdeckung, über Behandlungseinrichtungen mit Isolierstationen und über Vorkehrungen für die Rückverfolgung von Kontakten verfügen. Vor allem konnte durch eine konsequente Anwendung angemessener Infektionsschutz-, Präventions- und Gesundheitsschutzmaßnahmen die Übertragung verhindert oder abgeschwächt werden.

WHO empfiehlt Ländern der Europäischen Region hohes Maß an Wachsamkeit

Die WHO fordert alle Länder der Europäischen Region auf, wachsam zu bleiben, ihre Surveillance auf akute Atemwegsinfektionen zu verstärken (insbesondere bei Reisenden oder Wanderarbeitnehmern aus dem Nahen Osten) und jegliches ungewöhnliche Muster sorgfältig zu untersuchen. Das WHO-Regionalbüro für Europa ist darauf vorbereitet, die Länder bei der Bewertung ihrer Kapazitäten für eine Reaktion auf das MERS-CoV zu unterstützen und fachliche Hilfe für die Verbesserung der Bereitschaftsplanung zu leisten.

Einhaltung von Infektionsschutz- und -bekämpfungsmaßnahmen in Gesundheitseinrichtungen

Es ist schwierig, mit dem MERS-CoV infizierte Patienten frühzeitig zu erkennen, da die Symptome denen anderer Atemwegsinfektionen ähneln. Um das Risiko einer Übertragung auf Personen, die dem MERS-CoV ausgesetzt sein könnten (Gesundheitspersonal zur Behandlung von mit dem MERS-CoV infizierten Patienten), zu verringern, ist eine strenge Einhaltung der geltenden Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen unverzichtbar. 

Gesundheitspersonal, das Patienten mit einer wahrscheinlichen oder bestätigten MERS-CoV-Infektion versorgt, sollte neben den üblichen Vorsichtsmaßnahmen auch Vorkehrungen in Bezug auf Kontakt und Tröpfchenübertragung (Gesichtsmaske, Augenschutz, Kittel, Handschuhe) treffen.

Gesundheitlicher Rat an Reisende

Reisende in und aus derzeit betroffenen Ländern benötigen gesundheitliche Empfehlungen in Bezug auf Vorsichtsmaßnahmen gegen eine MERS-CoV-Infektion. 

  • Reisende in die betroffenen Länder, vor allem Personen mit Vorerkrankungen und ältere Menschen, sollten einen engen Kontakt mit Tieren (insbesondere Kamelen) vermeiden und eine strenge Hygiene einhalten, etwa durch regelmäßiges Händewaschen. Das Trinken von Kamelrohmilch oder Kamelurin sollte ebenso vermieden werden wie der Verzehr von nicht ausreichend gegartem Fleisch.
  • Rückkehrern nach Europa wird geraten, jede in den ersten beiden Wochen nach ihrer Rückkehr (Inkubationszeit) auftretende akute Atemwegserkrankung einem Arzt zu melden und ihn über die zurückliegende Reise zu informieren. Solche Auskünfte von Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen über Reisen in jüngster Zeit sind für die Fallentdeckung unverzichtbar.

Die WHO rät derzeit nicht zu Reise- bzw. Handelsbeschränkungen oder zu gezielten Untersuchungen auf MERS-CoV an Grenzübergangsstellen.